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"Kinderkliniken sind die Verlierer des Systems" - Kinder- und Jugendmediziner tagen in Leipzig

"Kinderkliniken sind die Verlierer des Systems" - Kinder- und Jugendmediziner tagen in Leipzig

Gebündelte pädiatrische Kompetenz und harsche Kritik an der Gesundheitspolitik im Congress-Center (CCL) auf Leipzigs Neuer Messe: Im Verbund mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) richten dort bis Sonntag mehrere Fachverbände ihre Tagungen aus.

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Quelle: Matthias Hiekel/Archiv

Leipzig. Rund 3000 Experten bevölkern das CCL. Flankiert wird das wissenschaftliche Programm durch eine Industrieausstellung und ein Benefizkonzert des Orchesters deutscher Kinderärzte.

DGKJ-Präsident Professor Norbert Wagner forderte mehr gesellschaftliches Augenmerk für die Belange kranker Kinder und verwies auf "einen dramatischen Schwund in der stationären Pädiatrie". Im Zeitraum von 1991 bis 2012 sei in der Bundesrepublik die Anzahl der Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin von 440 auf 364 zurückgegangen und zehn Prozent der Kinderchirurgien seien auf der Strecke geblieben.

Wagner, der am Uni-Klinikum in Aachen arbeitet, bezeichnete die flächendeckende, qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung von Kindern als "ernsthaft gefährdet", wenn keine Veränderungen im Vergütungsmodus vorgenommen würden. Im Vergleich zur Erwachsenenmedizin sei die Pädiatrie mit viel höheren Vorhaltekosten verbunden, 80 Prozent der Leistungen würden als Akutversorgung erbracht. "Die Kinderkliniken sind die Verlierer in einem ungleichen Wettbewerbssystem."

Adressiert an die Gesundheitspolitik, verlangen die DGKJ und andere Fachverbände einen finanziellen Sicherungszuschlag für Kinderkliniken, den Erhalt des Ausbildungsschwerpunktes Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie die Absicherung von pädiatrischen Spezialambulanzen. Auf ein anderes Problemfeld wies Kongress-Chef Professor James Beck vom Uni-Klinikum in Jena hin. Demnach gibt es bei Heranwachsenden mit chronischen Krankheiten noch zu häufig einen Bruch, wenn sie von der Betreuung in pädiatrischen Zentren zur Erwachsenenmedizin wechseln.

In dieser Übergangsphase steige das Risiko für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Gleich mehrere interdisziplinäre Symposien rankten sich gestern um dieses Thema. Weitere Vortrags- und Diskussionsschwerpunkte waren unter anderem die Infektionsdiagnostik, Adipositas bei Kindern und die Versorgung von Frühchen, deren Anzahl wächst.

Kamen 1997 hierzulande noch sieben Prozent der Babys zu früh zur Welt, sind es inzwischen neun Prozent. In Summe sind das jährlich 60 000 Kinder, davon werden 8000 vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren. Einher geht das mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Wasserkopf, den Hydrocephalus, ausbilden. "Besonders gefährdet sind Säuglinge mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm", meinte Kinderchirurg Professor Ralf-Bodo Tröbs vom Marienhospital in Herne auf dem Kongress.

Dank des medizinischen Fortschritts würden heute aber auch jene Hydrocephalus-Babys überleben, die vor einigen Jahren "noch keine Chance gehabt hätten". In der Regel werde ein als Liquorshunt bezeichnetes Ableitungssystem für das Hirnwasser in den Schädel eingelassen, sagte Professor Guido Fritze vom Uni-Klinikum Dresden. Auch Bauchwanddefekte bei Neugeborenen könnten durch moderne Therapieverfahren mittlerweile in fast allen Fällen behoben werden, ergänzte Professor Thomas Boemers vom Kinderkrankenhaus in Köln.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.09.2014

Mario Beck

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