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In memoriam Rosa und Berta - Leipziger Schüler aus Grünau engagieren sich

In memoriam Rosa und Berta - Leipziger Schüler aus Grünau engagieren sich

Ihre Motivation und ihren Recherche-Durst ziehen sie aus einem Aphorismus des chinesischen Philosophen Laotse, der im 6. Jahrhundert vor Christus lebte: "Wer das, was schlimm war, vergisst, wird dumm!" Die Mitglieder der Projektgruppe Schulgeschichte des Max-Klinger-Gymnasiums in Grünau wollen weder das eine, noch das andere.

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Quelle: MaxKlingerSchule

Leipzig. Deshalb sind sie dem Schicksal zweier früherer Klinger-Schülerinnen auf den Grund gegangen, die während der NS-Diktatur gewaltsam zu Tode kamen. An sie und ihre Familien wollen sie erinnern. Bald auch mit Stolpersteinen.

Eine kleine Ausstellung haben die geschichtsbewussten Teenager Xenia Mayer, Felix Englisch, Kevin Richter, Daniel Werner und Ron Leuchtemann sowie die Lehrer Rainer Noack und Ralph Rüdiger den einstigen Klinger-Schülerinnen Rosa Szyja und Berta Rosenfeld bereits gewidmet. Das war im Januar aus Anlass des Holocaust-Gedenktages. Etwa zweieinhalb Jahre zuvor hatte Ron Leuchtemann, seit vorigem Sommer im Besitz eines gültigen Abiturzeugnisses, den Anstoß gegeben, sich auch einmal mit einem besonders tragischen Kapitel der Geschichte zu befassen: mit dem Schicksal der jüdischen Schülerinnen während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

In den Dreißigerjahren war die Max-Klinger-Schule eine reine Mädchenschule und Rosa Szyja (Jahrgang 1920) und Berta Rosenfeld (Jahrgang 1921) zog es morgens in die Karl-Heine-Straße 22 b, wo die Bildungseinrichtung ab 1929 beheimatet war. Ein gutes Dutzend Jüdinnen lernte in den Gebäuden im Bauhaus-Stil, als die Nazis in Deutschland die Macht ergriffen. Lediglich die Namen, die ehemaligen Wohnanschriften und die Austrittsdaten waren der Projektgruppe bekannt, als sie mit ihren Nachforschungen begann. Besonders hilfreich war die Israelitische Religionsgemeinde in Leipzig. Die Suche führte aber auch nach England, Israel, ja sogar Australien. Pauker Noack, der polnischen Sprache mächtig, schrieb die Archive im östlichen Nachbarland an. Bis auf das Jüdische Historische Institut in Warschau antworteten alle. Die Deutsche Bahn wurde konsultiert, als es um die Frage ging, wer aus der Schülerschaft während des Nazi-Terrors in todbringende Transporte getrieben worden war, die in die Vernichtungslager rollten. "Der Holocaust war auf einmal kein abstraktes Thema mehr, sondern ein sehr konkretes. Es ging um Menschen, die zu uns gehören", beschreibt Lehrer Noack den psychologischen Effekt, den die Auseinandersetzung mit dem dunklen Teil der deutschen Historie mit sich brachte.

"Zum Glück hat ein Großteil der Schülerinnen mit ihren Familien fliehen können. Doch dieses Glück wurde nicht allen zuteil" - so lautet am Ende der Recherchen das Fazit der Gruppe. Die meisten Details brachte der Fall Rosa Szyja aus der Schnorrstraße 20 zu Tage. Am 28. Oktober 1938 wurde sie - zusammen mit rund 17 000 weiteren Juden - in Sonderzügen nach Polen abgeschoben. Ab März 1940 wohnte Rosa im Ghetto Litzmannstadt (Lodz), wo sie am 25. August 1942 Josif Jechok Rozenwesser heiratete. Im August 1944 verliert sich ihre Spur. "Sicher ist, dass sie ins KZ Auschwitz deportiert wurde. Vermutlich ist sie dort ermordet worden", sagt Ron Leuchtemann.

Auch Berta Rosenfeld aus der Karl-Heine-Straße 47 musste Leipzig im Oktober 1938 gezwungenermaßen verlassen, landete in einem der Transporte, die das südpolnische Bytom zum Ziel hatten. 1942 erfolgte die Ausweisung in das Vernichtungslager Belzec. Entweder dort oder auf dem Weg ins KZ kam Berta ums Leben. Aus der sechsköpfigen Familie überlebte nur ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Josef David. Er wanderte später nach Israel aus.

"Rosas und Bertas Tod sollen uns eine Warnung sein. Die Toten ermahnen uns zu mehr Toleranz und Aufklärung. Denn wie Laotse schon sagte: ,Wer das, was schlimm war, vergisst, wird dumm!', heißt es in den Erläuterungen der Projektgruppe zur jüngsten Ausstellung über die beiden Ex-Schülerinnen. Wider das Vergessen wollen die Grünauer Schulhistoriker weiterarbeiten. Gerade sind sie an den Verein Erich-Zeigner-Haus herangetreten, haben zwei Flyer erstellt, die demnächst an den letzten Leipziger Wohnorten von Rosa und Berta in der Schnorrstraße beziehungsweise Karl-Heine-Straße verteilt werden sollen. Die Aktion hat das eine Ziel: Spenden für insgesamt 13 Stolpersteine zu sammeln, mit denen die Max-Klinger-Gymnasiasten möglichst bald an die beiden Nazi-Opfer und deren Familienmitglieder erinnern wollen. Und die der ganzen Stadt Mahnung sein sollen.

@Kontakt: schulgeschichte@klingerschule.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.04.2014

Dominic Welters

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