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Leipzig punktet als Studienort: Immer mehr Studenten kommen aus Westdeutschland

Leipzig punktet als Studienort: Immer mehr Studenten kommen aus Westdeutschland

Das Abitur im Westen abgelegt, zum Studieren in den Osten gezogen: Innerhalb von vier Jahren stieg die Zahl derer, die das im Lebenslauf stehen haben, an der Leipziger Universität von etwa 19 auf aktuell knapp 27 Prozent aller Eingeschriebenen.

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Johann Wolfgang Goethe: der prominenteste Leipziger Student aus dem deutschen Westen.

Quelle: Volkmar Heinz

Bezogen auf die Studienanfänger, hat sich die Zahl der Neuankömmlinge aus dem Westen in gleicher Zeit fast verdoppelt. Cornelia Wächter von der Studienberatung der Leipziger Uni bestätigt diesen Trend: "Die Zahl der Bewerber aus den alten Ländern ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen." Die Messestadt sei für junge Leute immer attraktiver. Dabei könne Leipzig sowohl als Stadt als auch als Studienstandort punkten. Insbesondere die niedrigen Lebenshaltungskosten in der Stadt und die 150 Studiengänge an der Alma Mater Lipsiensis seien für Weststudenten ein starker Anreiz.

Politische und demografische Ursachen der Leipziger Beliebtheit sind zudem im Hochschulpakt 2020 begründet. In diesem verpflichteten sich die Ost-Bundesländer dazu, die Zahl der Studienanfängerplätze auf dem Niveau von 2005 zu halten. Damit müssen sie deutlich mehr Studienplätze bereit halten, als es ihre eigene demografische Entwicklung erfordert. "Es ist volkswirtschaftlicher Unsinn, neue Studienplätze im Westen zu schaffen und die langjährig aufgebauten im Osten zu kippen", sagte Matthias Stübig von der Hochschulinitiative Neue Bundesländer. "Deshalb musste ein Wanderungsstrom von initiiert werden."

Ohne diesen Hochschulpakt würden alle ostdeutschen Unis die geburtenschwachen Jahrgänge deutlich zu spüren bekommen, während sich im Westen der Republik immer mehr Abiturienten in die Hochschulen drängen. Um mehr junge Menschen aus dem Westen anzulocken, starteten deshalb 2008 die Wissenschaftsministerien in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das Projekt "Studieren in Fernost" - quasi eine Werbekampagne für ostdeutsche Hochschulen. 2009 schlossen sich die Regionalkampagne "Abenteuer FernOst" der Uni Leipzig und "Pack dein Studium. Am besten in Sachsen" des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK) an.

"Neben den Kampagnen spielen sicher auch Faktoren wie die attraktive Studentenstadt Leipzig mit all ihren Möglichkeiten und ein ansprechendes Studienangebot eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Abiturienten", sagte Nancy Beyer, die Sprecherin der Universität.

Dietmar Rachelski, Hochschulkoordinator im SMWK, sieht die Entwicklung in Leipzig als wesentliches Ergebnis des Hochschulpakts. 2005 kamen sachsenweit noch 7,4 Prozent der Studienanfänger aus den alten Bundesländern. 2012 waren es nach neuesten Erhebungen schon 25 Prozent. "Es sind insgesamt nicht mehr Studenten, nur die Zusammensetzung ist eine andere", sagte Rachelski.

Cornelia Wächter, Studienberaterin an der Uni Leipzig, kennt die Gründe, mit denen die Messestadt-Hochschule punktet: Das breite Studienangebot und die Forschungsvielfalt würden für ein Studium in Leipzig sprechen. "Die zentrale Lage in Mitteldeutschland, die Studiengebührenfreiheit und die Tatsache, dass das Leben und Studieren hier im Vergleich zu vielen anderen Uni-Orten großstädtisch, aber bezahlbar ist, würden ihr Übriges tun", erklärt die Beraterin.

Im Zuge des Hochschulpakts wirbt das Projekt "Studieren in Fernost" augenzwinkernd mit schlagkräftigen Argumenten für Leipzig: "Wer hier studiert, wird BundeskanzlerIn", "Coq au vin in der Mensa" ("Hähnchen in Rotweinsauße in der Mensa") und "5872500 Grillplätze am Strand und im Grünen". Bei Facebook gibt es dazu ein Ranking der beliebtesten ostdeutschen Hochschulen: Die Uni Leipzig liegt mit knapp 13 800 Fans auf Platz eins.

Die Regionalkampagne "Abenteuer FernOst" rief die Leipziger Uni 2009 ins Leben. Wichtiger Bestandteil ist die "Abenteuerreise" - ein Schnupperprogramm für Bewerber aus dem Westen. "Von etwa 150 Teilnehmern haben sich im Anschluss der Reise etwa 70 Prozent für Leipzig entschieden", sagt Nancy Beyer, Sprecherin der Uni. "Wir verstehen die steigende Zahl der Studenten aus den alten Bundesländern durchaus als Erfolg unserer Kampagne".

Insgesamt waren an der Leipziger Uni im Wintersemester knapp 28300 Hochschüler eingeschrieben. Aus den alten Bundesländern kamen die meisten mit jeweils etwas über 5 Prozent aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Das Phänomen scheint jedoch nur an der Universität aufzutreten. An der Hochschule für Musik und Tanz (HMT) etwa herrscht seit Jahren ein Ein-Drittel-Verhältnis: Ein Drittel der Studenten kommt aus den alten Bundesländern, ein Drittel aus den neuen und ein Drittel aus dem Ausland. "Da wir eine Hochschule mit vorwiegend künstlerischen Studiengängen sind, ist die Ost-West-Verteilung bei uns selbstverständlich anders als an Volluniversitäten. Zumal auch Aufnahmeprüfungen abgelegt werden müssen", so die Sprecherin der HMT Katrin Schmidinger. An der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) liegt die Zahl der Studenten aus dem Westen seit 2010 konstant bei zehn Prozent, teilte deren Sprecherin Katrin Giersch mit.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.04.2013

Stefanie Dietz

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