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Leipziger Ägyptologen legen Tempel-Schätze in Kairo frei - nächste Etappe im Herbst

Leipziger Ägyptologen legen Tempel-Schätze in Kairo frei - nächste Etappe im Herbst

Das Viertel in der Millionenstadt Kairo ist ärmlich. Doch unter Schutt und Erde von Jahrtausenden liegt ein Schatz: Die riesige Tempelanlage Heliopolis aus Zeit 2700 – 300 vor Christus.

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Tempelgrabung in Heliopolis - Kairo.

Quelle: Ägyptisches Museum Leipzig

Leipzig. Dort haben Leipziger Forscher unter der Leitung von Dietrich Raue, Chef des Ägyptischen Museums bis Ende März gegraben. Ein erfolgreiches Joint-Venture mit dem Ägyptischen Antikendienst in Zeiten der Revolution.

„Heliopolis ist für die ägyptische Kultur von überragender Bedeutung“, sagt Raue. Allein mit seiner Größe von fast einem Quadratkilometer übertrifft der einstige Tempelbezirk alle Heiligtümer des Landes. „Mit dem Ort ist der Glauben an den eine Sonnengott verbunden, und damit auch die Mythen von der Entstehung der Welt“, sagt Raue im Gespräch mit LVZ-Online.

Ziel der Leipziger Wissenschaftler war ein Heiligtum von Pharao Ramses II. (1303-1213 v. Chr.) im westlichen Teil des Tempels. Mit Aimen Ashmawy vom Ägyptischen Antikenministerium, Forschern aus den Niederlanden und Polen sowie rund 70 ägyptischen Arbeitern konnten zum Beispiel zentimeterkleine Bruchstücke eines Echnaton-Tempels gesichert werden. Die Fragmente stammen aus der Zeit des Glaubens an den einzigen Sonnengott Aton, heißt es in einer Erklärung der Universität Leipzig.

Vier Kolossal-Statuen lokalisiert - Arm wiegt bis zu 300 Kilogramm

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Statue im Tempel Ramses II.

Quelle: Ägyptisches Museum Leipzig

Es geht aber auch größer. Vier Kolossal-Statuen aus der Zeit Ramses II. lokalisierten die Ägyptologen in den Erd- und Müllschichten. „Da wiegt ein Statuen-Arm von Sesostris I. mal eben 200 bis 300 Kilogramm“, erzählt Raue. Das Material: Rosengranit. „Wenn man so etwas bewegen will, kann man nicht mit Baggern in die Grube fahren“, erklärt Raue, denn der würde zu viel Schaden anrichten. Scharen von Facharbeitern bauen Rampen, Seilzüge werden eingesetzt.

Grabräuber sind für die Forscher kein Problem. „Alles, was einen Wert hatte und leicht abzutransportieren war, ist schon über die Jahrhunderte verschwunden“, so Raue. Heute ist der Bezirk zum Teil überbaut. Nach dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak im Februar 2011 wolle die ägyptische Regierung die Erneuerung des Viertel vorantreiben, erklärte Raue. Ein gewisser Druck für den Antikendienst, so Raue, denn der wolle natürlich zuvor so viel wie möglich von den heiligen Stätten des Alten Ägypten retten.

So kamen die Ägypter 2011 auf die Leipziger zu, um die fruchtbare Zusammenarbeit aus dem Jahr 2001 wieder aufleben zu lassen. „Das läuft sehr harmonisch, denn wir drängen uns ja nicht ’rein, sondern wurden eingeladen“, beschreibt Raue, der seit den 1990-er Jahren an dem Thema Heliopolis arbeitet.

Leipziger Studenten reisen im Herbst nach Ägypten

„Wir wollen lokale Kompetenz ausbauen“, sagt der Wissenschaftler. Im Zuge der Grabungskampagne werden außerdem fünf Trainees des ägyptischen Antikendienstes ausgebildet. Das Auswärtige Amt und die Deutsche Botschaft unterstützen das. Die archäologischen Funde sollen letztendlich konserviert und vor Ort ausgestellt werden. „Damit würde das Viertel auch für Touristen attraktiv“, so der Kustos des Ägyptischen Museums.

Leipzig profitiert ebenso von dem Joint-Venture. „Bedeutende Forschungsergebnisse können wir aus erster Hand an unsere Studenten weitergeben“, so Raue im Gespräch mit LVZ-Online. Verschiedene Institute, Stiftungen und Spender stellen finanziell sicher, so die Universität, dass der Archäologie-Krimi im Herbst eine Fortsetzung bekommt.

Mit moderner Technologie wie Messungen des Erdmagnetismus per Magnetometer gehen die Ägyptologen zu Werke. Zwei Hektar Grund sind bereits vermessen, „und da zeichnet sich in eineinhalb Metern Tiefe eine Menge Granit ab“, sagt Raue. Wenn in einigen Monaten wieder Statuen und Tempelfragmente freigelegt werden, können Studierende der Universität Leipzig dabei sein.

Die Ergebnisse der ersten Grabungskampagne in Kairo präsentiert Dietrich Raue am Donnerstag, 5. April, um 18.15 Uhr im Hörsaal 8 am Augustusplatz. Der Ägyptologe Lutz Popko spricht außerdem über die Verbindungen des Alten Ägypten zum homerischen Griechenland.

Evelyn ter Vehn

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