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Bildung Lehrerstreik am Mittwoch: Leipziger Pädagoden erheben Vorwürfe gegen Schulbehörde
Leipzig Bildung Lehrerstreik am Mittwoch: Leipziger Pädagoden erheben Vorwürfe gegen Schulbehörde
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20:33 10.03.2015
(Archivbild) Quelle: dpa

Die Lehrer in Sachsen fordern in erster Linie einen Tarifvertrag, der ihnen eine faire und einheitliche Eingruppierung in die Entgeltgruppen garantiert. Zudem wollen sie generell ein höheres Gehalt für Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Die Eingruppierung sorgt bei den Pädagogen für den größten Ärger: In Sachsen legt das Finanzministerium die Lehrerbezahlung fest - das führt dazu, dass die Einkommensunterschiede für Lehrer einer Schulart bundesweit bei bis zu 1000 Euro netto liegen. "Wenn ich in Bayern Oberschullehrerin wäre, würde ich 2965 Euro netto bekommen, in Sachsen sind es aber nur 1900 Euro", sagt eine junge Oberschullehrerin aus Leipzig. Bayern ist zwar deutlich strukturstärker als Sachsen, doch selbst in Berlin (2650 Euro netto) und im benachbarten Sachsen-Anhalt (2460 Euro netto) werden Lehrer weitaus besser bezahlt. Das liegt daran, dass beispielsweise Oberschullehrer in Sachsen der Entgeltgruppe E11 zugeordnet werden, in Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg aber in E13.

"Nach Studium und Referendariat liegt mein Gehalt bei 1700 Euro netto", sagt die Oberschullehrerin. Roman Schulz, Sprecher der Regionalstelle Leipzig der Bildungsagentur, will dies nicht gelten lassen: "Ich will keine öffentliche Debatte über Lehrergehälter - gerade im Hinblick auf die Menschen in Leipzig, die keine Lehrer sind", sagt Schulz, und meint damit: Die, die noch weniger verdienen. "Wenn sich Lehrer in anderen Bundesländern bewerben, weil sie dort mehr bekommen, kann ich sie nicht davon abhalten", sagt er.

Doch die junge Oberschullehrerin, die ihren Namen aus Sorge vor möglichen Nachteilen nicht in der Zeitung lesen will, erhebt auch Vorwürfe gegen die Bildungsagentur: "Die Bildungsagentur ist mit Absicht wenig transparent", klagt sie. "Mir wurden Informationen zu meinem Vertrag und meinen Rechten vorenthalten, und das ist kein Einzelfall." Die GEW Sachsen bestätigt das: "Wir haben Signale, dass man mit den Leuten nicht richtig umgeht", sagt Uschi Kruse, die stellvertretende Landesvorsitzende der GEW im Freistaat. "Die Schulaufsichtsbehörden in Sachsen haben noch nicht verstanden, dass man angesichts der Bewerber-Situation sorgsamer mit den Lehrern umgehen muss."

So klagt etwa die Oberschullehrerin, dass sie keine Stelle im Leipziger Stadtgebiet bekommen hat: "Die Einstellung geht vor allem nach Noten, meine liegt bei 1,5. Trotzdem wurde ich aufs Land geschickt." Diese Erfahrung musste auch Marco Schöber vor zwei Jahren machen: Trotz Abschluss als Jahrgangsbester in Leipzig wurde dem Gymnasiallehrer nur eine Stelle als Grundschullehrer im Erzgebirge angeboten. Schulz dazu: "Wir haben einen Bildungsauftrag für ganz Sachsen und müssen deshalb auch die Schulen versorgen, die außerhalb liegen. Ich kann aber nachvollziehen, dass das für junge Lehrer nicht zufriedenstellend ist."

Die Bildungsagentur wirbt zwar um junge Lehrer und hat laut Schulz zum1. Februar 300 neue Pädogogen eingestellt. Doch Kruse überzeugt das nicht. "Weil die Gehälter selbst in den benachbarten Bundesländern so viel höher liegen, wandern die besten Lehrer einfach ab."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2015

Sabrina Mazzola

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