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Bildung Kraftprobe am Paulinum: Druck auf Universität wegen Altar-Grundsteinlegung erhöht
Leipzig Bildung Kraftprobe am Paulinum: Druck auf Universität wegen Altar-Grundsteinlegung erhöht
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00:59 29.11.2014
Der Paulineraltar ist erstmals an seinem neuen Platz im Paulinum in Leipzig zusehen. Restaurator Manfred Eisbein erklärte den Journalisten den Altar. Quelle: André Kempner

Die LVZ berichtete schon vor einem Monat, dass Leipziger Christen wie die erste Pfarrerin an der Thomaskirche, Britta Taddiken, die Pläne für die Altar-Grundsteinlegung im Paulinum am Augustusplatz kritisieren: Statt nur wenige geladene Gäste zuzulassen, müsse das am 2. Dezember im Altarraum stattfindende Ereignis für jedermann zugänglich sein, hieß es. Inzwischen haben zahlreiche weitere kirchliche Würdenträger und der Paulinerverein den Druck auf die Universität erhöht. Es wird dazu aufgerufen, dass am Dienstag jedermann Einlass in den Altarraum verlangen soll. Es deutet sich ein Kraftprobe an.

Der Aufruf an die "Leipziger Bevölkerung", an "diesem bedeutsamen Ereignis teilzunehmen und sich um 10 Uhr vor beziehungsweise in der neuen Universitätskirche einzufinden", stammt von Ex-Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff. Der umtriebige Pfarrer im Ruhestand hat auch prominente Mitunterzeichner gewonnen. Thomaskantor Georg Christoph Biller sowie die Ex-SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Fornahl und Gunter Weißgerber gehören dazu. In der Uni hieß es gestern, es bleibe dabei: Nur die hundert geladene Gäste bekämen Einlass in den Altarraum. Wer außerdem komme, könne im Hörsaalgebäude eine Übertragung der Grundsteinlegung verfolgen - aber nur eine Tonübertragung, da das Senden von Bildern technisch nicht möglich sei.

Universitätssprecher Carsten Heckmann betonte, das Paulinum sei eine Baustelle, die sich in der Regie des Freistaates und nicht der Uni befinde. Nur der Altarraum sei nutzbar, nicht das Schiff. Neben der Tonübertragung würden Bilder im Internet veröffentlicht und Medienvertreter seien ebenfalls eingeladen. "Es geht hier nur um eine Grundsteinlegung, die nirgendwo als Großereignis inszeniert wird." Der eigentliche Höhepunkt werde die noch bevorstehende Eröffnung des Neubaus.

Im Paulinerverein, in dem sich hunderte Leipziger und Auswärtige seit Jahren für die Paulinerkirche engagieren, wird dies völlig anders gesehen. "Es gab schon keine Grundsteinlegung für die neue Paulinerkirche", erinnert dort Vereinsvorsitzender Ulrich Stötzner. "Sie war vorgesehen und wurde wieder abgesagt." Deshalb sei die Grundsteinlegung für den Altar um so wichtiger; die Tonübertragung sei indiskutabel. "Nach theologischer Auffassung ist die Altar-Grundsteinlegung ein geistlicher Akt und eine gottesdienstliche Feier", so Stötzner. "Und Gottesdienste sind grundsätzlich für jedermann zugänglich - ob er an den lieben Gott glaubt oder nicht. Die Universität könnte die Menschen einlassen, wenn sie wollte." In einer Rundmail des Vereins heißt es deshalb: "Wenn Sie gern an der Grundsteinlegung teilnehmen möchten, gehen Sie am Dienstag um 10 Uhr in das Neue Augusteum und begehren Sie Einlass."

Die Uni hat gestern auf die droh- ende Konfrontation reagiert: Statt des Hörsaals 2 wurde der deutlich größere Hörsaal 4 für die Tonübertragung reserviert. Dort haben 400 Zuhörer Platz. "Bei der Auswahl der geladenen Gäste gab es keine bewusste Entscheidung gegen jemanden", versucht Sprecher Heckmann die Wogen zu glätten. "Wir haben uns auf Mitglieder unserer theologischen Fakultät und Amtsträger konzentriert." Ulrich Stötzner überzeugt er damit nicht. "Es werden sowieso nicht mehr als 200 bis 300 Menschen kommen", sagt er. "Und die passen allemal in den Andachtsraum." Wer am Dienstag ins neue Augusteum komme und dort keinen Platz mehr finde, müsste "mindestens durch die Tür an der Altar-Grundsteinlegung Anteil haben" können, meint auch Professor Peter Zimmerling, erster Universitätsprediger.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.11.2014

Andreas Tappert

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