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Bildung Fügsam oder aggressiv: Leipziger Forscher sondieren Ratten-Erbgut
Leipzig Bildung Fügsam oder aggressiv: Leipziger Forscher sondieren Ratten-Erbgut
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23:59 16.01.2015
Wissenschaftler des Leipziger Uni und des hiesigen Max-Planck-Institutes haben das Erbmaterial von Ratten untersucht. (Symbolbild) Quelle: Jan-Peter Kasper

"Es konnten verschiedene Orte im Genom identifiziert werden, die mit dafür verantwortlich sind, wie stark die Angriffslust oder die Fügsamkeit ausgebildet sind", fasst Professor Torsten Schöneberg, der das Institut für Biochemie an der medizinischen Fakultät der Uni leitet, die Untersuchungsergebnisse des internationalen Teams zusammen.

Fachleute aus Schweden, Großbritannien, Russland und den USA waren in das Projekt als Kooperationspartner der Leipziger eingebunden. Die hochkarätige Publikation trägt aber vor allem die Handschrift von Henrike Heyne, die als Doktorandin an Schönebergs Institut arbeitet, und von Frank Albert, der am Eva promovierte und derzeit an der Princeton University wirkt.

Unter die Lupe genommen wurden die Genome bei 150 Ratten. Fragestellung: Wie wirken sich Unterschiede in deren Erbgut auf die Gen-Aktivität im Gehirn der Nager aus? Die Forscher wurden fündig, konnten unter anderem konkrete Gene identifizieren, die wahrscheinlich eine Rolle dabei spielen, in welchem Maße sich aggressives oder zahmes Verhalten ausprägen. Ungeklärt sei aber noch, welche Wechselwirkungen es bei den Gen-Produkten gebe, so Schöneberg, der gemeinsam mit Eva-Professor Svante Pääbo 2005 die Basis für die Untersuchungen gelegt hatte.

Hintergrund: Bereits in den 1970er-Jahren versuchten russische Fachleute herauszufinden, ob sich beispielsweise Nerze, Silberfüchse oder eben Wanderratten domestizieren, also zähmen lassen. Über 70 Generationen hinweg wurden die Tiere selektiert - immer wieder jene Ratten miteinander gepaart, die friedlich schienen, und solche, die sich bissig zeigten. Letztlich entstanden so zwei Stämme. Die Vertreter des einen waren fügsam, die des anderen aggressiv.

Dank guter Kontakte Pääbos zu russischen Kollegen, konnten die Leipziger Forscher vor zehn Jahren aus Sibirien einige Wanderratten beider Stämme importieren. Seitdem werden sie hier im Labor-Revier vermehrt und eingehend studiert - hinsichtlich der Konstitution, des Verhaltens und der genetischen Beschaffenheit. Nicht nur das Erbgut der Kuschler und Kämpfer wurde sondiert, sondern auch das von Tieren, die aus der Kreuzung beider Stämme hervorgingen. In der Vergangenheit gelang es bereits, bestimmte Bereiche im Genom zu verorten, die als eine Art Systemsteuerung für das Ratten-Temperament fungieren. Dass jetzt der Beweis für ein sogenanntes polygen-bedingtes Verhaltensmuster angetreten werden konnte, gilt als erneuter wichtiger Forschungserfolg.

Ein weiteres Kontrollexperiment wäre aus Schönebergs Sicht die Übertragung der "Aggressivitäts- und Zahmheitsgene" auf andere Tiere. Das sei technisch derzeit aber schwer umsetzbar. "Wir haben einen Mechanismus aufgedeckt, der in vielen Spezies existiert, aber der exakte Weg, wie Toleranz gegenüber dem Menschen entsteht, lässt sich bisher noch nicht aufzeigen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.01.2015

Mario Beck

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