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Bildung Leipziger Forscher finden in Israel Hinweise auf lebensgroße Statue
Leipzig Bildung Leipziger Forscher finden in Israel Hinweise auf lebensgroße Statue
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16:44 25.10.2017
Die Augen aus Bronze deuten auf den künftigen Fund einer menschengroßen Statue hin – eine Sensation.   Quelle: Angelika Berlejung/Uni Leipzig
Aschdod/Leipzig

 Leipziger Forscher haben gemeinsam mit Kollegen aus Tel Aviv einen bisher einmaligen Fund gemacht: Bei Ausgrabungen in Israel fanden die Wissenschaftler klare Hinweise auf eine menschengroße Statue. Genauer gruben sie bronzene Augenumrisse und Augäpfel aus Muscheln aus. Die Leipziger Theologin Angelika Berlejung vermutet, dass diese zu einer Gottes- oder Königsfigur aus Holz oder Stein gehören. Noch nie zuvor haben Archäologen in dieser Region Überreste menschengroßer Statuen ausgegraben.

Die Forscher fanden die Kostbarkeiten gemeinsam mit Luxusgütern wie Goldfragmenten und hochwertiger Keramik in der Region um die einstige Hafenstadt Tel Aschdod-yam im heutigen Israel, 45 Autominuten von Jerusalem entfernt. Sie datieren die Funde auf das 8. bis 7. Jahrhundert vor Christus. An den Ausgrabungen arbeiteten neben Berlejung auch Alexander Fantalkin von der Universität in Tel Aviv sowie Studenten beider Hochschulen mit.

Das deutsch-israelische Team bei den Ausgrabungen. Quelle: Angelika Berlejung/Universität Leipzig

Die Leipzigerin Berlejung erinnert sich noch ganz genau an den Tag im Juli: „Das war wirklich toll. Erst haben wir das rechte Auge gefunden, dann das linke. Dann habe ich mich mit dem Sieb hingesetzt und auch noch die Augäpfel aus Muscheln freigelegt. Das war fantastisch, und das alles an einem Tag“, sagt die Theologin. Jetzt hofft sie, im Zuge weiterer Ausgrabungen auf mehr Teile der Figur zu stoßen. „Ich würde natürlich gerne die Statue finden. Wenn möglich die ganze, aber zumindest den Kopf.“

Auch byzantinische Kirche ausgegraben

Bei einer Pilotausgrabung in Zusammenarbeit mit der israelischen Antikenbehörde haben die Leipziger und Tel Aviver Forscher im Sommer zwischen modernen Villen in Aschdod außerdem Überreste einer byzantinischen Kirche oder eines Klosters freigelegt. Die Funde könnten aus dem Jahr 539 nach Christus stammen.

Die in der vorchristlichen Zeit zerstörte antike Hafenstadt Tel Aschdod-yam hatte für Jerusalem und Südpalästina möglicherweise eine wichtige Bedeutung für die Handelsbeziehungen zum Mittelmeer. Daher könnte es einen Zusammenhang zwischen den ausgegrabenen Bronzeaugen und den Teilen einer kolossalen Statue des Pharaos Psammetich I. geben, die der Leipziger Forscher Dietrich Raue im Frühjahr in Ägypten fand. Beide Ausgrabungen lassen sich auf die gleiche Zeit datieren. Berlejung vermutet, dass der Pharao die Hafenstadt zerstört hat.

Die Ausgrabungen sind Teil des Lehrangebots an der Uni Leipzig. Bereits in den Jahren 2013 und 2015 führten Berlejung und Fantalkin Lehrausgrabungen durch. Studenten verschiedenster Fachrichtungen haben so die Möglichkeit, unter realen Bedingungen die Arbeit von Archäologen kennenzulernen. In den kommenden sechs Jahren sind drei weitere Ausgrabungen geplant.

Von soa

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