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Immo Fritsche: Gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt - Zeichen gegen Angst und Hass

Sozialpsychologe über Terror Immo Fritsche: Gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt - Zeichen gegen Angst und Hass

Der Sozialpsychologe Immo Fritsche forscht zum Thema Terror. Er sagt, die Risiken, die vom Straßenverkehr ausgehen, sind weiterhin viel größer als die Gefahr eines Terroranschlages für den Einzelnen. Man müsse sich das nur bewusstmachen.

Der Leipziger Sozialpsychologe Immo Fritsche forscht zum Thema Terrorismus. (Symbolfoto)

Quelle: André Kempner

Leipzig.  In der Bevölkerung wächst nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt die Verunsicherung. Immo Fritsche, Leipziger Professor für Sozialpsychologie, forscht zu den Auswirkungen von Terror auf das soziale Verhalten der Bevölkerung. In seinen Studien fand er heraus, dass terroristische Anschläge zu unterschiedlichen Effekten in der Bevölkerung führen können.

Zum Beispiel stiege nach einem Anschlag die Zustimmung zu politischen Projekten, von denen sich die Menschen Terrorabwehr versprechen – auch wenn das auf Kosten bürgerlicher Freiheiten ginge, erklärte der Sozialpsychologe am Dienstag in einer Mitteilung. Gleichzeitig verändern sich Stereotype über Gruppen, die scheinbar als Täter in Frage kommen, so der Leipziger Professor. Ein Beispiel sei hier das Denken über Muslime. Dies könne zu Diskriminierung der betroffenen Gruppen führen. „Ein trauriges Beispiel ist die Forderung aus dem jüngsten US-Wahlkampf nach einem Einwanderungsstopp für Muslime“, so der Wissenschaftler.

Auch das Zugehörigkeitsgefühl zu Gruppen verstärke sich nach Anschlägen. Fritsche hat dazu Experimente durchgeführt. „Terroristische Bedrohung erhöhte die Identifikation mit eigenen Gruppen – zum Beispiel der eigenen Nation“, erklärte er. Einher gingen feindseligere Einstellungen gegenüber Fremdgruppen und der Wunsch, Gesetzesverstöße jedweder Art härter zu bestrafen.

Fritsche erinnerte daran, dass Terroristen das Mittel der Angst nutzen. Der IS töte an Orten, die alle kennen, eben weil sich jeder gut vorstellen könne, einmal selbst an diesem Ort zu sein. „Der Terrorismus ist ja nicht so unkontrollierbar, wie dessen Protagonisten uns wahr machen möchten.“ Es ginge den Terroristen dabei darum, Konflikte zwischen Gruppen zu schüren – und ein Denken wie „Wir gegen Die“.

Ein Lichtblick dabei: Aktuelle Studien der Leipziger Forscher zeigen, dass „Terrorbedrohung auch zu einer erhöhten Handlungsbereitschaft für Demokratie, Menschenrechte und Offenheit gegenüber Fremden führen kann.“ Nach den Terroranschlägen in Paris hat der Leipziger Wissenschaftler mit seinen Kollegen Studierende der Uni Leipzig befragt. Das Ergebnis: Je mehr sich die Studierenden durch Terroranschläge bedroht fühlten, desto mehr waren sie dazu bereit, gegen die islamfeindliche Legida-Bewegung auf die Straße zu gehen, erklärte der Forscher.  Vor allem gab es diesen Effekt bei den Studierenden, die sich dadurch einer großen Gruppe zugehörig fühlten, die ebenfalls gegen die Bewegung seien.

Es gelte nun, die Angst der Menschen durch die tatsächliche Lage zu mindern: Schließlich ändere sich die Bedrohung des Einzelnen durch Anschlag statistisch gesehen kaum; ein Unfall im Straßenverkehr sei weiterhin das größere Risiko. Fritsche findet: „Wir sollten in den nächsten Tagen gemeinsam die Weihnachtsmärkte besuchen.“

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