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Bildung Geschichte der Arzneien: Vom Pillenvergolder bis zu Tropfen für den jungen Herrn
Leipzig Bildung Geschichte der Arzneien: Vom Pillenvergolder bis zu Tropfen für den jungen Herrn
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23:59 10.02.2015
Unscheinbar: das Arzneiabgabegefäß für den "jungen Herrn" aus dem Jahr 1780. Es wurde einst auf den Dachboden des Schlosses Brandis gefunden. Quelle: André Kempner

Das sucht solche, mindestens 30 Jahre alte Verpackungen, aber auch Rezepte, Werbung oder historische Postkarten von Apotheken. "Wir möchten unsere Dokumentation zur sächsischen Pharmaziegeschichte vervollständigen", sagt Susanna Seufert, die das Museum leitet. Die Ausstellung hat nach Renovierung und Reparaturarbeiten wieder geöffnet - mit einer Reihe neuer Exponate.

Dazu gehört ein unscheinbarer Zufallsfund, ein kleines Glasgefäß mit erstaunlich gut erhaltener Anbindesignatur. Es stammt aus Kisten, die Fragmente einer Drogensammlung wie mehrere Dosen mit Mutterkorn-Varianten enthalten und dem Museum übergeben wurden. "Dem jungen Herrn. Aller 3 Stunden 20 Tropfen in Wasser. 4. Februar 1780" ist auf einem der Arzneiabgabe-Gefäße zu lesen. Das wurde einst von einem Apotheker auf dem Dachboden des Schlosses Brandis gefunden. "Erste Recherchen haben ergeben, dass der junge Herr Lebrecht Gottlob von Bodenhausen gewesen sein könnte, der 1765 auf Brandis geboren wurde", sagt die Kulturwissenschaftlerin. "Woran er als 15-Jähriger litt, werden wir wohl nicht mehr erfahren." Fakt sei aber, dass es seinerzeit noch keine Apotheke in Brandis gab - die Patienten mussten nach Leipzig kommen.

Mit solchen Mosaiksteinchen will das vom Sächsischen Apothekerverband betriebene Museum die Historie der Branche, die nach wie vor Lücken aufweist, vervollkommnen. Mit eindrucksvollen Exponaten wird dort beispielsweise auch die Geschichte der Homöopathie beleuchtet, deren Begründer Samuel Hahnemann (1755-1843) ja viele Jahre in Leipzig wirkte. Neu in der Sammlung ist ein Silberpokal, der Dr. med. Traugott Kirsten 1886 zum 50-jährigen Jubiläum von homöopathischen Apotheken überreicht wurde. Signiert ist er von Willmar Schwabe, der mit seiner Central-Apotheke aus Leipzig ein Zentrum der Homöopathie machte und der bis dahin geschmähten und heute hoch geschätzten Naturheilkunde zum Durchbruch verhalf, sowie William Steinmetz, einem Apotheker und Mitarbeiter Schwabes. "Kirsten ist wahrscheinlich der erste praktische Arzt in Leipzig, der Homöopathie anwendete", so die Museumsfachfrau.

Die Ausstellung zeigt aber auch Geräte mit merkwürdigen Namen wie Pillenvergolder. Apotheker haben früher für anspruchsvolle und vor allem reiche Patienten "goldene Pillen" hergestellt, die heutzutage wohl keine Krankenkasse bezahlen würde. Zu sehen sind ferner Exponate wie Privilegien, Apothekentaxen, Plastiken, Fayencen und Rezepturen. Beliebt ist auch das Tablettenpressen, das bei diversen Veranstaltungen angeboten wird. Etwa 2500 Besucher zählt das kleine, aber feine Museum Jahr für Jahr, wobei die Gäste zur alljährlichen Museumsnacht nicht mitgezählt sind. Wer dort mindestens 30 Jahre alte Verpackungen, historische Fotos und Postkarten oder ähnliche Dokumente aus der Geschichte der Apotheken abgibt, kommt gratis hinein. Und vielleicht findet sich das ein oder andere noch in Omas Nachtschrank.

Das Sächsische Apothekenmuseum am Thomaskirchhof ist 11 bis 17 Uhr, donnerstags 14 bis 20 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Eintritt vier, ermäßigt 2,50 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.02.2015

Mathias Orbeck

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