Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bildung Leipziger Forscher: Schimpansen schleudern Steine gezielt gegen Bäume
Leipzig Bildung Leipziger Forscher: Schimpansen schleudern Steine gezielt gegen Bäume
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 03.03.2016
Videobeweis: Ein Schimpanse setzt in Westafrika zum Steinwurf an. Quelle: MPI-Evam Panaf/Chimbo Foundation
Anzeige
Leipzig

Forscher des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie (Eva) sind auf ein bisher unbekanntes Verhalten von Schimpansen in freier Wildbahn gestoßen. In Westafrika beobachteten sie die genetisch nächsten Verwandten des Menschen dabei, wie diese Steine sammelten und dann gezielt an Bäume schleuderten.

Zunächst war es nur ein Verdacht, dass die Menschenaffen für die im Busch gefundenen Steinberge verantwortlich waren. Um hinter das Rätsel zu kommen, installierten die Fachleute an mehreren Standorten Kamerafallen. Sie lösen beispielsweise per Bewegungsmelder aus und nehmen dann das Geschehen auf. An vier Stellen lieferten die Geräte Video-Volltreffer: Einzelne Schimpansen seien dabei gefilmt worden, wie sie die Steine aufhoben, sie gegen Bäume wuchteten und dabei laute Rufe ausstießen, berichtete Ammie Kalan von der Eva-Department für Primatologie. Warum die Tiere dieses Verhalten an den Tag legen, ist für die Fachleute noch ein Rätsel, zumal die Schimpansen offenbar nur in Westafrika derart mit Steinen hantieren, andernorts aber nicht. Eva-Abteilungsleiter Professor Christophe Boesch geht davon aus, dass es nichts mit der Nahrungssuche zu tun hat, also beispielsweise durch die Baumtreffer Früchte heruntergeholt werden sollen.

Hintergrund: Schimpansen sind beim Beschaffen von Futter sehr erfinderisch und Nutzen dafür Werkzeuge. Beispielsweise angeln sie mit Stöcken nach Termiten und Ameisen oder beschaffen sich damit Honig aus Bienenstöcken. Ebenso setzen sie Knüppel und Steine ein, um Nüsse zu knacken. Und beim Imponiergehabe greifen männliche Artgenossen auf Steine sowie Zweige zurück. Doch das Wurfphänomen tritt nicht nur bei ausgewachsenen Männchen auf – die Aufnahmen belegen, dass auch Weibchen und Jungtiere als Steinewerfer agieren und dabei Bäume anvisieren. Möglicherweise würde ein Ritus mit kulturellen Elementen dahinter stecken, vermutet Boesch.

Seit rund fünf Jahren treiben die Eva-Primatologen zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern das Pan-Afrika-Programm (Panaf) voran, bei dem auf dem gesamten Kontinent unter anderem Daten zum Verhalten der Schimpansen, der Bestandsentwicklung und zur Ressourcenverfügbarkeit nach einer standardisierten Methodik gesammelt werden. Unter www.chimpandsee.org sind bereits eine Vielzahl von Videos eingestellt, zu denen auch sogenannte Bürgerwissenschaftler ihre Kommentare abgeben und so die Forschung voranbringen können.

Einer der Protagonisten von Panaf ist Hjalmar Kühl, der am Eva und gleichzeitig als Juniorprofessor am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung wirkt, das in Leipzig seinen Sitz hat. Mit Blick auf die Steinewerfer hält er es für möglich, dass es sich um eine Abwandlung einer von allen Schimpansen-Populationen bekannten Kommunikationsform handelt, bei der die erwachsenen männlichen Tiere mit den Gliedmaßen gegen Baumwurzeln trommeln.

Von Mario Beck

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ende Februar läuft die fünfjährige Amtsperiode von Leipzigs Uni-Rektorin Beate Schücking (60) aus. Bis auf Weiteres wird sie aber an der Spitze der Alma mater bleiben, weil die Wahl für den Spitzenposten scheiterte. Die nächsten Monate sieht die Professorin jedoch nicht als Interimsphase an, wie sie im LVZ-Interview erklärt.

27.02.2016

Hochschulbildung ist Männersache. Dieser Satz galt auch in Leipzig über Jahrhunderte. Mittlerweile ist die Mehrheit der Studierenden an der hiesigen Alma mater weiblich. Wie sich die Bedingungen für Frauen verändert haben, zeigt Anfang März eine Ausstellung im Neuen Rathaus.

02.03.2016

Rund 800.000 Terrarien stehen Schätzungen zufolge in deutschen Haushalten. Die Dunkelziffer dürfte erheblich größer sein. Mit der Exopet-Studie wollen Forscher der Uni Leipzig der Privat-Haltung exotischer Tiere wie Geckos, Schlangen aber auch Wellensittichen auf die Spur gehen.

Anzeige