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"In zehn Jahren haben wir Studiengebühren"

"In zehn Jahren haben wir Studiengebühren"

Deutschland braucht einen Mentalitätswandel, sagt Helmut Schwarz. Die Kostenlos-Kultur in Sachen universitärer Bildung sei nicht zukunftsorientiert. Der Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung war am Donnerstagabend Gast einer Podiumsdiskussion in der Alten Handelsbörse.

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Helmut Schwarz

Quelle: Konrad Koethke

Leipzig. Die Debatte stand unter der Überschrift "Bildung gibt es nicht umsonst - Plädoyer für einen gesellschaftlichen Pakt für akademische Bildung". Eingeladen hatte die DPFA-Akademie-Gruppe, ein privater Bildungsträger.

"Ich habe keinen Zweifel, dass wir in zehn Jahren wieder flächendeckend Studiengebühren in Deutschland haben werden", erklärte Schwarz, der als Chemie-Professor an der TU Berlin lehrt. Vor allem sei entscheidend, die Lehre nachhaltig und erkennbar zu verbessern. Das funktioniere nur mit einem besseren Betreuungsverhältnis. In den USA kämen im Schnitt 15 Studenten auf einen Dozenten. In Deutschland seien es 60 bis 70. "Wenn Sie konkurrieren wollen mit den Besten der Welt, dann brauchen Sie ein besseres Betreuungsverhältnis."

Hier könne bereits eine Studiengebühr von 800 Euro im Jahr enorme Verbesserungen bringen - das sei dann weniger als ein Kita-Platz kostet. Es dürfe natürlich keine soziale Auslese erfolgen - stattdessen müssten diejenigen ein Fach studieren dürfen, die dazu grundsätzlich in der Lage sind. Wie das gehen kann, zeige etwa die US-Elite-Universität Stanford. Dort werden die Bewerber zunächst nur auf ihre Eignung hin überprüft. Wer den Platz aufgrund seiner Qualifikation bekommt, ihn sich aber finanziell nicht leisten kann, dem wird die Studiengebühr erlassen. Solche Modelle seien auch in Deutschland denkbar, sagte Schwarz.

Eine Studiengebühr bewirke auch über das Studium hinaus mehr (finanzielle) Verbundenheit mit der Hochschule. Die Uni dürfe kein Tummelplatz für Unentschlossene sein. Auch die Wirtschaft und private Stifter müssten mehr Geld auf den Tisch legen - die Unabhängigkeit der Unis in der Mittelverwendung dürfe das aber nicht einschränken. Das sah auch der Leipziger Jochen Lohse so, Direktor des Bundeswirtschaftssenats, einer Vereinigung von Mittelständlern. Die Wirtschaft müsse sich mehr in die Bildungsfinanzierung einbringen. Generell sei es nötig, dass sich die Unternehmen mehr um den Nachwuchs kümmern, mehr für sich werben. Wer studiere, der müsse bereit sein, Opfer zu bringen, erklärte Professor Clauß Dietz, geschäftsführender Gesellschafter der DPFA Akademiegruppe.

Ebenfalls im Podium saß Thomas Feist. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete sprach sich für Studiengebühren aus. Wer etwas zahle, der dürfe dafür eine ordentliche Gegenleistung erwarten. Oder umgekehrt: "Was nichts kostet, ist nichts wert."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.08.2013

Björn Meine

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