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Hochschulen in Sachsen wollen Studiengänge streichen - Diskussion um Sparzwänge

Hochschulen in Sachsen wollen Studiengänge streichen - Diskussion um Sparzwänge

Die geplante Streichung von 57 Studiengängen an den sächsischen Universitäten sorgt für kontroverse Diskussionen über die Hochschulpolitik im Freistaat. Während die Regierung den Wegfall der Studienangebote als „fortlaufenden Prozess der Qualitätssicherung“ bezeichnete, sprach die Opposition von „finanzieller Nötigung“, der die Hochschulen ausgesetzt seien.

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Quelle: dpa

Dresden. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Linke-Abgeordneten Gerhard Besier hatte Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) mitgeteilt, dass 57 der insgesamt etwa 1500 in Sachsen angebotenen Studiengänge geschlossen werden sollen. Davon würden 27 durch ein geändertes Profil ersetzt, 30 fielen ganz weg, hieß es in der „Sächsischen Zeitung“, die am Donnerstag über die Anfrage berichtete. Grund seien die vom Land gemachten Sparvorgaben. Bis 2016 müssen an den Hochschulen im Freistaat 205 Stellen abgebaut werden.

Besier - früher selbst Professor an die Technischen Universität Dresden - warf der Landesregierung vor, die Hauptverantwortung für die Einschnitte zu tragen. „Die Hochschulen können nicht mehr frei über ihre Studienangebote entscheiden, sondern sind durch die Sparvorgaben gezwungen, Angebote nur deshalb zu streichen, weil es nach Beamtenrecht, etwa bei altersbedingtem Ausscheiden, möglich ist“, sagte Besier. Als Beispiel nannte er den auch bundesweit beachteten Fachbereich Namenkunde an der Philologischen Fakultät der Uni Leipzig, der ebenfalls wegfallen soll.

Uni Leipzig: Namenkunde wird weiter angeboten

Dieser Auffassung widersprach die Hochschule am Donnerstag. „Es gibt an der Universität Leipzig auch weiterhin das Namenkundliche Zentrum“, sagte Sprecher Carsten Heckmann. „Dieses Zentrum deckt die Bereiche Namenlehre, Namenforschung und Namenberatung ab.“ Zwar werde in den Masterstudiengang Namenkunde nicht mehr immatrikuliert. Dafür gebe es im Wahlbereich Namenforschung für das gerade begonnene Wintersemester mehr als 200 Bewerber. „50 Studierende der Universität werden in diesem Semester im Wahlbereich Namenforschung studieren“, erklärte Heckmann.

Auch Schorlemer wies die Vorwürfe Besiers zurück. „Das Ministerium hat keinen Stellenabbau verfügt“, sagte sie MDR Info. Es sei Aufgabe der Hochschulen, ihr Profil zu schärfen, vorhandene Stärken auszubauen und auf geringe Nachfragen oder Dopplungen zu reagieren. Das sei „ein fortlaufender Prozess der Qualitätssicherung“. Außerdem stünden dem geplanten Abbau der 205 Stellen bis 2016 zusätzlich 300 befristete Stellen zur Überbrückung bei hoher Studiennachfrage sowie 189 Stellen in der Lehrerausbildung gegenüber, teilte das Ministerium mit.

„Mit den zahlreichen zusätzlichen Stellen unterstützen wir unsere Hochschulen aktiv, um das Studium an Sachsens Hochschulen weiterhin attraktiv zu gestalten. Die Hochschulen im Freistaat haben einen guten Ruf, das zeigt sich auch an den vielen Studienanfängern, die aus anderen Bundesländern zu uns kommen“, so Schorlemer.

Die SPD-Opposition warf der Staatsregierung eine verfehlte Hochschulpolitik vor. Diese gehe mit ihrem Haushaltsbeschluss an die Substanz; und das in Zeiten, in denen die Studierendenzahlen stiegen, sagte Hochschulexperte Holger Mann. „Am Beispiel der Pharmazieausbildung in Leipzig sieht man deutlich, dass schwarz-gelb gerade den zukünftigen Fachkräftemangel organisiert.“

Von einer besorgniserregenden Tendenz sprach auch der hochschulpolitische Sprecher der Grünen, Karl-Heinz Gerstenberg: „Die Hochschulen streichen nicht vornehmlich aus Profilbildungsgründen, sondern weil Stellenkürzungen sie zu diesen Schritten zwingen.“

dpa / maf

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