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HHL-Rektor Pinkwart zur Finanzierungs-Kritik: "Uns wird da nichts geschenkt"

HHL-Rektor Pinkwart zur Finanzierungs-Kritik: "Uns wird da nichts geschenkt"

Ein Prüfbericht des Landesrechnungshofes sorgt für Wirbel, in dem die Leipziger Handelshochschule angezählt wird, weil gegen zuwendungsrechtliche Bestimmungen verstoßen worden sei.

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Der Rektor der Handelshochschule Leipzig (HHL), Andreas Pinkwart.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Rektor Andreas Pinkwart (53) sieht keine Zweckentfremdung der Mittel. Seit April 2011 steht mit Professor Andreas Pinkwart (53) der ehemalige Wissenschaftsminister von Nordrhein-Westfalen und einstige Vizevorsitzende der FDP der Leipziger Handelshochschule (HHL) vor.

Wie berichtet, sorgt jetzt ein Prüfbericht des sächsischen Landesrechnungshofes für Wirbel, in dem die Business School angezählt wird, weil gegen zuwendungsrechtliche Bestimmungen verstoßen worden sei. Rektor Pinkwart sieht keine Zweckentfremdung der Mittel.

LVZ :

Nach der Debatte über den Prüfbericht des Landesrechnungshofes zur HHL im zuständigen Landtagsausschuss, hieß es seitens der grünen Fraktion, der privaten Hochschule fehle immer noch ein tragfähiges Finanzierungskonzept, sie hänge seit 20 Jahren am Tropf des Freistaates. Trifft Sie das?

Pinkwart

: Ich kann mit Kritik umgehen, will aber schon auf zweierlei verweisen. Erstens haben wir ein Zukunftskonzept und setzen es seit drei Jahren erfolgreich um. Bei den voll zahlenden Studenten können wir einen Aufwuchs von 330 auf 550 verbuchen, 2017 werden es etwa 690 sein. Darüber hinaus konnte im Zuge des Ausbaus der Fakultät die Zahl der von Drittförderern finanzierten Lehrstühle verdreifacht werden. Für 2015 planen wir einen ausgeglichenen Haushalt bei gleichzeitig bester Qualität in Forschung, Lehre und Transfer. Zweitens ist die HHL für den Freistaat nicht nur international ein Aushängeschild, sie ist auch ein gutes Investment. Von jedem Euro, den das Land in den vergangenen 18 Jahren direkt oder indirekt an die HHL gegeben hat, sind sechs Euro Forschungsmittel nach Sachsen geflossen. Bei den staatlichen Hochschulen erzielt das Land im Schnitt etwa 40 Cent auf jeden Euro aus dem Landeshaushalt.

Woran liegt es, dass die Eigenkapitalbasis vergleichsweise schmal ist?

Aufgrund unserer wechselvollen Geschichte können wir noch auf kein breites Stiftungskapital zurückgreifen. Umso dankbarer sind wir dem Freistaat einerseits dafür, dass er der HHL mietfrei Liegenschaften zur Verfügung stellt, wobei wir die Unterhalts- und teils die Renovierungskosten selbst tragen. Und andererseits, dass er von Beginn an ein Eigenkapital-ersetzendes zinsloses Darlehen gewährt hat - mit einer Laufzeit bis 2020. Das ist für uns eine ganz wichtige Sicherheit, auch als Risikopuffer.

Also zum Verlustausgleich.

Der Charakter eines solchen Darlehens besteht darin, dass es zu einem bestimmten Stichtag zurückzuzahlen ist. Uns wird da also nichts geschenkt. Es kann während der Laufzeit in einem vorher festgesetzten Rahmen zur Verlustabdeckung eingesetzt werden. Fallen Überschüsse an, dann füllen sie zu gleichen Anteilen das Darlehen auf. Auch das hat es an der HHL schon gegeben. Wir verfolgen einen - sicher nicht einfachen - Wachstumspfad, bei dem die Stärkung der Eigenkapitalbasis eine wichtige Rolle spielt. Mit der Cognos AG konnte beispielsweise ein weiterer Gesellschafter gewonnen werden, der die Kapitalbasis verbreitert und zugleich mehrere Lehrstühle fördert.

Der Uni-Studentenrat schießt scharf gegen die Subventionierung der HHL durch das Land: Während die staatlichen Hochschulen kaputt gespart würden, erfreue der Freistaat die private Handelshochschule mit üppigen Zuwendungen. Was ist konkret an Geldern geflossen?

Im Gegensatz zu privaten Uni-Einrichtungen in rot-grün regierten westdeutschen Ländern bekommen wir keine laufenden staatlichen Zuschüsse. Danach steht uns auch nicht der Sinn. Was es gab, waren in 2011 und 2012 einmalige Projektförderungen durch das Wissenschaftsministerium, die insgesamt mit rund 1,4 Millionen Euro veranschlagt waren.

Der Rechnungshof moniert, dass die für die Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Uni bestimmten Mittel teils zweckentfremdet eingesetzt wurden - etwa zur Beschaffung von Mobilar und Technik für die HHL. Bestenfalls könnte man da sagen, runde Tische sind auch kooperationsfördernd ...

Spaß beiseite. Wir haben mit dem Wissenschaftsministerium vorher abgestimmt, wofür das Geld bestimmt ist. Das gilt auch für das Mobiliar. Ich nehme schon für uns in Anspruch und sehe mich darin auch durch die Beratung des Haushaltsausschusses bestätigt, dass wir mit dem Zuschuss sorgfältig und sachgerecht umgegangen sind. Dies wird auch daran deutlich, dass letztendlich noch nicht einmal 900 000 Euro verbraucht wurden. Beim Mobiliar kommt noch hinzu, dass wir und die Uni ja Partner auf dem Campus an der Jahnallee sind. Zum Miteinander gehört auch, dass wir uns gegenseitig mit Räumlichkeiten aushelfen, wenn es eng wird. Und die müssen entsprechend ausgestattet sein.

Kritiker sagen, mehr als vage Projektbeschreibungen zur Zusammenarbeit mit der Uni seien nicht herausgekommen. Was ist den vorzeigbar?

Mit dem Uni-Klinikum gibt es nun eine Praxispartnerschaft im Kontext eines neuen MBA-Studienganges mit gesundheitsökonomischem Schwerpunkt. Der Vertrag sieht auch die gemeinsame Forschung auf diesem Gebiet vor. Grundlage hierfür bildet unser neues Center for Advanced Studies in Management, das sich interdisziplinär mit zentralen Fragen der Betriebswirtschaftslehre des 21. Jahrhunderts befasst und in dessen Beirat auch mehrere Kollegen der Uni vertreten sind. In dieser Woche richtet dieses kurz Casim genannte und durch die Hilfe des Landes mit angeschobene Zentrum eine Konferenz zur Zukunft des Krankenhauses in neuen Versorgungsnetzwerken aus. Healthcare ist eines der wichtigen Zukunftsthemen, ebenso wie Fragen der europäischen Stadtentwicklung, die bei Casim als nächstes großes Thema auf der Agenda steht und bei der wir ebenfalls eng mit der Uni zusammenarbeiten werden. Intensiviert wurde auch der Austausch im Bereich der Mikroökonomie. Und dies geschieht nun alles, ohne dass es dafür weitere Fördermittel des Landes gibt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2014

Mario Beck

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