Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
HHL: "Die Leidtragenden sind die Studenten" - Mindestlohn soll Praktika gefährden

HHL: "Die Leidtragenden sind die Studenten" - Mindestlohn soll Praktika gefährden

Der neue Mindestlohn in Deutschland gilt auch für Praktika nach Abschluss des Studiums sowie Praxisphasen, die studienbegleitend absolviert werden und länger als drei Monate dauern.

Voriger Artikel
Zur 600-Jahr-Feier: Leipziger Hochschul-Medizin auf Jubiläumskurs
Nächster Artikel
Leipziger Handelshochschule unterstützt Existenzgründer für sechs Monate

Symbolbild

Quelle: LVZ .

Leipzig. Eine Ausnahme hierbei bilden Pflichtpraktika. Der Zwang zum Mindestlohn könnte dazu führen, dass Firmen Praktikantenstellen reduzieren oder nach entsprechenden Schlupflöchern suchen. Das befürchten Experten der Leipziger Handelshochschule (HHL).

"Die Leidtragenden sind die Studenten", sagt HHL-Karriere-Expertin Martina Beermann. Sie fürchtet Engpässe für diejenigen, die sich über ein freiwilliges Praktikum weiterqualifizieren möchten. "Für ein Praktikum verlangen viele Unternehmen, selbst Start-ups, möglichst fünf, idealerweise sechs Monate, da sie anfänglich einen großen personellen Aufwand haben. Der Praktikant muss sich auch erst einmal in komplexe Aufgabenstellungen und Unternehmensstrukturen einarbeiten können." Praktika seien als Eintrittskarte für den späteren Job außerordentlich wichtig. Zudem wüssten viele Studenten nicht genau, wo sie beruflich hinwollen. "Ein Praktikum macht für sie Sinn, um zukünftige Berufsfelder kennenzulernen und um ihre Stärken realistischer einschätzen zu können", so Beermann. Auch aus Arbeitgebersicht sei ein Praktikum das treffsicherste Auswahlverfahren. Es biete bessere Einschätzungsmöglichkeiten als kurze Gespräche oder Assessment Center. Zudem könne ein Praktikum zeigen, ob der oder die Neue ins Team passt.

Martina Beermann warnt vor einem Abbau von Praktikumsangeboten: "In Zeiten des Fachkräftemangels ist es um so wichtiger, dass sich beide Seiten - das Unternehmen wie auch potenzielle Arbeitnehmer - intensiv kennenlernen. Am besten gelingt das über ein Praktikum."

IHK hält nichts vom Mindestlohn

"Unternehmen werden notgedrungen ihre Praktikumsangebote einschränken bzw. auf die zulässigen Ausnahmen des Mindestlohngesetzes reduzieren müssen", fürchtet auch Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig. In einigen Fächern, zum Beispiel in den Geisteswissenschaften oder im Kreativbereich, seien Studierende häufig auf freiwillige Praktika angewiesen, um den unternehmerischen Alltag kennenzulernen. "Dies wird durch das Mindestlohngesetz nun behindert. Deshalb hatte die Wirtschaft gefordert, dass nur freiwillige Praktika, die länger als sechs Monate dauern, nach dem Mindestlohn bezahlt werden. Eine Möglichkeit, die Qualifikation der Absolventen sicherzustellen, wäre die Verlängerung der Pflichtpraktikumszeiten in der Studienordnung." Konkrete Informationen darüber, welche IHK-Mitgliedsunternehmen möglicherweise keine Praktikanten mehr einstellen, lägen aber nicht vor, ergänzte auf Nachfrage Claudia Schmidt, Mitarbeiterin der IHK-Presseabteilung.

Unternehmen LVV: Sorgen sind unbegründet

Bei der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV) teilt man die Sorgen der HHL und der IHK nicht. Die LVV ist als stadteigene Holding die Dachgesellschaft für Stadtwerke, Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) und Kommunale Wasserwerke (KWL). Die Unternehmen des Konzerns hätten ein hohes Interesse daran, junge Talente in Leipzig und der Region zu fördern und frühzeitig als Fachkräfte zu gewinnen, erklärt LVV-Sprecher Peter Krutsch. "Motivierte Studierende erhalten bei den KWL, den LVB und den Stadtwerken Leipzig die Gelegenheit, in einem Praktikum das theoretisch erlernte Wissen praktisch anzuwenden. Die Praktika dauern üblicherweise drei Monate oder sind Pflichtpraktika und fallen damit nicht unter die Mindestlohnregelung." Darüber würden erfahrene Mitarbeiter Bachelor- oder Masterarbeiten begleiten. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit vielen Hochschulen.

Die Handwerkskammer zu Leipzig (HWK) sieht das Ganze ebenfalls etwas lockerer. Die Anzahl der Praktikumsplätze werde "relativ stabil bleiben", schätzt Oliver Klaus, Leiter der HWK-Hauptabteilung Berufsbildung/Bildungs- und Technologiezentrum. "Es geht bei Praktika zumeist um Berufsorientierungspraktika zur Anbahnung von Lehrverhältnissen. Diese freiwilligen Praktika sind vom Mindestlohn ausgeschlossen, wenn sie nicht länger als drei Monate dauern. Das ist im Handwerk überwiegend der Fall." Grundsätzlich sei das gegenseitige Kennenlernen sehr wichtig. "In den meist kleineren Betrieben ist ein erfolgreiches Arbeiten und Ausbilden nur möglich, wenn die Chemie zwischen Handwerksmeister, Mitarbeitern und Lehrlingen stimmt", sagt Klaus. "Das lässt sich beim Praktikum hervorragend prüfen." Diese Erfahrung werde durch viele erfolgreiche Handwerkskarrieren bestätigt.

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.01.2015

Björn Meine

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bildung
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Die Multimedia-Reportage erzählt elf spannende Geschichten entlang der Linie 11 - der längsten Straßenbahnlinie Leipzigs. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr