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Bildung Leipziger Forscher: Orang-Utans mit Backenwülsten beim Sex begehrt
Leipzig Bildung Leipziger Forscher: Orang-Utans mit Backenwülsten beim Sex begehrt
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00:32 06.09.2015
Niederrangiges Orang-Utan-Männchen und ein mit dicken Backenwülsten ausgestatteter dominanter Mann dieser Menschenaffen-Art. Quelle: Bpk Bain
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Kusasi war der King und rückte in den Mittelpunkt einer Langzeitstudie zur Fortpflanzung von Orang-Utans in freier Wildbahn, die von einem Forscherteam unter der Ägide von Graham Banes und Linda Vigilant vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Eva) durchgezogen wurde. Jetzt haben sie in einem Fachjournal die Ergebnisse publiziert und schildern den betriebenen Aufwand.

 Ort des wissenschaftlichen Tatendrangs war rund acht Jahre lang das Camp Leakey im Tanjung-Puting-Nationalpark in Indonesien, wo ein Orang- Utan namens Kusasi als der König des Dschungels galt. Sein Markenzeichen: ausgesprochen dicke Backenwülste. Die Fachleute trieb die Frage um, ob diese für dominante Männer dieser Menschenaffen-Art typische Gesichtspartie Einfluss auf das Paarungsverhalten und die Zeugung von Nachwuchs hat. Sie gehört ebenso zu den äußerlichen Statussymbolen der Gruppenanführer wie ihre imposante Größe und der ausgeprägte Kehlsack, mit dem sie ein langes und resonantes Brüllen hervorbringen. Nachrangige Männchen prägen keine Backenwülste aus. Um herauszubekommen, in welchem Maße diese beim Liebesleben von Bedeutung sind, folgte Banes den im Nationalpark heimischen Orang-Utans über lange Zeit gewissermaßen auf Schritt und Tritt. Dabei wurden in dem 50 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet Kotproben der Menschenaffen gesammelt und daraus das jeweilige Erbgut bestimmt.

 Es ließ sich insgesamt 39 Tieren zuordnen, darunter zwölf Männchen. Wer von ihnen Nachwuchs zeugte, offenbarte sich bei anschließenden Vaterschaftstests. Wie Vigilant erklärte, hatte Kusasi im Vergleich mit den Männchen ohne Backenwülste in einem Zeitraum von über zehn Jahren das Gros der Sprösslinge gezeugt. Zehn der Orang-Utans, die in seiner Herrschaftszeit zur Welt kamen, waren seine Söhne oder Töchter. Nur vier stammten von untergeordneten Männchen ab. Und diese kamen auch nur erfolgreich zum Zuge, als Kusasi einerseits noch nicht ganz so fest als Dominator im Sattel saß und sich andererseits seine Ära dem Ende zuneigte. In beiden Fällen habe es "Instabilitäten in der Rangordnung" gegeben, so die Forscher, weil die Hierarchie unklar war.

 Angesichts der Resultate der Studie vermuten die Eva-Wissenschaftler, dass die Backenwülste sexuell besonders anziehend auf Orang-Utan-Weibchen wirken könnten. Ihre Ausprägung sei eine bewährte evolutionäre Strategie. Allerdings wird auch diskutiert, ob die Backenwülste zum Schutz des Gesichtes bei Kämpfen, als Projektionshilfe für die langanhaltenden Rufe der Tiere oder einfach nur als optisches Signal für Dominanz dienen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2015
Mario Beck

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