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Bildung Jungen-Gymnasium sorgt für Kontroverse: Gericht in Leipzig entscheidet
Leipzig Bildung Jungen-Gymnasium sorgt für Kontroverse: Gericht in Leipzig entscheidet
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21:35 29.01.2013
Das Bundesverwaltungsgericht hat am Mittwoch das letzte Wort über ein reines Jungengymnasium in Potsdam. Quelle: dpa
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Leipzig

Das will eine brandenburgische Elterninitiative mit Unterstützung der katholischen Organisation Opus Dei errichten. Die Leipziger finden, dass so eine Lehreinrichtung eine Rolle rückwärts wäre.

Die Geschlechter in den Schulen trennen? „Nein, dass sollte man nicht tun“, sagt Patrick Zerche, der gerade seine Tochter von der Edouard-Monet-Grundschule abholt. Es komme schließlich auf die Lehrer an und auf die Motivation der Kinder etwas lernen zu wollen. „Was ein Nachteil ist, sind extrem große Klassen. Da fallen sicherlich einige hinten runter“, so der zweifache Vater.

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Hinten runter fallen, das befürchtet offenbar auch die „Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft e.V.“, die der katholischen Priester- und Laienorganisation Opus Dei (Werk Gottes) nahesteht. Denn deren Argument für die Einführung eines reinen Jungengymnasiums ist, dass gerade die männlichen Kinder oder Jugendlichen eine besondere Förderung benötigen würden.

Brandenburg hatte den Antrag zur Gründung der Privatschule 2007 abgelehnt, weil eine Schule ausschließlich für Jungen nach Auffassung des Bildungsministeriums gegen das Verfassungsgebot der Gleichstellung der Geschlechter und das brandenburgische Schulgesetz verstößt, das nur koedukative Schulen vorsieht. Das Verwaltungsgericht Potsdam und das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatten jedoch geurteilt, dass auch monoedukative Schulen grundsätzlich zulässig seien. Die Fördergemeinschaft hingegen, sieht sich wegen der Absage durch das Land in der grundgesetzlich garantierten Privatschulfreiheit verletzt.

Urteil mit Signalwirkung

In dem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht geht es nach Aussage von Gerichtssprecher Wolfgang Bier um die Abgrenzung der Privatschulfreiheit zum staatlichen Erziehungsauftrag. Beide Rechte sind im Artikel 7 des Grundgesetzes verankert. Das Urteil werde voraussichtlich eine „Signalwirkung“ für ganz Deutschland haben, sagte Bier. Die Entscheidung werde jedoch nur für das Land Brandenburg und den Schulträger unmittelbar Rechtskraft erlangen.

An der Jungenschule soll ein Opus-Dei-Priester als Seelsorger und Religionslehrer arbeiten. In der Vergangenheit wurde die konservative Organisation wegen angeblich sektenähnlicher Strukturen und obskurer Bußpraktiken kritisiert – Vorwürfe, die sie zurückweist. Sie hat nach eigenen Angaben weltweit 90.000, in Deutschland 600 Mitglieder – davon 26 Priester. Der Verein betreibt bereits seit mehr als 40 Jahren ein Mädchen-Gymnasium in Jülich in Nordrhein-Westfalen und will im Berliner Umland nach eigener Aussage zunächst ein Jungen- und später auch ein Mädchen-Gymnasium eröffnen.

Nicht in alte Klischees verfallen

„Jungs im pubertären Alter sind schwer zu händeln“, sagt Evelyn Ziegenrücker in Leipzig. Ihr Sohn war in Rosenheim in einer Klasse mit 32 anderen Jungs. Der Lehrer habe versucht das in den Griff zu bekommen, doch es sei so gut wie unmöglich gewesen. Auf dieses Niveau müsse die Bildung nicht zurückgeführt werden, indem die beiden Geschlechter getrennt werden. „In die alten Rollenklischees braucht man nicht wieder zu verfallen“, sagt die Leipzigerin Christine Richter. Die ehemalige Kindergärtnerin findet, dass mit den gemischten Klassen alles bestens ist.

mpö/dpa

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