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Bildung Großes Interesse an Kinder-Unis in Leipzig, Dresden und Chemnitz
Leipzig Bildung Großes Interesse an Kinder-Unis in Leipzig, Dresden und Chemnitz
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13:53 12.05.2018
Schüler verfolgen eine Vorlesung der Kinderuni: Vor allem Experimentalvorlesungen sind beliebt. Quelle: dpa
Dresden/Leipzig

Tiere, Autos und vor allem praktische Experimente: Das Interesse der Jungen und Mädchen an den Kinder-Unis ist vor allem in Sachsens großen Städten ungebrochen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. An der TU Dresden etwa werden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hygiene-Museum pro Semester 550 Plätze für Kinder angeboten. „Diese sind in der Regel schon am ersten Tag der Anmeldungsfrist ausgebucht“, sagt Uni-Sprecherin Kim-Astrid Magister.

Vom Kinderlabor zum Chemie-Studium

Weitere Angebote sind „Physik am Samstag“, „Psychologie am Samstag“ oder ein Kinderlabor im Fach Chemie/Lebensmittelchemie. „Vom Kinderlabor weiß ich, dass einige Teilnehmer später ein Chemie- oder Lebensmittelchemiestudium begonnen haben“, sagt Magister.

Kinder-Unis werden Vorlesungen genannt, die Hochschulen speziell für Kinder anbieten. Den Wissenschaftlern mache die Kinder-Uni in der Regel viel Spaß, sagt Magister. Sie seien vom Wissensdurst der Kleinen begeistert. „Viele Dozenten sind vor einer Vorlesung in der Kinder-Universität mehr aufgeregt als in ihrer gewohnten Lehrsituation.“ Auch passiere es ihnen im normalen Vorlesungsalltag vermutlich nicht, dass sie um Autogramme gebeten werden. Bei der Kinder-Uni hingegen müssten sie sich für Autogrammjäger Zeit nehmen und sich unbequeme Fragen gefallen lassen.

Hohe Nachfrage an der Uni Leipzig

Die Kinder-Uni an der Universität Leipzig wurde 2011 neu aufgelegt und veranstaltet zwei Mal pro Jahr jeweils vier bis fünf Vorlesungen für Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren. Sie können sich die Vorlesungen auswählen. Es gebe stabil etwa 700 bis 800 Anmeldungen pro Vorlesungsreihe und etwa 400 bis 500 Teilnehmer pro Vorlesung, sagt eine Uni-Sprecherin.

Beliebt seien vor allem Themen zu Tieren und Natur, aber auch Technik wie etwa Roboter und Computer sowie anschauliche Experimente in der Chemie oder Physik.

Die Wissenschaftler müssten sich für Vorlesungen an der Kinder-Uni oft besser vorbereiten als bei „normalen“ Studierenden, bestätigt die Sprecherin. Die Referenten seien begeistert, wie wissbegierig und vielseitig interessiert viele der jungen Zuhörer seien. Oft meldeten sich Professoren von selbst mit dem Angebot für eine Vorlesung.

Experimentalvorlesungen beliebt

Die „Renner“ sind die Experimentalvorlesungen, berichtet der Sprecher der TU Chemnitz, Mario Steinebach. „Da wollten schon einmal 700 Kinder wissen, wie der Strom in die Steckdose kommt.“ 30 Versuchsstationen seien im Hörsaal aufgebaut worden. Eltern und Großeltern mussten im Nachbarhörsaal platziert werden. Das Auditorium maximum, der mit 706 Plätzen größte Hörsaal, war bis auf den letzten Platz besetzt.

An der Hochschule Mittweida hingegen hat das Interesse an der Kinder-Uni im vergangenen Jahr spürbar nachgelassen. Die Zahl der Teilnehmer an den vier Vorlesungen sei von etwa 400 Jungen und Mädchen auf etwa 250 zurückgegangen, sagt Pressesprecher Helmut Hammer. Deshalb habe es dieses Jahr zum ersten Mal eine sogenannte Kinder-Uni-Tour gegeben. Dabei wurden acht Schulen im Umkreis besucht und die Kinder-Uni vorgestellt.

„Die Teilnehmerzahlen schwanken stark“, sagt Hammer. Technische Themen würden tendenziell besser angenommen. So gebe es für die Vorlesung am 19. Mai zum Thema „Wie entsteht ein Motorrad?“ schon jetzt fast 50 Anmeldungen.

Auch Görlitz und Freiberg öffnen Hörsäle für Schüler

Die Hochschule Zittau/Görlitz bietet an beiden Hochschulorten eine kleine Kinderakademie mit eigenständigen Programmen an. Die Nachfrage sei gut, sagt Frank Schneider vom Prorektorat Bildung. In Zittau hätten sich 80, in Görlitz 72 Teilnehmer angemeldet. „Begonnen haben wir vor mehr als zehn Jahren mit 200 Anmeldungen in Görlitz und 100 in Zittau.“ In Görlitz nehmen auch polnische Kinder teil. Im Trend lägen naturkundliche und „großtechnische“ Themen, Tierkundliches, Expeditionen, Geologie, Raketen, Flugzeuge, Autos.

An der TU Bergakademie Freiberg gibt es seit mehreren Jahren eine Schüler-Universität mit etwa 70 bis 80 Teilnehmern sowie eine Junior-Universität für Kinder aus Vor- und Grundschulen, zu der etwa 200 Jungen und Mädchen kommen. „Dies ist in den vergangenen Jahren in etwa konstant geblieben“, sagt Pressesprecherin Luisa Rischer.

Von Ralf Hübner