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Leipziger Eltern kämpfen für Schulsozialarbeit - 20.000 Unterschriften als Ziel

Leipziger Eltern kämpfen für Schulsozialarbeit - 20.000 Unterschriften als Ziel

Leipzigs Eltern machen für mehr Schulsozialarbeit mobil. Doch wer soll sie bezahlen? Der Stadtelternrat, der eine Massenpetition initiiert hat, sagt: der Freistaat.

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So läuft Schulsozialarbeit: Susann Vahle vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) kümmert sich an der 16. Oberschule in der Konradstraße um die Nöte und Sorgen von Jugendlichen.

Quelle: André Kempner

Doch Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU) kontert: Schulsozialarbeit ist Sache der Jugendhilfe.

Herzenskreis, Gefühlsampel, Stressbälle - bei einem Markt der Möglichkeiten demonstrierten Schulsozialarbeiter am Montagabend im Neuen Rathaus, wie sie Kinder und Jugendliche am besten erreichen. "Auch Elternarbeit gehört dazu. Wir suchen Familien auf, um nach Auffälligkeiten zu fragen und unsere Hilfe anzubieten", erzählt Susann Vahle, die an der 16. Oberschule in der Konradstraße im Einsatz ist. Die Bildungsstätte ist mit vier Sozialarbeitern, bezahlt aus verschiedenen Fördertöpfen, ausgestattet. Das ist nur möglich, weil dort gerade ein Modellprojekt läuft. Das Ziel: Jeder soll die Oberschule mit einem Abschluss verlassen. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit. In Leipzig ist der Anteil der Schulabbrecher sachsenweit am höchsten. Jeder siebente Schüler verlässt derzeit die Schule ohne Abschluss.

"Schulsozialarbeit kann Fehler im Schulsystem nicht komplett heilen, sie ist aber eine wichtige Hilfe", sagt An- dreas Geisler, der Vorsitzende des Stadtelternrates. Viel zu kurz komme - trotz des Pisa-Erfolges - die Vermittlung von sozialen Kompetenzen. Die Forderung: Schulsozialarbeit gehört an jede sächsische Schule und muss vom Freistaat finanziert werden. Denn Schulsozialarbeit sei Bildung. Das sieht Sachsens Sozialministerin Clauß anders: Für sie ist die Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe - darunter die Schulsozialarbeit als präventives Leistungsangebot - grundsätzlich "eine weisungsfreie kommunale Pflichtaufgabe". Die CDU-Ministerin verweist aber auf das Engagement des Freistaates sowie Möglichkeiten, Angebote fördern zu lassen, darunter beispielsweise über die Richtlinie "Jugendpauschale" oder nach dem Konzept der "Chancengerechten Bildung". Letzteres nehme derzeit der Internationale Bund für seine Arbeit an der Nachbarschaftsschule in Anspruch. Bis zum Jahresende laufe au- ßerdem ein Förderprogramm des Europäischen Sozialfonds.

In Leipzig gibt es derzeit 51 Schulsozialarbeiter, davon 46 bei Freien Trägern, die rund ein Drittel der Bildungseinrichtungen abdecken. Hintergrund: Nachdem vom Bund geförderte Stellen ausgelaufen waren, setzt Leipzig das Programm fort. Wobei es zusätzliche Angebote an Oberschulen einrichtete (die LVZ berichtete). Der Etat 2014 beträgt 1,89 Millionen Euro.

Eltern befürchten dennoch, dass die Finanzierung auf wackligen Beinen steht, in den nächsten Jahren nicht mehr sicher ist. Deshalb haben sie eine Initiative samt Online-Petition gestartet, Schulsozialarbeit in Sachsen gesetzlich zu verankern. "Ich bin es leid, hauptsächlich für den Erhalt des Status quo zu kämpfen. Ich möchte, dass wir dieses Schulsystem in Sachsen aufbrechen", sagte Karsten Reichel, Elternratsvorsitzender in der August-Bebel-Grundschule. Nancy Kallenbach, Leiterin der Bebel-Schule, ergänzte: "Schulsozialar- beiter haben einen anderen Blick aufs Kind. Schon vor Unterrichtsbeginn ist jemand da, der die ersten Probleme am Morgen abfängt."

Die Studenten Katharina Schmelzke und Axel Stadtler von der Leipziger Universität haben die Angebote an der August-Bebel-Grundschule analysiert und bescheinigen ihnen positive Wirkungen bei der Konfliktprävention und der Selbstwahrnehmung der Kinder. Mobbing sei offenbar noch kein Problem an dieser Schule. Sie empfehlen aber eine Langzeitstudie.

Stadtelternratschef Geisler, der übrigens als SPD-Kandidat in den Landtag will, möchte nun für die Online-Petition werben. "20 000 Unterschriften sind unser Ziel."

@www.schule-braucht-sozialarbeit.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.04.2014

Orbeck, Mathias

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