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Bildung Leipzig School of Media: 100. Absolvent startet durch als „Zahlengraph“
Leipzig Bildung Leipzig School of Media: 100. Absolvent startet durch als „Zahlengraph“
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13:53 04.06.2015
Ingo Schönbrunn (42), 100. Absolvent der Leipzig Media School. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Der Bauch ist schlau. Weiß auch Rat gegen einen Anflug von Midlife-Crisis. Zumindest bei Ingo Schönbrunn (42). Der Kommunikationswissenschaftler aus Leipzig hatte in seinem Job bei einem Flughafenbetreiber das Gefühl: Alles schon mal gesehen. Auf der Suche nach einer neuen Richtung fand er die Leipzig School of Media. Leben geändert, Abschluss gemacht, 100. Absolvent. Die Geschichte eines Volltreffers.

Danach sah es nicht aus, vor rund zwei Jahren. „Die Bewerbungsfrist für den Studiengang Crossmedia Management war abgelaufen“, schildert Schönbrunn seinen ersten Frust. Aber dann gibt es eine Chance für Nachrücker. Über das Vorstellungsgespräch rutscht er in die kleine Studiengruppe von zehn Leuten, und hat das untrügliche Bauchgefühl: Das ist es, wonach ich gesucht habe. Aber das alles neben dem Vollzeitjob bewältigen?

Die School of Media bietet seit 2008 Kurse und Master-Studiengänge an. Die gemeinnützige Gesellschaft für akademische Weiterbildung ist eine Tochter der Leipziger Medienstiftung. Viele Berufsfelder haben sich durch die digitale Revolution, die Verlegung von Geschäftsaktivitäten ins Internet und die sozialen Netzwerke, radikal gewandelt. Vor diesem Hintergrund entfalten sich die Studieninhalte. 96 Studenten und 250 Teilnehmer von Kursen und Seminaren nutzten im vergangenen Jahr das Angebot.

„Größter Horror“ wird Erfolgsrezept

Das Lern-Pensum soll berufsbegleitend zu erledigen sein, so ist es konzipiert. „Das war hart“, sagt Schönbrunn. Der Neustart ist für ihn keine Nebensache, also reduziert der frischgebackene Student seine Arbeitszeit bei der Mitteldeutschen Flughafen AG auf drei Tage. „Das ließ sich über unbezahlten Urlaub machen“, erklärt er.

Die Finanzierung von 12.000 Euro für vier Semester stemmt er aus Erspartem. Rund 30 Stunden pro Woche hat er dann ins Studium investiert. „Sonst hätte ich mich in Projekte, die mich interessierten, nicht so reinknien können“, sagt er. Mit diesem Elan überwindet er auch seinen „größten Horror“: „Zum Studiengang gehören Programmiersprachen. Ich hatte wirklich Bedenken, ob ich das schaffen kann.“ Gerade Programmierung entpuppt sich später als Erfolgsrezept.

Denn auf einmal stellt sich das berühmte Bauchgefühl wieder ein. Bei einer Veranstaltung zur Programmiersprache JavaScript stößt Schönbrunn auf einen Baustein, ein sogenanntes „Framework“, mit dem sich Daten veranschaulichen lassen – und damit viel schneller zu erfassen sind. Er ist fasziniert: „Jedes Unternehmen trifft Entscheidungen auf dieser Grundlage“, so der Media-School-Absolvent. Plötzlich findet er sich in vertrautem Fahrwasser, und kann gleichzeitig mit neuem Kurs Fahrt aufnehmen.

„Zahlengraph“ plant eigene Firma

„Auf wundersame Weise hat sich alles gefügt“, sagt Schönbrunn heute. Angebote, seine Drei-Tage-Woche im Job wieder aufzustocken, lehnt er ab. Zwei Tage arbeitet er nun als Freiberufler unter dem Label „Zahlengraph“ und entwickelt „Datencockpits“ für Firmen. Vereinfacht gesagt: Zahlen werden so in Diagramme und Schaubilder umgewandelt, die eine Auswertung erleichtern.  

Aber auch an seinem bisherigen Arbeitsplatz könne er die Dinge mit dem Wissen aus dem Studiengang anders organisieren. Sogar Pläne für die Zukunft stehen schon: Projekte ausbauen, vielleicht mit einem Partner eine Firma gründen. Nach anstrengenden Wochenend-Block-Seminaren auf dem Mediacampus Villa Ida in Leipzig-Gohlis und Prüfungsstress sagt Schönbrunn in der Rückschau: „Man sagt ja immer, es ist wichtig, in Bildung zu investieren. Ich begreife erst jetzt, was das bedeutet. Dieses Studium war die beste Entscheidung meines Lebens.“

Evelyn ter Vehn

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