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Bildung "Kleine Sensation" in der Mathematik - Sachsen kürt Landessieger von „Jugend forscht“
Leipzig Bildung "Kleine Sensation" in der Mathematik - Sachsen kürt Landessieger von „Jugend forscht“
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15:35 24.03.2012

„Ray hat ein Jahrhunderte altes mathematisches Problem auf klassischem analytischem Weg gelöst“, sagte Wettbewerbsleiter Jens Reichel am Samstag bei der Siegerehrung in Leipzig. „Er löste eine Differenzialgleichung, die einst Newton aufstellte, um Fortbewegungen inklusive Strömungswiderständen zu erklären.“

Bisher sei dies nur mit viel Aufwand und großen numerischen Computerleistungen möglich gewesen. „Viele Mathematiker der Universitäten Dresden und Freiberg haben Rays Lösung geprüft und für korrekt befunden“, erzählte Reichel. „Wenn die Berechnungen weiteren Prüfungen standhält, steht sie wohl bei folgenden Generationen in den Schulbüchern.“

Der Preisträger selbst ging deutlich bescheidener mit seinem Erfolg um: „Ich bin bei der Bearbeitung einer anderen Frage auf das Problem gestoßen“, sagte Shouryya Ray. „Ich konnte nicht glauben, dass die Gleichung solange ungelöst war und habe es auf gut Glück probiert.“ Der Schüler des mathematisch-naturwissenschaftlichen Spezialgymnasiums Martin-Andersen-Nexö in Dresden kam über ein Forschungsprojekt an der Uni Dresden zum mathematischen Problem.

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Dort hatte er sich an Forschungen zum Transport von Sedimenten, etwa Sand, beteiligt. „Viele Schüler unseres Gymnasiums beteiligen sich an Forschungsprojekten der Universität“, gab sich der 16 Jahre alte Ray bescheiden - und ließ sich schließlich doch entlocken, dass er zwei Schuljahre übersprungen hat und in wenigen Wochen seine Abiturprüfungen ablegt. Wofür seine Gleichung in der Praxis angewendet werden kann, weiß der hochbegabte Gymnasiast noch nicht. „Meine Berechnungen dienen eher der Grundlagenforschung.“ Derzeit beschäftige ihn ein anderes schwieriges Problem: „Ich muss mich entscheiden, ob ich Mathe oder Physik studieren will.“

In Leipzig waren am Samstag die acht Landessieger Nachwuchswettbewerbs „Jugend forscht“ gekürt worden. Eine Jury wählte am Samstag die Siegerbeiträge aus den 24 eingereichten Projekten.

Gleich drei der acht Preise konnten Nachwuchsforscher des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Chemnitz abräumen: Die 17 Jahre alte Linda Marx gewann in der Kategorie Biologie mit ihrer Entdeckung einer noch nicht bekannten Art der Trauermücke. Ihr Mitschüler Tom Hähnel entwickelte ein mobiles Gerät, das Allergikern beim Einkaufen helfen und Produkte auf Glutenhaltigkeit überprüfen soll. Und auch der Sonderpreis für das interdisziplinäre Projekt ging an einen Schüler des Kepler-Gymnasiums: Der 17 Jahre alte Julius Kunze entwickelte ein Programm, dass extreme Geschwindigkeiten optisch anschaulich darstellen kann.

„Das Chemnitzer Kepler-Gymnasium macht seit Jahren hervorragende „Jugend forscht“-Arbeit und wurde dafür in diesem Jahr geehrt“, sagt Wettbewerbsorganisator Heiko Krellmann. Alle acht Gewinner vertreten Sachsen vom 17. bis 20. Mai beim Bundesausscheid des Wettbewerbs in Erfurt. 

Franziska Höhnl, dpa

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