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"Hysterische Männer ohne Ende" - Debatte zum generischen Femininum an Leipzigs Universität

"Hysterische Männer ohne Ende" - Debatte zum generischen Femininum an Leipzigs Universität

Mit der Einführung des generischen Femininums in der Grundordnung hat die Universität Leipzig so manchen Zeitgenossen gegen sich aufgebracht. Aus der "Schrägstrich-Variante" mit Nennung beider Geschlechter ist nach Abstimmung des Erweiterten Senats die weibliche Form geworden.

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Quelle: André Kempner

Leipzig. In der Fußnote steht jetzt, dass diese Bezeichnung auch für Männer gilt - so wie es umgekehrt über Jahre mit der männlichen Form gehandhabt wurde.

Mit der provokanten Überschrift "Guten Tag, Herr Professorin" und der Bemerkung, die Uni Leipzig verwende jetzt nur noch die weibliche Bezeichnung, trat das Magazin "Spiegel Online" eine heftige Debatte los - viele dachten, dass diese Form, die in der Grundordnung so nicht existiert, auch im mündlichen verwendet werden solle. Die Uni erreichte ein Ansturm unhöflicher, meist anonymer E-Mails zu diesem Thema.

Um dieses Missverständnis ging es am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion vor etwa 200 Zuhörern im Auditorium Maximum am Augustusplatz. "Willkommen zu der Podiumsdiskussion des Jahres nach einigen der intensivsten Wochen, die wir je erlebt haben", führte Georg Teichert, Gleichstellungsbeauftragter der Universität, ins Thema ein. Auf dem Podium saßen Studierende und Lehrende der Universität - und Gender-Spezialisten.

Die Verlautbarung bei "Spiegel Online" sei ein Missverständnis gewesen, "an dem sich viele abgearbeitet haben", sagte Universitätsrektorin Beate Schücking. Sie hielt den Besuchern, meist Studenten, eine überquellende blaue Mappe entgegen: Hunderte E-Mails aus den vergangenen Wochen. "Die spinnen ja in Leipzig", so der Tenor der Zuschriften. Nur etwa fünf Prozent kamen von Frauen und waren meist positiv, die vielen anderen zeichneten sich dadurch aus, unsachliche und unflätige Beiträge zu enthalten.

"Das war trotz allem ein guter Schritt, der provoziert hat", betonte Friederike Maier, Vizepräsidentin der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, obwohl sie für eine Lösung ist, die beide Geschlechter einbezieht. Maier hatte sich als erste zu diesem Schritt geäußert. "Ich habe danach allerdings keine einzige positive E-Mail bekommen."

Benjamin Bigl ist Mitglied des Erweiterten Senats und des Promovierendenrats der Uni Leipzig und Gegner der generischen Femininums. "Inhaltlich waren wir eigentlich schon viel weiter. So können wir die Gleichstellung nicht aus dem Schatten führen", sagte er. Die öffentlichen Anfeindungen hält er für übertrieben. Beat Siebenhaar, Professor für Germanistik, meinte: "Die deutsche Sprache macht es uns mit den drei Geschlechtern nicht leicht. Auch heute werden wir keine Lösung finden."

Senatorin und Studentin Magdalena Protte fügte an: "Dass wir heute auf einem Podium darüber diskutieren, hätte ich mir vor zwei Jahren nicht träumen lassen." Lange seien die geschlechtergerechten Schriftformen wie das Binnen-I oder der Gender-Gap (Trennung mit Unterstrich) belächelt worden. Nach zweijährigen Verhandlungen über die Umformulierung der Ordnung, so Protte, sei der Beschluss zum generischen Femininum am Ende innerhalb von zehn Minuten über die Bühne gegangen. Was Bigl kritisierte: Man habe einfach keine Lust mehr gehabt.

Die Redakteurin der "taz", Heide Oestreich, hält die durchgehend weibliche Form als politisches Signal für hervorragend. "Das kann sich eine Uni auch mal leisten." "Hysterische Männer ohne Ende", stellte Maier fest, "das ist faszinierend. Es geht hier um Bedeutungshoheit, Macht und den Verlust von Positionen."

Auch unter den Zuhörern waren die Meinungen geteilt. Zur Sprache kam zudem die Frauenquote und die Stellung von Frauen an Universitäten. Den überraschendsten Kommentar des Abends lieferte ein Mann: "Männer müssen mal erleben, wie es ist, unterdrückt zu werden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.06.2013

Sofia Dreisbach

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