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Bildung Jenaer erhält an Leipziger Uniklinik Augenlicht zurück
Leipzig Bildung Jenaer erhält an Leipziger Uniklinik Augenlicht zurück
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00:32 10.08.2015
Peter Wiedemann (r.), Chef der Leipziger Uni-Augenklinik, freut sich mit seinem Patienten: Netzhautimplantat, Spezialbrille und der kleine Computer für die Hosentasche ermöglichen Bernd Burkhardt, wieder hell und dunkel zu sehen. Quelle: Stefan Straube/UKL
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Leipzig

Für Bernd Burkhardt kam es wohl einem Wunder gleich: 15 Jahre lang war der Thüringer gänzlich blind. Und jetzt, just an seinem 62. Geburtstag, saß er im Leipziger Universitätsklinikum und die Welt um ihn wurde ein Stück heller. Lichtflecke! Er konnte Lichtflecke erkennen! Eine Netzhautprothese machte es möglich. Implantiert von den Uni-Augenspezialisten. Zum ersten Mal hatten sie vor Ort solch eine Operation gewagt. Laut Angaben der Universität Leipzig passierte das auch erstmals im ostdeutschen Raum überhaupt.

„Eine anspruchsvolle Operation“

Burkhardt konnte bereits in jungen Jahren kaum noch sehen. Eine erblich bedingte Krankheit machte dem Jenaer zu schaffen: Retinitis pigmentosa, eine Netzhautdegeneration, die peu à peu zum Erblinden führt. Bei ihm trat dies dann vor 15 Jahren ein. Er suchte von sich aus die Leipziger Uni-Augenklinik auf, wo ihm am 30. Juni Argus II, eine moderne computergestützte Sehprothese, zunächst einmal ins rechte Auge implantiert worden war.

Vier Stunden dauerte der Eingriff, bei dem Klinikchef Peter Wiedemann und dessen Team dem Patienten ein hochempfindliches Elektrodennetzgitter im Auge platzierten. „Eine anspruchsvolle Operation, da die kleinen Elektroden nur durch eine dünne Silikonschicht geschützt sind und wir nur einen Versuch haben, um diese richtig anzubringen“, verdeutlicht Wiedemann die Problematik.

Das Ganze funktioniert so: Die Argus-II-Retinaprothese besteht laut dem Professor konkret „aus einem im Auge auf der erkrankten Netzhaut befestigten Implantat und einer Brille, die via Kamera visuelle Infos über einen Taschencomputer an das Elektrodennetz im Auge sendet“. Dazu würden die Signale in Impulse umgewandelt, ein wiederum an der Brille befindlicher Sender übermittelt diese kabellos an das für den Träger nicht spürbare Implantat. „Der Patient nimmt damit Lichtblitze wahr, die eine Unterscheidung von hell und dunkel und damit auch das Erkennen von Flächen und Bewegungen ermöglichen“, sagt Wiedemann, betont aber zugleich, dass stets im Einzelfall geprüft werden müsse, für wen solch ein Gerät geeignet ist und für wen nicht.

„Ich kann jetzt unstrukturierte Lichtflecke sehen und muss nun lernen, sie zu interpretieren“, schildert Burkhardt indes seine Wahrnehmung, als Argus II zwei Wochen nach der OP erstmals angeschaltet wurde. Dass mit dem „Interpretieren“ werde nun einige Monate straffes Üben erfordern. Aber kann er erst einmal helle Gegenstände von dunklen unterscheiden, könne er auch wieder Stufen, Türen oder Menschen, die in seiner Umgebung laufen, ausmachen. Wichtig sei halt bloß, dass die Sache mit der Signalübermittlung klappt, betonen die Leipziger Uni-Augenspezialisten, die daher das Gerät ihres Patienten auch noch mal individuell nachjustierten. Was super gelaufen sein muss – sogar Linien hatte Burkhardt daraufhin erkannt.

Wiedemann selbst hat als erfahrener Augenchirurg seit Jahren die Entwicklungen auf diesem Gebiet begleitet. Das Hightech-Teil Argus II gebe es noch nicht allzu lange, und nur ein paar spezielle Kompetenzzentren in Deutschland setzten es ein. „Richtiges Sehen ist dann zwar etwas anderes“, schränkt der Professor ein. „Doch mit diesem System gibt es erstmals ein zugelassenes und außerhalb von experimentellen Studien verfügbares Gerät, mit dem wir unseren erblindeten Patienten tatsächlich helfen können“, meint er und bezieht sich explizit auf Menschen mit erblicher Netzhautdegeneration wie Retinitis pigmentosa, von der bundesweit etwa 30.000 Personen betroffen seien.

„Ich trage das Gerät nun jeden Tag“

Burkhardt, von Haus aus Ingenieur, hatte trotz Blindheit bis zur Wende bei Carl Zeiss gearbeitet, später zum Physiotherapeuten umgeschult. Inzwischen ist er Rentner und will sich nun mit seinem „ganz besonderen Geburtstagsgeschenk“, mit seiner neuen Netzhautprothese, befassen. „Ich trage das Gerät nun jeden Tag“, sagt er stolz. „Zuerst war es jeweils nur für 30 Minuten. Jetzt sind es schon bis zu zwei Stunden.“ Überdies kommt er bis auf Weiteres regelmäßig zum „Intensivtraining“ aus Jena ins Uni-Klinikum Leipzig gefahren.

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