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Lehrermangel in Leipzig: Unterrichtsausfall am Johannes-Kepler-Gymnasium

Lehrermangel in Leipzig: Unterrichtsausfall am Johannes-Kepler-Gymnasium

Der Elternrat des Johannes-Kepler-Gymnasiums macht mobil: Er will die Unterrichtsausfälle an der Bildungsstätte in der Dieskaustraße nicht mehr hinnehmen. Die Bildungsagentur räumt Probleme mit kranken Lehrern ein, sieht aber keine "dramatische Entwicklung".

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Kathrin Braunsdorf und Matthias Jacob vom Elternrat des Kepler-Gymnasiums.

Quelle: André Kempner

Landtagsabgeordneter Holger Mann (SPD) klagt: Es gibt zu wenig Lehrer in Leipzig.

"Wir haben Bedenken, dass unsere Kinder das Abitur schaffen!" - Das sagen Kathrin Braunsdorf und Egbert Brosch vom Elternrat des Kepler-Gymnasiums. Ihre Sprösslinge besuchen die Elfte und büffeln fleißig, doch den Unterrichtsausfall wollen sie nicht mehr hinnehmen. Krankheitsbedingt fehlen zeitweise sechs Lehrer. In den ersten drei Monaten des Schuljahres seien fast zehn Prozent der Stunden ausgefallen, im Februar mehr als fünf Prozent.

Schulleiterin Herta Anton wird laut Elternrat meist vertröstet, wenn sie sich in der Bildungsagentur um Ersatz kümmert. Die Eltern haben daher verschiedene Beschwerden ans Kultusministerium geschickt. "Teilweise sehen wir die erheblichen Wissenslücken der Schüler schon an den Ergebnissen der Klassenarbeiten und Klausuren", heißt es in einem der Schreiben. Braunsdorf und ihre Mitstreiter loben das große Engagement einiger Lehrer. Doch mit den begrenzten Vertretungsstunden sei der Lehrermangel nicht mehr zu kompensieren. Selbst in Leistungskursen gebe es Ausfall. In Antworten der Bildungsagentur werde das Problem heruntergespielt. "Wir sind beunruhigt, weil der Ausfall erschreckende Maße angenommen hat und wir nicht das Gefühl haben, dass sich die Situation bessert", so Braunsdorf, die aufgrund ihrer Kinder 16 Jahre lang Erfahrungen mit dem sächsischen Bildungssystem hat.

"Nach Ostern hat sich die Situation entspannt", sagt Schulleiterin Herta Anton auf LVZ-Nachfrage. Das liege daran, dass die Zwölften derzeit ihre Abiturprüfungen machen. Da können auch einige Fachlehrer in anderen Klassen aushelfen. Roman Schulz, Sprecher der Sächsische Bildungsagentur, räumt ein, dass es am Kepler einige Monate mit überdurchschnittlich viel Ausfall gegeben habe. "Wir bemühen uns. Es gibt aber Situationen, da können wir nicht gleich Vertretungen organisieren. Etwa, wenn sich nach den Winterferien sechs Lehrer krank melden." Unterm Strich sei der Stundenausfall - im Vergleich zu den Vorjahren gesehen - keineswegs dramatischer geworden. Das gelte auch für andere Schulen.

Die Bildungsagentur will aber darauf achten, dass sich der Ausfall nicht über längere Zeit auf einzelne Klassen und Fächer konzentriert, wobei die Absicherung des Unterrichts in der Sekundarstufe II "von besonderer Bedeutung" sei. "Leider wird es auch in Zukunft nicht gelingen, Unterrichtsausfall gänzlich zu vermeiden", schreibt Referent Thomas Mautner an den Elternrat.

Ob sich die Situation im neuen Schuljahr entspannt, vermag Herta Anton nicht zu sagen: "Ich fürchte nicht. Wir haben viele abgeordnete Lehrer, die ich für Vertretungen nicht einsetzen kann, da sie ansonsten an ihrer Schule fehlen." Hinzu kommt: Die Lehrer werden nicht jünger, Krankheiten nehmen zu. Wichtig sei daher, ein stabiles Stammpersonal an einer Schule zu haben. Und Neueinstellungen!

Der Landtagsabgeordnete Holger Mann (SPD) hat sich mit dem Unterrichtsausfall näher beschäftigt und fordert: "Leipziger Schulen brauchen mehr Lehrer!". Im Januar hat er im Landtag angefragt und eine Gesamtübersicht zur Lehrersituation in Sachsen erhalten, jene in Leipzig nun detailliert ausgewertet. "Anlass war die Vermutung, dass sich die Sparpolitik negativ auswirkt. Das hat sich nun leider bestätigt." Zwar würden die Zahlen derzeit noch keine "schwerwiegenden Probleme" aufzeigen, verdeutlichten aber die "negative Entwicklung" an Leipziger Schulen.

Einige Beispiele: Die Klassengrößen in allen Schularten nehmen zu. Besonders an Mittelschulen und Gymnasien verschlechtere sich das Betreuungsverhältnis Lehrer-Schüler erheblich. Das liegt daran, dass die Anzahl der Schüler in den weiterführenden Bildungseinrichtungen wächst - dies im Gegenzug aber nicht durch ausreichend Neueinstellungen ausgeglichen wird. So gab es in den Gymnasium gar keinen Zuwachs, obwohl auch Lehrer in den Ruhestand wechselten. Eine Ausnahme sind die Grundschulen.

Laut Gesetz darf eine Klasse höchstens 28 Schülern haben. "Es sei denn die Schulkonferenz stimmt zu", so der Schulpolitiker, "was sie leider immer häufiger tut." Mann: "Ein großes Problem ist, dass der Stundenausfall und die nicht fachgerecht vertretenen Stunden zunehmen." Auch hier sind die Grundschulen eine Ausnahme, was er auf die erhebliche Anzahl von Abordnungen und Neueinstellungen zurückführt. "So unterrichten an vier von fünf Grundschulen abgeordnete Lehrer." Für die Arbeit in den Kollegien sei das aber nicht gerade förderlich. Besonders extrem sei die Zahl der Abordnungen laut der vorliegenden Statistik an der 85. Grundschule. Spitzenreiter bei der Zahl der pendelnden Lehrer sind weiterhin die Georg-Schumann-Mittelschule, die Appolonia-von-Wiedebach-Mittelschule sowie das Brockhaus- und das Leibniz-Gymnasium. "Das zeigt, dass die Reserven verbraucht sind und nur noch mit beträchtlichem Aufwand Löcher gestopft werden", so Mann.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.04.2013

Orbeck, Mathias

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