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Game Jam Leipzig: Ein Sprungbrett für Entwickler

Von der Idee zum fertigen Spiel Game Jam Leipzig: Ein Sprungbrett für Entwickler

48 Stunden für ein Computerspiel – das ist das Ziel beim Game Jam in Leipzig, der am Wochenende in der HTWK steigt. Unter Zeitdruck entstehen zahlreiche kreative Projekte, von denen manche auch die Basis für Größeres bilden.

Diskutieren und programmieren – bei der Game Jam zählt vor allem das Teamwork.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. In 48 Stunden ein möglichst funktionierendes Computerspiel zu entwickeln – darum geht es beim Global Game Jam 2016, dessen Leipziger Ableger an diesem Wochenende in den Räumen der HTWK stattfindet. Doch bei dem Event, das an insgesamt 635 Standorten weltweit gleichzeitig stattfindet, geht es um weit mehr als nur um ein paar Fingerübungen von Informatikern und Designern. Manchmal erwächst auch größeres aus dem Programmier-Happening.

„Eine sehr intensive Erfahrung“

So auch beim Entwicklerduo Rat King Entertainment aus Halle. Zwar hatten sich Friedrich Hanisch und Jana Reinhardt schon während des Studiums an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein kennengelernt und dort erste Prototypen entwickelt. Eine entscheidende Initialzündung zur Unternehmensgründung lieferten aber die Game Jams. „Hier haben wir gemerkt, dass es möglich ist, in kürzester Zeit ein funktionierendes Spiel zu entwickeln“, erinnert sich Hanisch. Auch ihr aktuellstes Projekt, das First-Person-Adventure „TRI“ hat seine Wurzeln in einem solchen Event. „Die Grundmechanik ist nach wie vor die gleiche wie damals, auch wenn das Endergebnis natürlich deutlich komplexer ist“, erläutert Jana Reinhardt. Das Rätselspiel, bei dem der Spieler sich seinen Weg durch die verwinkelten Levels mit Hilfe von platzierbaren Dreiecken bahnen muss, ist inzwischen nicht nur deutlich größer, sondern überzeugt auch mit stimmungsvollem, an japanische Comics angelehntem Design. Das in kürzester Zeit gestaltete Spiele-Entlein ist zum vollwertigen Schwan gereift.

Sphärische Welten - TRI von Rat King Entertainment hat seine Wurzeln in einem Game Jam

Sphärische Welten - TRI von Rat King Entertainment hat seine Wurzeln in einem Game Jam.

Quelle: Rat King Entertainment

An den Game Jams schätzen die beiden vor allem den kollegialen Charakter: „Man lernt sehr viele unterschiedliche Leute aus der ganzen Szene kennen, das Gruppengefühl ist ganz wichtig“, beschreibt Reinhardt ihre Faszination für die Kreativen-Treffen. „Es ist eine sehr intensive Erfahrung, so konzentriert an einem Projekt zu arbeiten. Das macht den größten Reiz aus.“ Gerade für junge Entwickler seien die Jams eine gute Möglichkeit, Ideen zu testen und ihre Stärken zu erforschen. „Man geht in diesem Rahmen einfach mehr Experimente und auch mehr Risiko ein“, erklärt Friedrich Hanisch. Das Endergebnis muss mitnichten perfekt sein – es geht vor allen Dingen darum, sich und seine Fähigkeiten auszuprobieren.

Kabel im Porree

Auch aktuelle Trends finden immer wieder ihren Weg in die Game Jam-Projekte. So sei in den vergangenen Jahren in Leipzig auch bereits mit Virtual Reality experimentiert worden, berichtet Friedrich Hanisch. Und das Skurille kommt bei dem Event ebenfalls nicht zu kurz. So stehen immer mal wieder alternative Eingabemethoden – also alles abseits von Maus und Tastatur – im Raum. Jana Reinhardt beschreibt eine besonders ausgefallene Möglichkeit der Steuerung: „Es gibt eine spezielle Technik, die elektrische Impulse des Körpers erfassen und weitergeben kann. Da werden dann etwa ein paar Kabel in eine Porree-Stange gesteckt – und durch Drücken auf das Gemüse ein Spiel gesteuert.“ So etwas sei in Leipzig zwar noch nicht zum Einsatz gekommen – denkbar wäre es aber schon. Zumal wie in den Jahren zuvor auch wieder eine Liste mit kreativen Beschränkungen bereitsteht, mit denen die Entwickler ihr Projekt nach Belieben noch anspruchsvoller gestalten können.

Jana Reinhardt (v) und Friedrich Hanisch während dem Game Jam 2015

Jana Reinhardt (v.) und Friedrich Hanisch während dem Game Jam 2015.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Nachdem Hanisch und Reinhardt in den vergangenen Jahren hauptsächlich in ihrer Rolle als Organisatoren am Leipziger Game Jam beteiligt waren, sind sie 2016 rein privat vor Ort. Auf das Motto der diesjährigen Auflage, das erst am Freitag bekannt gegeben wird, sind sei beide schon sehr gespannt. „Wir bevorzugen eher die ’offenen’ Themen“, erklärt Jana Reinhardt, „in den letzten Jahren gab es als Leitlinie etwa das Bild eines Herzschlags oder das einer Ouroboros-Schlange, also einer Schlange, die sich selbst verzehrt.“ Was die Entwickler dann aus dem Thema machen, bleibt völlig ihnen überlassen. Eine potenzielle Spielidee haben die beiden auch schon parat: „Es ist zwar noch nichts Konkretes, aber ein Multiplayer-Titel, der an einem Rechner gespielt werden kann, wäre interessant.“

Die Leipzig Game Jam findet vom 29. bis 31. Januar im Lipsius-Bau der HTWK Leipzig statt. Der Startschuss für die Teilnehmer fällt am Freitag um 15.30 Uhr, am Sonntag ab 15 Uhr sollte das fertige Spiel zum Hochladen bereit stehen. Die Teilnahme ist über die Veranstaltungswebsite möglich – einen Teilnahmeschluss gibt es nicht.
 

Von bfi

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