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Forscher zum Sex vor 40.000 Jahren: „Fast in flagranti erwischt“

Neandertaler und Homo Sapiens in Love Forscher zum Sex vor 40.000 Jahren: „Fast in flagranti erwischt“

Svante Pääbo, Direktor des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie, ist happy:  Vor fünf Jahren war ein Team unter seiner Leitung erstmals auf Hinweise gestoßen, dass es vor 50.000 bis 60.000 Jahren zu Sex zwischen Homo Sapiens und Neandertalern kam.

Probenentnahme per Bohrer an dem rund 40000 Jahre alten Unterkiefer.

Quelle: Svante Pääbo

Professor Svante Pääbo ist happy: „Es ist ein fantastischer Glücksfall, eine Person zu finden, die so nah mit einem Neandertaler verwandt ist“, freut sich der Direktor des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie (Eva). Vor fünf Jahren war ein Team unter seiner Leitung erstmals auf Hinweise darauf gestoßen, dass es vor 50.000 bis 60.000 Jahren im Nahen Osten zu Begegnungen der fruchtbaren Art zwischen dem Neandertaler und dem Homo sapiens kam.

Denn, so belegte die damalige Studie, noch heute tragen die modernen Menschen außerhalb Afrikas in ihrem Erbgut bis zu drei Prozent DNA-Anteile des vor rund 40.000 Jahren ausgestorbenen Homo neanderthalensis. Das zeugt vom urzeitlichen Sex zwischen den beiden verwandten Spezies, in dessen Folge gemeinsame Nachkommen das Licht der Welt erblickten. Unbeantwortet blieb bei den 2010 im Journal Science veröffentlichten Untersuchungsergebnissen die Frage, ob es nur im Nahen Osten oder später auch anderorts zu Schäferstündchen kam, aus denen Nachwuchs hervorging.

In der aktuellen Ausgabe des Magazins Nature berichtet nun eine Forschergruppe, zu der Experten vom Eva sowie aus Rumänien, den USA und China gehören, über die erfolgreiche Fahndung nach Überresten einstiger genetischer Vermischung in Europa. Dem Befund liegt der Gen-Check eines fossilen menschlichen Unterkiefers zu Grunde, der 2002 in der Oase-Höhle im Südwesten Rumäniens aufgetaucht war und auf ein Alter von etwa 40.000 Jahren datiert wurde.
Eine Probe von nur 35 Milligramm Knochenpulver, die aus dem Gebissrudiment gebohrt wurde, reichte den Fachleuten aus, um das stammesgeschichtliche Geheimnis des Mannes zu lüften, der in der Höhle sein Grab fand.

Wie sich zeigte, hatte dieser Homo sapiens noch wesentlich mehr Neandertaler-DNA intus als die jetzt den Erdball bevölkernden Menschen. Fünf bis elf Prozent seines Erbgutes wurden als Neandertaler-Mitgift identifiziert, darunter auch sehr lange Abschnitte einiger Chromosomen. Studienleiter Pääbo kommentiert: „Wir haben sie fast in flagranti erwischt.“ Er bezieht das auf den Fakt, dass der Oase-Mann letztlich der Nachfahre einer Liaison zwischen Homo sapiens und Neandertaler war, die sich vier bis sechs Generationen vorher abgespielt hatte.

Doch Rätsel bleiben: Zum einen ist weiter ungeklärt, ob die aus Afrika in die Welt ausgeschwärmten anatomisch modernen Menschen und die Neandertaler zu Zeiten der gemeinsamen Existenz regelmäßig Paarungspartner waren oder es quasi nur sporadisch einen One-Night-Stand gab. Andererseits scheint der Oase-Steinzeitler seinerseits keine direkten Nachkommen im heutigen Europa zu haben. „Vielleicht war er Teil einer frühen Migrantengruppe, die schließlich ausstarb“, vermutet Populationsgenetiker Professor David Reich, der an der Harvard Medical School arbeitet und schon lange mit dem Leipziger Eva kooperiert.

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