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Bildung Gesundheitstagung in Leipzig: Pocken weltweit ausgerottet, Kinderlähmung macht Probleme
Leipzig Bildung Gesundheitstagung in Leipzig: Pocken weltweit ausgerottet, Kinderlähmung macht Probleme
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23:59 14.05.2015
Freuen sich, den Kongress nach 20 Jahren wieder nach Deutschland geholt zu haben - die beiden Professoren Michael Borte (l.) und Volker Schuster. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Besonders Kinder sind dafür anfällig. Aktuell tauschen 2500 auf pädiatrische Infektiologie spezialisierte Mediziner aus Europa und Übersee, die Viren, Bakterien und Co. den Kampf ansagen, ihr Wissen an der Pleiße aus - bei der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft zur Untersuchung von Infektionskrankheiten im Kindesalter (englisch kurz ESPID).

In Leipzig findet dieser viertägige Kongress, der noch bis Freitag währt, erstmals statt. Auf der Neuen Messe. Michael Borte, Chef der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Leipziger Klinikum St. Georg, hat dafür gemeinsam mit Volker Schuster, dem Leiter der Leipziger Uni-Kinderpoliklinik, die Präsidentschaft inne. Die beiden haben den Kongress nach 20 Jahren überhaupt das erste Mal wieder nach Deutschland geholt. Jetzt hätten sie sich zwar noch ein paar mehr Teilnehmer aus Osteuropa erhofft. Allerdings können sie sich über einen regen Zulauf aus arabischen Staaten freuen.

Proppenvoll gepackt ist das Programm. Es geht um den kritischen Umgang mit Antibiotika, gerade auch bei Kindern; um Mittelohr-, Mandel- und Gelenkentzündung; um Keuchhusten und Hautinfektionen; um Infektionen durch den Umgang mit Haustieren und solche, die man sich in Kliniken einhandelt und die entsprechende Hygiene. "Es kommt die gesamte Themenbreite der Infektiologie im Kinder- und Jugendalter zur Sprache, alles was mit Viren, Bakterien, multiresistenten Keimen, Würmern und dergleichen zusammenhängt", sagt Schuster. "Das reicht bis zur Gesundheitpolitik", ergänzt Borte, bei dem zur Eröffnung am Dienstag eine italienische Wissenschaftlerin diesbezüglich Eindruck hinterließ: "Sie hob hervor, wie wichtig es ist, dass sich Ärzte auch mit Gesundheitspolitik beschäftigen und an Politiker herantreten mit ihren Wünschen, Erfordernissen und Notwendigkeiten." Borte und Schuster hätten da auch schon gleich einen Wunsch an die deutsche Regierung: "Menschen aus Krisenregionen sind uns sehr willkommen", betonen sie. "Aber viele Flüchtlinge kommen ohne alles, ohne Papiere, ohne Impfdokument. Schnell machen sich dann Befürchtungen etwa mit Blick auf Tuberkulose breit. Die sprachlichen Hürden erschweren das Kommunizieren. Aus unserer Sicht gehört es aber zur Einwanderungspolitik dazu, dass die, die bei uns eintreffen, zunächst auch medizinisch mal durchcheckt werden können. Da sehen wir Handlungsbedarf, entsprechende Regularien aufzustellen."

So ein Großkongress hat unterdessen freilich auch Infektionserkrankungen besonders beim Wickel, die die Kollegen international beschäftigen. Masern etwa, die in Leipzig zuletzt ebenso auftraten wie an anderen Enden der Welt. Und Ebola, das eher in der Welt, aber seit einem toten Patienten im St. Georg im Vorjahr auch in Leipzig Thema ist. Eigens für diese Erkrankungen richten ESPID und Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Tagung gemeinsam ein Symposium aus. In so einem Zusammenhang rücke auch allgemein die Frage nach Impfungen in den Fokus, so Schuster. Während es auf diesem Wege beispielsweise gelang, die Pocken 1979 rund um die Erde auszurotten, konnte die Kinderlähmung (Polio) - nach hoffnungsvollem Rückgang - wieder Fuß fassen. In Afrika, in Ländern wie Indien oder Pakistan etwa. "Und unterstützt von radikalen Islamisten, die Impfungen ablehnen, Menschen umbringen, die sich impfen lassen, und Impfprojekt-Helfer der WHO töten", so Schuster.

Nicht zuletzt profitiert auch so ein Tagungspräsident zu gern von solchen Kongressen. "Uns Klinikern fehlt es oft an Zeit, sich intensiv mit der Forschung zu befassen", bekennt Borte. "Spannend war es jetzt daher für mich, von einem niederländischen Kollegen über die Entdeckung völlig neuer Erreger zu hören, die Infektionskrankheiten von Tier zu Mensch und umgedreht zeitigen können."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.05.2015

Angelika Raulien

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