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Bildung Kein Zutritt für Inder an der Uni Leipzig? Praktikumsabsage löst internationalen Eklat aus
Leipzig Bildung Kein Zutritt für Inder an der Uni Leipzig? Praktikumsabsage löst internationalen Eklat aus
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16:59 09.03.2015
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Neu-Delhi/Leipzig

Dort können aber nur fünf Nachwuchswissenschaftler gleichzeitig arbeiten. Darunter seien zurzeit auch zwei Inder, sagt die Professorin, sie betont das nach den jüngsten Ereignissen besonders. 

Ein Student aus Delhi hat eine Absage aus Leipzig ins Netz gestellt, die für einen Aufschrei in den sozialen Netzwerken und indischen Medien sorgt. Darin scheint Beck-Sickinger Unerhörtes zu schreiben. O-Ton: „Leider habe ich keine Praktikumsplätze für männliche indische Studenten. Wir hören hier viel über das Vergewaltigungsproblem in Indien, das kann ich nicht unterstützen. Ich habe auch viele Frauen in meiner Forschungsgruppe, also kann ich diese Einstellung nicht unterstützen.“ Zusammengefasst hieße das: Alle Inder sind Vergewaltiger.

Der deutsche Botschafter in Indien, Michael Steiner, schrieb einen geharnischten Brief nach Leipzig, den er via Twitter veröffentlichte – mit vollem Namen der Professorin. Steiner nennt ihre Absage „vereinfachend, diskriminierend und simplistisch“ und verweist darauf, dass es in Indien nach dem Tod einer Studentin durch eine Gruppenvergewaltigung in Delhi  2012 eine breite Diskussion über die so genannte Vergewaltigungskultur gebe. Weiter schreibt er: „Lassen Sie mich klarstellen: Indien ist kein Land der Vergewaltiger.“

Original-Mails gelöscht

Nur Stunden später stellte die Botschaft eine Entschuldigung der Professorin ins Netz: „Ich habe einen Fehler gemacht“ wird Beck-Sickinger zitiert. Ich bitte alle um Entschuldigung, deren Gefühle ich verletzt habe.“ Auch die Uni Leipzig reagiert mit einer ähnlich lautenden Pressemitteilung. Das soll die heißlaufende Diskussion abkühlen. Schon erinnerten die ersten Kommentatoren an Pegida und Legida und die wenig einladenden Bilder, die einige Sachsen um die Welt schickten.

Doch etwas wirkt merkwürdig: Welche Professorin dieser Welt verschickt eine zweizeilige Absage mit einem eindeutig rassistischen und sexistischen Statement? Beck-Sickinger würde das nie tun, sagt sie LVZ-Nachfrage. „Es gab diese Mail so nicht“, sagt sie. „Da wurden Dinge herausgelöscht und verfälscht“. Sie habe eine Standard-Absage geschickt: Das Labor sei voll, mit freundlichen Grüßen. „Viele Kollegen antworten gar nicht auf solche Anfragen“, sagte sie. „Jetzt weiß ich, warum.“ Der abgelehnte Bewerber schrieb zurück, sie antwortete. Es entspann sich eine Diskussion über gesellschaftliche Probleme in Indien. „Ich wollte ein Gutmensch sein und mich austauschen“, sagt die Professorin mit leichtem Sarkasmus.  „Es war aber nie meine Absicht, die indische Gesellschaft zu diskriminieren.“

In einigen längeren Mail-Passagen, die von der indischen Nachrichtenseite „The News Minute“ zitiert werden, schreibt Beck-Sickinger Folgendes: „Es gibt viele Professorinnen in Deutschland, die wegen der Vergewaltigungen keine männlichen indischen Studenten mehr annehmen. Natürlich können wir so die indische Gesellschaft nicht verändern, aber wir können in Europa unsere Konsequenzen ziehen.“ Hat sie das geschrieben? Kann man das im Kontext lesen? Leider habe sie die betreffenden Mails bereits gelöscht, sagt die Professorin.

Erste Reaktionen aus Sachsen

Erste Reaktionen gibt es sowohl aus der Universität als auch aus der Landespolitik. Die Leipziger Uni-Rektorin Beate Schücking betont, dass für rassistische Gedanken und Äußerungen an der Alma mater kein Platz sei. "Der Anteil ausländischer Studierender an unserer Universität steigt jedes Jahr", so Schücking. 44 Studierende aus Indien sind derzeit an der Univestität Leipzig eingeschrieben, davon 15 Frauen, teilte die Alma Mater mit. Insgesamt gibt es derezit 700 Studierende aus Indien an sächsischen Hochschulen.

Mit der Entschuldigung habe Beck-Sickinger, die über vielfältige internationale Erfahrung verfüge, den richtigen Weg eingeschlagen, um Missverständnisse auszuschließen. Dem Tenor folgt auch Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange.

Jan Sternberg

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