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Grundschüler in Leipzig-Probstheida trainieren ihre Stimmen

Grundschüler in Leipzig-Probstheida trainieren ihre Stimmen

"Kann man den Nutzen des Projekts wissenschaftlich überprüfen?" Das war die Frage, mit der Matthias Wiedemann, Künstlerisch-pädagogischer Leiter der Musikschule "Johann Sebastian Bach", vor einiger Zeit auf Leipzigs wohl bekanntesten Stimmarzt zuging.

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Station "Gehör": Die Doktoranden Lennart Pieper und Mike Körner überprüfen das Gehör von Probandin Lydia (8 Jahre).

Quelle: André Kempner

"Man kann", antwortete Michael Fuchs, der sonst die zarten Kehlen der Thomaner betreut.

Nun vergleicht der Phoniatrie-Professor von der Universität Leipzig Stimme und Gehör von 80 Grundschülern, die sich am Projekt "Singt euch ein!" beteiligen - und 80, die es nicht tun.

Yasmina gehört zu der Gruppe, die keinen Unterricht von einer speziell ausgebildeten Gesangslehrkraft der Musikschule bekommt. Sie ist ein bisschen aufgeregt, doch sie hört genau zu, was ihr die Doktoranden Mike Körner und Lennart Pieper an diesem Morgen in ihrer Schule, der 31. Grundschule in der Franzosenallee in Probstheida, erklären. "Wir schauen jetzt, wie gut du hören kannst", sagt Körner, der neben seinem Kollegen auf den winzigen Stühlen des Klassenraums Platz genommen hat. Die Neunjährige soll aus drei aufeinanderfolgenden Tönen den höchsten erkennen - erst mit dem linken Ohr, nach einer kurzen Verschnaufpause mit dem rechten. "Passt das mit deinem Haarreifen?" Yasmina nickt und schon sind ihre Ohren unter den Kopfhörern verschwunden. Die Ergebnisse werden vom Computer registriert. "Wir fangen bei 499 Hertz an. Da hört sie den Unterschied noch ganz gut - bei 12,1 Hertz schon nicht mehr", erläutert Körner, während Yasmina anzusehen ist, dass sie nun raten muss. Das sei normal, bei 23 Hertz liege der Durchschnitt. So ist auch Yasmina im normalen Bereich.

Im Nachbarraum sitzen Musikschul-Mann Wiedemann und Phoniatrie-Professor Fuchs. Sie testen die Sprech- und Singstimme von Svenja. Die Neunjährige soll bis 21 zählen - erst ganz leise, so dass ihre Stimme gerade noch zu hören ist. Dann so laut, als würde sie sich mit Fuchs unterhalten. "Und jetzt machst du auf dem Schulhof eine Durchsage." Zuletzt darf sie so laut, wie sie kann. Die Kleine hat Mühe nachzukommen, ihre Wangen sind schon ganz rot. Im zweiten Teil ist die Singstimme dran. "Ich spiele Töne auf dem Klavier vor und du singst sie auf 'Na' nach." Zweieinhalb Oktaven umfasst Fuchs' Pensum - nicht ganz leicht für Svenja. "Viele Kinder in diesem Alter schaffen nur eine oder weniger."

Das ist es auch, was der Mediziner bei seiner Arbeit beobachtet: "Es ist eine Verarmung der Stimmen zu erkennen, in den Familien wird kaum noch gesungen", erläutert Fuchs. Dies habe nicht nur Konsequenzen für die Hör- und damit auch die Sprachentwicklung eines Kindes, auch die Stimmgesundheit sei betroffen. Kinder, die sich selbst nicht gut wahrnehmen, ihre Stimme nicht regulieren und voll ausschöpfen können, sind anfälliger für eine Störung. "Ihre Stimme kann dann heiser und brüchig klingen."

Für die Möglichkeit zur Forschung ist Fuchs dankbar. "Für uns herrschen hier Idealbedingungen. Die Gruppen sind gleich groß, sie haben das gleiche Alter und nahezu ähnliche Bedingungen." Der einzige Unterschied ist die Teilnahme am Projekt "Singt euch ein!". Diejenigen Drittklässler, die dabei sind, erhalten eine besondere musikalische Betreuung. Eine speziell ausgebildete Gesangslehrkraft der Musikschule unterrichtet die Kinder gemeinsam mit einer Lehrkraft der Grundschule in einer regulären Wochenstunde im Fach Musik.

"Die Kinder sollen ihre eigene Stimme besser kennenlernen und durch einfache, aber gezielte gesangstechnische Übungen in die Lage versetzt werden, bewusst mit ihr umzugehen", erläutert Wiedemann. Initiiert hat die Musikschule das Projekt im August 2009 an neun Leipziger Grundschulen. In diesem Schuljahr sind es 35 teilnehmende Bildungsstätten mit insgesamt 89 Schulklassen - das sind die Hälfte aller städtischen Grundschulen. Für die Studie, die also die "Nachsingefähigkeit und auditive Diskriminationsfähigkeit bei Grundschülern" untersucht, führt das Team um Professor Fuchs die gleichen Untersuchungen einmal vor und einmal am Ende der dritten Klasse durch. "Der Effekt des Projektes wird damit messbar." Berücksichtigt werde natürlich, ob ein Kind zu Hause musiziert oder Instrumentalunterricht erhält. Die Nachhaltigkeit von "Singt euch ein!" werde dann in der vierten Klasse noch einmal überprüft. "Wir gehen davon aus, dass es sich wie mit dem Fahrradfahren verhält. Das verlernt man auch nicht wieder."

Ermöglicht wurde das Projekt "Singt euch ein" in der Vergangenheit durch eine großzügige Spende der Drosos Stiftung Zürich. Für den Zeitraum bis Juli 2016 haben die Schweizer die finanzielle Unterstützung zu einem großen Teil weiterhin zugesagt. Zusätzlich beteiligt sich die Stiftung "Leipzig hilft Kindern" an der Finanzierung dieses Unterrichts. In engem Kontakt steht die Musikschule außerdem mit der Stadtverwaltung, um Möglichkeiten der finanziellen Absicherung des Projektes auch mit kommunalen Mitteln zu finden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.11.2013

Uta Zangemeister

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