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Goldschmidtschule legt Schatz frei

Gemälde in der Turnhalle Goldschmidtschule legt Schatz frei

Der Expressionist Paul Horst-Schulze hat zahlreiche Spuren in Leipzig hinterlassen - unter anderem in der Henriette-Goldschmidt-Schule. Dort schuf er ein Wandgemälde in der heutigen Gymnastikhalle. Die Schule will das Gemälde nun wieder freilegen.

Die Henriette-Goldschmidt-Schule in Leipzig. An der Stirnseite der heutigen Gymnastikhalle soll ein großes Wandbild des Expressionisten Paul Horst-Schulze freigelegt werden.

Quelle: André Kempner

Leipzig . In der Henriette-Goldschmidt-Schule wusste man es jahrelang schon „irgendwie“: An der inzwischen gelb getünchten Stirnseite der heutigen Gymnastikhalle, die früher einmal Aula war, hatte es ein großes Wandbild gegeben. „Eine ehemalige Kollegin, Annerose Kemp, hatte mir davon mal erzählt“, so Schulleiter Eberhard Ulm. Das monumentale Werk – soviel ist längst raus – stammte vom Expressionisten Paul Horst-Schulze (1876–1937), der an der Pleiße mit seinem Freund, dem Architekten Raymund Brachmann, die sächsische Sparte des Deutschen Werkbundes gegründet hatte. Und der überhaupt zig Spuren in Leipzig hinterließ: die Ausgestaltung der Wahrener Gnadenkirche; ein Fresko in der Thomas-Pfarrei; Wandmalereien zur König-Rother-Sage in der heutigen Villa Rosental; ein Wandbild in Auerbachs Keller; eine Zeichnung seines verstorbenen Freundes Max Klinger auf dem Totenbett...

Horst-Schulze schuf Wandgemälde, wo heute Schüler turnen

Und eben jenes Werk in der traditionsreichen Goldschmidtschule, dem heutigen städtischen Berufsschulzentrum für pädagogische wie tangierende Ausbildungsberufe. Die Bildungsstätte war 1911 von der Namensgeberin als erste Hochschule für Frauen in Deutschland gegründet worden. Dort hatte Horst-Schulze 1924/25 das Wandgemälde „Die Verherrlichung der Fröbelschen Menschenerziehung“ geschaffen. In der damaligen Aula, wo heute die Schüler turnen. „Der Künstler arbeitete seinerzeit unentgeltlich“, erzählt Ulm. „Er wünschte lediglich, dass ihm die Auslagen – so 1500 bis 2000 Mark – ersetzt werden. Für Pinsel, Farben, Gerüst und so weiter. Das geht aus dem Antrag des damaligen Schulleiters, dem anerkannten Fröbelexperten Johannes Prüfer, vom Juli 1924 an die Stadt hervor.“ Da die wohl auch schon zu jenen Zeiten permanent klamm war, sprang Generaldirektor Herrmann vom Verlag Feierabend in die Bresche, stellte privat 2500 Mark zur Verfügung. Unter anderem auch für die Aufbereitung des gewünschten Bilduntergrundes: Marmorputz.

Einem Schreiben Prüfers vom 6. Dezember 1924 ans Schulamt ist zudem zu entnehmen, dass „Herr Baumeister Walter Schneider nunmehr durch seine Leute die infrage kommende Wandfläche nach den Angaben des Herrn Professor Horst-Schulze neu putzen lassen“ hat und Letzterer die Arbeit nunmehr auch begonnen habe. Am Samstag, dem 21. März 1925, erfolgte die feierliche Übergabe des Gemäldes – unter anderem in Anwesenheit von Oberbürgermeister Karl Rothe. Die Schule wiederum hatte sich dann bedankt, indem sie Horst-Schulzes Werke als „Kollektivausstellung“ bei sich ausstellte.

Der Plan: das übermalte Bild wieder rekonstruieren

„2003 hörten wir dann mal, dass Nachkommen von Horst-Schulze eine Werkschau im Markkleeberger Westphalschen Haus organisierten. Da sind wir natürlich hin – und waren überrascht: Verfügten wir bisher lediglich über ein schlecht kopiertes Schwarzweiß-Bild aus einer alten Zeitung, so hing da der originale farbige Entwurf des Malers für unser Wandbild!“, so Ulm. Fortan sei der ehrgeizige Gedanke gereift, das – laut Ulm vermutlich spätestens Mitte der 1950er-Jahre im Zusammenhang mit der Umnutzung der Aula zur Turnhalle – übermalte Bild wieder zu rekonstruieren.

Erste Spuren bereits freigelegt

„Über die Stadt erhielten wir den Kontakt zur Enkelin von Horst-Schulze und ihrem Ehemann in Überlingen“, so Ulm. Inzwischen hätten die beiden signalisiert, mit einer 5000-Euro-Spende das Vorhaben der Schule zu unterstützen. „Dafür muss jedoch die Stadt als Schulträger einen Vertrag über Verwendung und Zweckbindung der Summe mit dem Ehepaar machen, damit – rechtlich besehen –  diese Spende auch angenommen und ein Restaurator beauftragt werden kann“, erklärt Ulm die Lage. Diesbezüglich hatte er kürzlich an Bildungsbürgermeister Thomas Fabian geschrieben, zugleich mit der Bitte, überhaupt den damit verbundenen „Eingriff in die Gebäudesubstanz zu genehmigen“. „Inzwischen haben wir diese Genehmigung“, freut es Ulm. Erste Spuren des Gemäldes seien sogar bereits durch einen Restaurator freigelegt worden. „Und nun wiederum wird geprüft, ob auch wirklich das gesamte Gemälde freilegbar ist, ob die dafür in Aussicht gestellte Spende ausreicht... Es bleibt schon noch spannend“, denkt er.

Angelika Raulien

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