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Bildung Leipziger Ärzte warnen vor neuer Zivilisationskrankheit „Handy-Daumen“
Leipzig Bildung Leipziger Ärzte warnen vor neuer Zivilisationskrankheit „Handy-Daumen“
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14:08 12.07.2018
Immer am Smartphone – vor allem junge Menschen leiden häufig an der neuen Zivilisationskrankheit „Handy-Daumen“. (Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Leipziger Mediziner warnen vor einer neuen orthopädischen Zivilisationskrankheit: Der „Handy-Daumen“, auch „WhatsAppitis“ oder „WhatsApp Disease“ genannt, macht Experten immer häufiger zu schaffen. Wie die Leipziger Uniklinik mitteilte, klagen zudem immer jüngere Menschen über Schmerzen im Gelenk.

„Der typische Patient heute ist 15 bis 25 Jahre, eigentlich kerngesund und natürlich total vernetzt“, erläutert Professor Stefan Langer. Früher hätten vor allem Frauen, 65 Jahre alt und ihr Leben lang arbeitend, unter Verschleißerscheinungen inklusive Sehnenscheidenentzündung im Daumenbereich gelitten.

Patienten immer jünger

Doch vor allem jungen Menschen sind mittlerweile häufig am Mobiltelefon, surfen, chatten, tippen. „Beim einhändigen Bedienen des Smartphones wird der Daumen überbeansprucht“, erklärt Handchirurg Langer.

Dabei sei der Finger eigentlich dazu da, das Greifen zu unterstützen. Eine Dehn- oder Abspreizbewegung sei hingegen untypisch – es kommt zu Schmerzen. Verstärkt wird das Problem den Angaben zufolge durch zunehmende Größe der Handy-Displays.

Handchirurg Professor Stefan Langer (rechts) und Ergotherapeutin Norina Weisenbilder behandeln immer öfter Patienten mit einer neuen Krankheit, dem „Handy-Daumen“. Quelle: Stefan Straube/ UKL

Um dem Problem vorzubeugen, sollte das Telefon mit beiden Daumen genutzt werden, rät Ergotherapeutin Norina Weisenbilder. „Damit müssen die Daumen keine großen Entfernungen auf dem Display zurücklegen, werden also nicht überdehnt“, so Weisenbilder. Auch Techniken zum Lösen der Faszien, der Muskeln und des Bindegewebes können helfen.

Handypause statt Kortison

Eine Therapie mit Kortison – wie früher bei älteren Patienten üblich – lehnt Chirurg Langer hingegen ab. „Dem jungen Handy-User kann ich guten Gewissens kein Kortison geben: Der Patient beziehungsweise die Sehne hat noch das ganze Leben vor sich“, sagte Langer. Er rät stattdessen, das Smartphone wegzulassen. Nach einer Woche würden so die Schmerzen abklingen.

„Generell sollte die Spielerei am Handy im Rahmen bleiben“, rät auch Ergotherapeutin Weisenbilder. „An jeder Haltestelle sehe ich meine künftigen Patienten stehen – Kopf geneigt, Rundrücken und den Daumen immer in Bewegung.“ Muskuläre Probleme seien so vorprogrammiert.

Von jhz

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