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Bildung Leipziger Forscher: Auch bei Schimpansen basieren Freundschaften auf Vertrauen
Leipzig Bildung Leipziger Forscher: Auch bei Schimpansen basieren Freundschaften auf Vertrauen
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18:51 14.01.2016
In Freundschaft verbundenes Schimpansen-Duo. Quelle: Esther Herrmann
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LEIPZIG

Auf Vertrauen basierende Freundschaften sind offenbar kein Alleinstellungsmerkmal des Menschen – auch Schimpansen sind zu solchem Verhalten fähig. Das geht aus einer Studie von Wissenschaftlern des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie (Eva) hervor, über die sie in der aktuellen Ausgabe des renommierten Journals Current Biology berichten. Für ihre Untersuchungen hatten Jan Engelmann und Esther Herrmann von der Eva-Abteilung Vergleichende und Entwicklungspsychologie fünf Wochen lang in Kenia 15 der Menschenaffen eingehend beobachtet und getestet.

Bekannt war bisher, dass Schimpansen als genetisch nächste Verwandte des Menschen durchaus innige Beziehungen mit bestimmten Artgenossen pflegen. So putzen Tiere, die sich sympathisch sind, gegenseitig das Fell und speisen gemeinsam. Doch die Leipziger Experten wollten nun die Frage klären, ob dem mehr zugrunde liegt als nur Zuneigung. Nach eingehender Sondierung ordneten die Fachleute jedem der Schimpansen zunächst einen besten Freund und einen Nicht-Freund zu und unterzogen sie dann einem Vertrauensspiel – einer adaptierten Variante des „Human Trust Game“.

Die Menschenaffen hatten dabei die Wahl zwischen zwei Seilen. Beim „Kein Vertrauen“-Seil erhielt der am Seil ziehende Schimpanse sofort Zugriff auf ein nicht sonderlich beliebtes Nahrungsmittel. Zog er stattdessen am „Vertrauen“-Seil, erhielt sein Gegenüber ein besonders attraktives Futterstück und die Möglichkeit, dem ziehenden Schimpansen etwas Leckeres zurückzuschicken. Es gab also ein Win-win-Potenzial, jedoch nur, wenn der erste Schimpanse ausreichend darauf vertraute, dass sein Gegenüber etwas retour senden würde.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Schimpansen Freunden sehr viel häufiger Vertrauen schenkten als nicht befreundeten Tieren. Dies deute darauf hin, dass die menschliche Freundschaft nicht so einzigartig sei wie bisher angenommen, erklärte Engelmann. „Sie ist keine Anomalie im Tierreich.“ Künftig wollen die Fachleute unter anderem erkunden, ob sich die Freundschaftsdienste der Schimpansen auch in Hilfsbereitschaft bei kritischen Situation manifestieren. Fest stehe jedenfalls, „dass Merkmale, die wir menschlichen Freundschaften heute zuschreiben, eine lange evolutionäre Geschichte haben“, meinte Engelmann. „Sie lassen sich auf die Bindungen anderer Primaten übertragen.“

Von Mario Beck

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