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HTWK Leipzig organisiert für ihre Angehörigen einen Pflege-Infotag

Hochschul-Offerte HTWK Leipzig organisiert für ihre Angehörigen einen Pflege-Infotag

Weil das Thema Pflege von Angehörigen zunehmend auch eines für Studierende und Mitarbeiter einer Hochschule wie der für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig ist, bot letztere am Mittwoch sozusagen einen hauseigenen Familien-Infotag rund um die Pflege an. Ein Highlight war dabei ein Alterssimulationsanzug, in den Interessenten schlüpfen konnten.

Halbblind, halb taub, und beschwert mit Gewichten: Sarah Schnabel, 29, tapst im Alterssimulationsanzug durchs Foyer des Nieper-Baus und fühlt sich dabei wie 80!

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eine Spezialbrille, die das Sehvermögen um 60 Prozent vermindert. Gehörkapseln, die den Lauschern einen Dämpfer verpassen. Spezialhandschuhe, die zarte Fingerchen zu schwer steuerbaren Würstchen degradieren. Ein Overall, beladen mit Gewichten, die einen mal kurzerhand 14 Kilo mehr aufpacken. Kurz: Eine Montur, die einen ganz schön alt aussehen lässt. Dieser sogenannte „Alterssimulationsanzug“ war denn auch ein Highlight beim „Tag der Familie“ am Mittwoch, den die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in diesem Jahr erstmals dem Thema „Pflege“ gewidmet und für ihre Beschäftigten und Studenten angeboten hatte.

Sarah Schnabel, 29 Lenze, gehört zu denen, die es wissen wollten, wie man mal mit 70, 80 Jahren so drauf ist. Sie lässt sich den Simulationsanzug überstülpen - und tapst damit Marsmännchen-gleich schwerfällig durchs Foyer des Nieper-Baus der HTWK. „Oh bitte, lass mich das erst mit 80 oder besser noch später erleben!“ Mit diesem halb flehentlichen Scherz schält sie sich dann nach dem praktischen Exkurs ins Hochbetagtendasein aus der üppigen Pelle. Die Gummibärchentüten und Joghurtbecher habe sie in der Kostümierung fast gar nicht aufgekriegt!

Das Kleingeld war beim improvisierten „Bezahlen“ durch die zittrige Hand geglitten. Von einem Sitz war sie kaum hochgekommen – die Knie machten nicht mit. Und die Schulter hatte gestreikt, als sie den Arm zum Haarekämmen aufschwingen wollte. „Also, ich bin schon sehr sozial eingestellt, aber ich glaube, jetzt habe ich noch mehr Verständnis für ältere Leute“, so die HTWK-Praktikantin, die gerade eine Ausbildung zur Personaldienstleistungskauffrau durchläuft. Vor ein paar Jahren, als die Uroma noch lebte, habe sie auch schon bei deren Pflege schon mitgeholfen. „Hut ab vor jedem, der sowas rund um die Uhr macht“, fasst sie die Erfahrung zusammen.

An der HTWK – 160 Professoren, über 200 Angestellte, gut 6200 Studenten - haben offenbar nicht wenige im Alltag daheim eine Pflegesituation zu bewältigen. „Das kann jeden ereilen, ganz gleich welchen Alters. Wir haben bei einer Befragung von Studierenden festgestellt, dass selbst für sie das Thema relevant ist. Entweder die Eltern betreffend oder den Partner, der sich nach einem bösen Fahrradunfall nicht mehr selbst behelfen kann“, sagt Gesine Bächer-Brösdorf, die mit ihrem Team der Arbeitsgruppe Familiengerechte Hochschule den Infotag gemeinsam mit der Hochschulleitung vorbereitet hatte.

„Wir möchten ein Signal aussenden, dass wir in solchen Fällen helfen wollen, Studium beziehungsweise Beruf auch mit häuslicher Pflege zu vereinbaren.“ Angeboten wurden dazu diverse Vorträge. Nützliche Hinweise gab es an Ständen der Volkssolidarität, vom Verein Selbstbestimmt leben, vom Pflegenetzwerk Leipzig und der Krankenkasse IKK.

„Mal schauen, wie die Resonanz ist“, so Rektorin Gesine Grande. „Wir nennen uns ja schon lange ,familienfreundliche Hochschule‘ und werden gern weiterhin in so etwas investieren, um dieser eingegangenen Verpflichtung gerecht zu werden und alle Hochschul-Angehörigen auch wirklich in den verschiedensten Lebenslagen zu unterstützen.“ Neben der Vereinbarkeit von „Studium und Kind“ etwa gehöre mittlerweile eben auch die Pflege dazu.

Bei HTWK-Systemadministrator Michael Samsel kam der Tag jedenfalls schon mal gut an. „Ich Pflege aktuell meinen Vater, er sitzt im Rollstuhl. Da ist es gut, mal gebündelt Infos für alle möglichen Fragen in dem Zusammenhang zu bekommen, wonach man sich ansonsten wochenlang die Finger wund telefoniert. Und irgendwie werden Veranstaltungen wie diese ja heute auch dem demografischen Wandel gerecht“, meint der 58-Jährige.

Von Angelika Raulien

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