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Bildung Gene erzählen Menschheitsgeschichte: Leipziger Forscher erstellen interaktive Weltkarte
Leipzig Bildung Gene erzählen Menschheitsgeschichte: Leipziger Forscher erstellen interaktive Weltkarte
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23:59 14.02.2014
Szene aus dem Film "Dschingis Khan - der blaue Wolf". Wo die Mongolen-Heere einfielen, hinterließen sie auch genetische Spuren. Quelle: kasmfilm

Die Erbgut-Zeitreise basiert auf der DNA-Analyse von 1490 Menschen aus Europa, Afrika, Asien und Südamerika.

Über vier Jahrtausende hinweg konnte so rückwirkend der genetische Austausch von 95 Populationen rekonstruiert werden.

Hintergrund: "Wenn sich Angehörige verschiedener ethnischer Gruppen miteinander fortpflanzen, ist das Erbgut der Nachkommen eine Mischung aus der DNA dieser beiden Gruppen", erklärt Daniel Falush vom Eva, der an dem Großprojekt mitwirkte. "Stücke dieser DNA werden dann an die folgende Generationen weitergegeben und gelangen so bis in die Gegenwart." Um Licht ins Dunkel des einstigen Geschehens zu bringen, setzten die Fachleute auch eine komplexe statistische Methode namens Globetrotter ein. Das Erbgut der in China lebenden Tu-Minderheit zeigte beispielsweise, dass sich dort um das Jahr 1200 Griechen mit der chinesischen Bevölkerung vermischten. Wahrscheinlich stammte europäische DNA von Händlern, die damals die Seidenstraße bereisten.

Oft korrespondieren die Resultate der Forscher mit historischen Überlieferungen. Bei ihrer Fahndung nach dem Gen-Erbe des mongolischen Reiches fanden sie beispielsweise klare Hinweise darauf, dass mongolische DNA einst weit verbreitet wurde. Die in Pakistan lebenden Hazara stammen demnach teilweise von mongolischen Kriegern ab. Aber auch in der Türkei hinterließen die Heerscharen Dschingis Khans und seiner Nachfolger ihre genetischen Spuren. Zuweilen traten bei der Studie, die dem Gen-Atlas zugrunde liegt, überraschende Unterschiede hinsichtlich der Ver­mischungsquellen zu Tage. So ist bei Bevölkerungsgruppen, die in Pakistan regional eng beieinander sind, das Erbgut sehr verschieden beeinflusst. Die einen haben DNA aus Afrika südlich der Sahara intus, was mit dem arabischen Sklavenhandel zusammenhängen könnte. Andere bekamen Teile ihres Erbgutes aus Ostasien mit auf den Weg und wieder andere aus dem alten Europa.

"Jede Population hat ihre eigene genetische Palette", meint Falush. "Wenn man die Genome heute lebender Maya malen würde, müsste man dafür eine gemischte Farbpalette bestehend aus spanischer, westafrikanischer und indianischer DNA wählen." Entstanden sei dieser Mix etwa 1670, was sich mit der Geschichtsschreibung deckt. Denn zu jener Zeit besiedelten viele Menschen aus Spanien und Westafrika den amerikanischen Kontinent. Neben dem Blick zurück könnte die Studie künftig auch Informationen darüber liefern, wie sich die Zusammensetzung der DNA in ­verschiedenen Populationen auf das Krankheitsgeschehen auswirkt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.02.2014

Mario Beck

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