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Bildung Gegen Zahlentricks: Leipziger Schüler, Lehrer und Eltern rufen zu Protest auf
Leipzig Bildung Gegen Zahlentricks: Leipziger Schüler, Lehrer und Eltern rufen zu Protest auf
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23:59 01.07.2014
"Uns reicht es" - sagen Cornelia Falken (GEW), Maximilian Lehmann (Stadtschülerrat) und Andreas Geisler (Stadtelternrat). Sie rufen zur Bildungsdemo auf. Quelle: André Kempner

Denn zugleich scheiden im kommenden Jahr etwa 1500 Pädagogen aus dem aktiven Schuldienst aus. Da seien doch Unterrichtsausfall und vollgestopfte Klassen programmiert, sind sie sich einig. "Für uns ist es wichtig, ein Signal des Protestes zu setzen", sagt Cornelia Falken, die Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Deshalb wird nun - gemeinsam mit Elternräten und Schülerräten - zum Sternmarsch am 8. Juli um 17 Uhr in die Nonnenstraße aufgerufen.

In Nr. 17 sitzt die Bildungsagentur, die den Unterricht an allen Schulen absichern muss. Losgezogen zur Kundgebung wird vom Zetkinpark, vom Felsenkeller sowie vom Adler. "Das Echo auf unseren Aufruf ist bereits riesig. Was jetzt mit der Bildung in Sachsen passiert, ist nicht zu tolerieren", sagt Andreas Geisler, der Vorsitzende des Stadtelternrates Leipzig. "Wir Schüler fühlen uns veralbert und nicht mehr ernstgenommen", ergänzt Maximilian Lehmann, der Chef des Stadtschülerrates. So werden die Jugendlichen oft mit Sprüchen, früher hätte man sich über Ausfall gefreut, abgespeist. "Bei der jetzigen Situation in vielen Schulen gibt es aber nicht mehr viel zu freuen", sagt der 17-jährige Gymnasiast aus Engelsdorf, der gerade einen Super-Abschluss hingelegt hat. "Inklusion, Integration, spezielle Förderung - dafür reicht es hinten und vorne nicht."

Beispiele, wie Klassen zerstückelt und neu zusammengewürfelt oder zusätzliche Angebote rigoros gestrichen werden, häufen sich - auch weil die Schülerzahlen gestiegen sind. Besonders drastisch ist die Situation an den Förderschulen. Mehrere Bildungsstätten machen schon gar keine Eingangsklassen mehr auf, sagt Falken.

Die Schüler werden verteilt - müssen oft weitere Wege zurücklegen. "Bei den Schwächsten wird der Rotstift angesetzt", betont sie. So gebe es zwei neue Lehrerstellen an Förderschulen im gesamten Bereich der Bildungsagentur Leipzig. Eltern sind aufgebracht, weil Hörgeschädigte plötzlich an die Sprachheilschule wechseln sollen. Wegen Lehrermangels, sagte Geisler, wird die Bildung immer mehr in die Elternhäuser verlagert. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder zur Nachhilfe. Andere, deren Eltern sich nicht kümmern, bleiben auf der Strecke. "Selbst Schuldirektoren kommen mittlerweile mit ihren Sorgen und Nöten zu uns", sagt der Stadtelternratschef.

Falken, zugleich auch Landtagsabgeordnete der Linken, wirft der Landesregierung Zahlenspielereien vor. Jährlich 1000 neue Lehrer klinge zwar gut. Unterm Strich reiche das aber nicht. "Da werden auch befristete Stellen entfristet und als Neueinstellungen verkauft." Dabei seien seit Jahren zu wenig Lehrerstellen vorhanden, um den Lehrplan vollständig umsetzen zu können. Die Situation spitze sich zu, weil mehr Pädagogen aus Altersgründen ausscheiden als durch junge Leute ersetzt werden. "Eine Reserve gibt es nicht. Es werden nur noch Löcher gestopft."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.07.2014

Orbeck, Mathias

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