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Bildung Jeder dritte Erstklässler in Sachsen kann nicht richtig sprechen
Leipzig Bildung Jeder dritte Erstklässler in Sachsen kann nicht richtig sprechen
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22:00 22.07.2018
Die Freude auf die Schule wird häufig getrübt: Viele Erstklässler haben in Sachsen Sprech- oder Sprachprobleme. Quelle: dpa
Leipzig

Die Untersuchungen von angehenden Erstklässlern haben erhebliche Defizite bei Fünf- und Sechsjährigen in Sachsen ergeben. Nicht einmal jedes fünfte Kind (17,4 Prozent) erfüllte die Kriterien für eine altersgerechte Entwicklung. Das geht aus einer Statistik des Sozialministeriums hervor, die der LVZ vorliegt. Am häufigsten werden Störungen der Sprache und des Sprechens festgestellt: Davon ist ein Drittel der Erstklässler betroffen, wobei Jungen (37,6 Prozent) noch größere Probleme als Mädchen (30 Prozent) haben.

Deshalb appelliert Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) an die Eltern, sich mehr Zeit zu nehmen. „Damit Kinder altersgerecht sprechen, sollten Eltern viele Gelegenheiten für Gespräche suchen. Hier gibt es täglich Möglichkeiten, zum Beispiel beim gemeinsamen Essen, beim Spielen und bei Ausflügen“, sagt Barbara Klepsch und fordert: „Eltern sollten ein gutes Sprachvorbild sein.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt der Verband der Kinder- und Jugendärzte. Es gebe Eltern, die Kleinstkinder mit Handyfilmen ruhig stellten, sagt Verbandssprecher Hermann Josef Kahl. Viele Kinder würden oft stundenlang vor dem Fernseher oder PC sitzen. „Wir werden meist von Eltern bedrängt, ihre Kinder zum Logopäden zu schicken. Doch wir sehen oft zuerst die Eltern in der Pflicht“, macht Kahl klar. Von einer alarmierenden Entwicklung spricht auch die Forschungsgesellschaft für kindliche Sprachstörungen, die flächendeckende Tests in ganz jungen Jahren fordert.

Doch nicht nur mit Sprache und Sprechen haben viele Fünf- und Sechsjährige ihre Probleme. So attestieren die Einschulungstests im Schnitt jedem fünften Kind Schwierigkeiten in der Körperkoordination sowie Störungen der Visuomotorik, wobei Jungen häufiger Defizite aufweisen (23 und 25,8 Prozent) als Mädchen (16,9 und 16,6 Prozent). Gerade die Visuomotorik (Verbindung des Sehens mit den Bewegungen) wird von Pädagogen als sehr wichtig für das Lernen angesehen – nicht selten sind Einschränkungen beim Schreiben, Lesen oder Rechnen die Folge. Betroffene Kinder offenbaren häufig übermäßige Angst oder Aggressionsbereitschaft. Untersuchungen der Schulärzte ergaben zudem, dass jeder fünfte Erstklässler schlecht sieht, jeder Vierte nur über unzureichende Zahlenkenntnisse verfügt und jeder Sechste seine Umgebung nicht ausreichend erfassen kann.

Bei fast zehn Prozent wurde Übergewicht bis hin zu Adipositas diagnostiziert. Während es dabei kaum Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gab, sind diese regional gravierend. So lag der Anteil in den drei Großstädten weit unter dem Sachsenschnitt und mit 5,3 Prozent in Dresden am niedrigsten. Dagegen leben überdurchschnittlich viele dicke Kinder in den Landkreisen Mittelsachsen, Leipzig und Nordsachsen, das mit 13,7 Prozent das Schlusslicht bildet. Verschärfend kommt hinzu: Untersuchungen haben ergeben, dass sich mit dem Schulalter auch das Gewicht erhöht. Laut Sozialministerium ist bereits jeder sechste Sechstklässler in Sachsen übergewichtig oder adipös. Deshalb fordert Barbara Klepsch: „Besonders wichtig ist, dass sich Kinder gesund ernähren und Spiel und Bewegung wieder zum Alltag gehören.“

Von Andreas Debski

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