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Bildung Leipziger Firma beflügelt Weltumrunder
Leipzig Bildung Leipziger Firma beflügelt Weltumrunder
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Firmenchef Siegfried Lanitz demonstriert, wie die Folie auf einen Flügel gebügelt und so straff wird. Quelle: André Kempner
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"Wir sind im internen Newsverteiler bei diesem spannenden Projekt", erzählt der Chef der seit 1993 in Leipzig-Leutzsch ansässigen Lanitz-Prena Folien Factory GmbH. Dass per E-Mail regelmäßig exklusive Informationen eingehen, hat seinen guten Grund: Die Hülle der Maschine, deren Flügel-Oberseiten mit Photovoltaik-Modulen bestückt sind, stammt von dem Unternehmen mit seinen 36 Mitarbeitern. "Bisher gibt es mit unseren Produkten bei der anspruchsvollen und abenteuerlichen Mission keinerlei Probleme", so der 59-Jährige.

Oratex UL 600 und Oralight heißen die Hightech-Materialien, mit denen die Leipziger dem viermotorigen Flieger seine Haut und damit auch seinen teils silberfarbenen Glanz gegeben haben. Mit Oratex-Gewebe sind die Flügel-Unterseiten, der Rumpf und das Leitwerk versehen. Oralight-Folie ummantelt das Cockpit, in dem bei der jüngsten Etappe von Japan nach Hawaii Pilot André Borschberg nonstop fünf Tage und Nächte verbrachte. Er wechselt sich mit Bertrand Piccard ab, der als nächstes die US-Westküste ansteuern soll. Persönlich kennt Lanitz die beiden nicht, "aber wir haben Leute aus ihrem Team darin geschult, wie sie die von uns gelieferten Bespannstoffe am Flugzeug anbringen".

In der Luft hat der Geschäftsführer die SI 2 schon live gesehen, bei Erprobungen auf dem Flugplatz in Dubendorf bei Zürich. "Das war beeindruckend", meint Lanitz, der selbst einen Pilotenschein hat. Beim Herstellen der Folien seien alle technischen Möglichkeiten ausgereizt worden. Nur 100 Gramm wiegt ein Quadratmeter Oratex. In 1,8 Quadratmetern werden 16 Kilometer Polyesterfaden verarbeitet. Kontakte in die Schweiz hat Lanitz schon seit 15 Jahren. Damals war seine Factory mit an Bord, als dort das innovative Leichtflugzeug namens Archaeopteryx auch dank Oratex flügge wurde.

2006 begann die Zusammenarbeit mit der Solar-Impulse-Mannschaft, zwei Jahre später hob die SI 1 ab und dann folgte der Auftrag für die SI 2. "Das Material, das jetzt auf globaler Rundreise ist, hat 2012 unseren Betrieb verlassen." Lanitz drückt die Daumen, dass die SI 2 als Luftfahrzeug mit Null Emissionen ihr noch fernes Ziel in Abu Dhabi erreicht, wo sie am 9. März 2015 gestartet war. "Wenn sie dort wieder landet, stoßen wir hier im Betrieb auf den Erfolg an."

Grund zum Feiern hatten er und die Belegschaft in diesem Jahr schon: In der Kategorie Innovation bekam die Firma den Award des Fliegermagazins für ihre Oratex-Erzeugnisse, die laufend perfektioniert werden und international gefragt sind. Sowohl für Modellflugzeuge als auch für große Maschinen mit einem Abfluggewicht von bis zu sechs Tonnen. "Wir haben weitere Verbesserungen in der Pipeline", kündigt Lanitz an und unternimmt noch einen Ausflug in die Unternehmensgeschichte, die bis 1975 zurückreicht. Mit der Herstellung und dem Vertrieb von Flugzeug-Modellbaukästen fing in Berlin alles an.

Ab 1984 wurden dann in Oranienburg Bespannfolien unter der Markenbezeichung Oracover gefertigt und 1993 die Produktion im Leipziger Prena-Werk angefahren. Drei Jahre später fusionierten Lanitz-Modellbau Berlin und die Prena-Werk-GmbH. Seitdem trägt die international führende Folienschmiede für die Luftfahrt auch ihren heutigen Namen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.07.2015

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