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Leipziger Medizin-Dekan prophezeit "Wechselstimmung an der Fakultät"

Leipziger Medizin-Dekan prophezeit "Wechselstimmung an der Fakultät"

Leipzig. Er ist Sprecher des Adipositas-Forschungs- und Behandlungszentrums, Direktor der Klinik für Endokrinologie und Nephrologie - und jetzt auch Dekan der Medizin-Fakultät der Leipziger Universität: Professor Michael Stumvoll.

Nach dem Posten habe er sich nicht gedrängt, es habe sich eine Dynamik hin zur Kandidatur entwickelt, so der 49-Jährige. Bei den finanziellen Zuwendungen pro Studienplatz sei die Fakultät im Bundesvergleich weit unter dem Durchschnitt, kritisiert Stumvoll.

Frage: Bei der Dekan-Wahl haben Sie sich gegenüber Amtsinhaber Professor Joachim Thiery durchgesetzt. Was hat sie bewogen, für den Posten zu kandidieren?

Michael Stumvoll: Es gehört zum akademischen Geschäft, auch in dieser Hinsicht Verantwortung zu übernehmen. Ich bin jetzt rund zehn Jahre an der Universität in Leipzig, habe viel Gutes von der Fakultät erfahren. Da besteht für mich auch eine Art Dienstpflicht, für so ein Ehrenamt zu kandidieren, zumal mich viele Kollegen darum gebeten und bestärkt haben. Da ergibt sich eine Dynamik - und man wird am Ende eben gewählt oder nicht. Es liegt nicht in meiner Art, mich nach solchen Posten zu drängen, aber es gab eine Wechselstimmung.

Die Fakultätsleitung ist Teamarbeit, stimmt die Chemie in der Mannschaft?

Ja, sonst hätte ich das auch nicht gemacht. Mit Professor Ingo Bechmann als Prodekan habe ich die Verlässlichkeit in Person an der Seite wie man ihn sich nicht verlässlicher wünschen kann. Ich bin auch froh und dankbar dafür, dass Professor Jürgen Meixensberger als Studiendekan der Humanmedizin agiert, der ja Erfahrungen als ehemaliger Medizindekan mitbringt. Und Professor Holger Jakstat als Studiendekan für Zahnmedizin hat schon in den letzten Jahren diese Funktion sehr gut ausgefüllt. Insgesamt empfinde ich die Konstellation als sehr gelungene Mischung. Ein Glücksfall.

Welche Aufgaben gilt es zeitnah abzuarbeiten?

Die Universität befindet sich in einem Justierungsprozess hinsichtlich ihrer Forschungsprofilierung, in den wir eingebettet sind und der extern begleitet wird. Im Vergleich zu anderen medizinischen Fakultäten in Deutschland sind wir finanziell nicht allzu gut ausgestattet. Darüber kann man sich beklagen oder aber die vorhandenen Ressourcen so einsetzen, dass wissenschaftliche Bereiche gestärkt werden, die nationale und internationale Sichtbarkeit versprechen. Andererseits sinkt dann natürlich die Förderung, vor allem die externe, von Forschungsfeldern, die nicht in den Profillinien verankert sind. Dafür muss ein Bewusstsein geschaffen werden.

Der jährliche Landeszuschuss für die Fakultät liegt derzeit bei rund 55 Millionen Euro, erwartet war deutlich mehr. Wie groß ist die Not?

Vor allem die Mittel für Investitionen bei Großgeräten werden knapp, und wir wollen ja möglichst nicht Personal kürzen. Es fehlt in Größenordnungen Geld für Ersatzbeschaffungen und Innovation. Wir suchen einen vernünftigen Dialog mit dem Land, um zumindest punktuell auf diesem Gebiet, aber auch im baulichen Bereich zusätzliche Finanzspritzen zu bekommen. Natürlich ist uns bewusst, dass das Land strikt haushalten muss, aber wir werden in bestimmten Fällen mit guten Argumenten für Verstärkungsmittel werben.

Hat die Fakultät in letzter Zeit wegen Finanzierungsproblemen personell Federn lassen müssen?

Es gab den einen oder anderen Fall, wo befristete Verträge in einer Einrichtung nicht verlängert werden konnten. Das ist immer schmerzhaft, aber es ist bisher nicht so, dass wir uns insgesamt in einer Abwärtsspirale befinden.

In der Vergangenheit gab es immer wieder die Kritik, dass der Landeszuschuss pro Medizin-Studienplatz in Leipzig geringer ist als bei der Schwesterfakultät in Dresden. Werden Sie das weiter thematisieren?

Warum sollte man diesen Fakt ausblenden? Wir sind, was die Zuwendungen pro Medizin-Studienplatz betrifft, nicht nur etwas schlechter gestellt als Dresden, sondern im Bundesvergleich weit unter dem Durchschnitt.

Gibt es beim Verhältnis zum Universitätsklinikum Verbesserungsbedarf?

Dass es manchmal Differenzen zwischen den Fakultätsbelangen und den Wünschen des Universitätsklinikums gibt, ist ganz normal. Beide sind aber aufeinander angewiesen, schließlich gibt es die Dreieinigkeit von Krankenversorgung, Forschung und Lehre. An diese Gesamtmission muss immer wieder erinnert werden. Wir werden uns sicher reiben, aber ich gehe davon aus, dass das in sportlicher Manier geschieht. Bei der Lehre muss ebenfalls Exzellenz angestrebt werden. Den Studenten eine bestmögliche Ausbildung anzubieten, ist von zentraler Bedeutung. Vielleicht könnte da in puncto Medizin-Didaktik langfristig etwas angeschoben werden.

Stichwort "LIFE": Wie geht es mit diesem Großprojekt zur Erforschung von Zivilisationserkrankungen weiter, wenn die Landesförderung ausläuft?

Die Öffentlichkeit verbindet mit LIFE vor allem unser großes Studienzentrum. Dort ist ein Datenschatz und ein Probenfundus angelegt worden, der nun wissenschaftlich ausgewertet wird. Ich gehe davon aus, dass das Ende des Jahres richtig losgeht. Und bei dem auf Kinder ausgerichteten LIFE-CHILD-Projekt hoffe ich stark auf eine Fortsetzung, da das Potenzial, es in eine sehr wertvolle Langzeitstudie zu verwandeln, durchaus vorhanden ist. Sie wäre in Deutschland einzigartig. Nach jetzigem Planungsstand wird ins Studienzentrum im Roten Haus die sogenannte nationale Kohorte einziehen. Das ist im Zusammenhang mit der Erforschung von Volkskrankheiten ein großes bundesweites Verbundvorhaben, bei dem wir einer der 21 Standorte sind - mit einer ordentlichen Förderung, die sich um die 4,5 Millionen Euro über fünf Jahre bewegt. Einbezogen werden Menschen im Alter zwischen 20 und 69 Jahren.

Gibt es hinsichtlich eines neuen Sonderforschungsbereiches Ambitionen?

Zwei Sonderforschungsbereiche haben wir ja schon, der eine ist 2013 um weitere vier Jahre verlängert worden, der andere ist gerade ein Jahr alt. Ein Dritter, der bei unseren Neurowissenschaften angesiedelt sein könnte, ist ein langgehegter Traum. Da braucht man einen langen Atem. Auf der Agenda steht das auf alle Fälle ganz weit oben.

Im nächsten Jahr steht der 600. Geburtstag der Medizinischen Fakultät an. Wenn Sie sich als Dekan dafür etwas wünschen könnten, was wäre das?

Wenn uns die Landesregierung ein Geburtstagsgeschenk machen wollte, dann wäre es vielleicht der Start für die Runderneuerung des zentralen Ausbildungsgebäudes in der Liebigstraße 27, wo unter anderem Hörsäle, die Lernklinik und das Carl-Ludwig-Institut für Physiologie beheimatet sind. Auch die Mensa und die Bibliothek warten schon lange auf eine Generalsanierung. Alles andere, die Festreden, Plaketten oder Publikationen, verleihen dem Jubiläum zwar einen feierlichen Rahmen, geraten aber schnell in Vergessenheit. Wenn etwas Bleibendes aus diesem Geburtstag hervorgehen würde, wäre ich froh.

Interview: Mario Beck

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.01.2014

Beck, Mario

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