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Bildung Leipziger Student will allein mit Hundeschlitten durch Nordskandinavien reisen
Leipzig Bildung Leipziger Student will allein mit Hundeschlitten durch Nordskandinavien reisen
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01:00 17.12.2014
Eric Weiß ist heiß auf Schlittenhunderennen. Quelle: Konstantin Schönfelder
Leipzig

Torneträsk ist ein 70 Kilometer langer See, der bei Temperaturen weit unter Null zum Landweg wird - zur letzten Etappe der fünftägigen Tour. In seinem Traum ist er nicht allein. Sechs Hunde ziehen seinen Körper auf einem Schlitten durch die Schneewüste. Eric Weiß hat eine originelle Vorstellung von Glück.

Eric kommt aus Thüringen, ist 20 Jahre alt und studiert zur Zeit in Leipzig Lehramt auf Sport und Geschichte. Doch den Hörsaal würde er für eine Woche gerne mit einer Reise durch Skandinavien tauschen. Sie heißt Fjällräven Polar. Fjällräven, zu deutsch Polarfuchs, ist eine schwedische Outdoor-Firma. Jedes Jahr lässt sie tausende Menschen um knapp zwei Dutzend Plätze bewerben. Es geht um eine Reise, bei denen Huskys die Teilnehmer auf Schlitten durch Norwegen und Schweden ziehen. Nach Angaben des Organisators besteht das Anliegen darin, eigene Produkte zu testen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Auf der Internetseite heißt es zur Erderwärmung: "Indem wir mehr Menschen ermöglichen, diese Veränderungen mit eigenen Augen zu sehen, hoffen wir, Umwelt- und nicht zuletzt Klimafragen weiter in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken."

Scherzhaft lässt Eric seine Faszination für den Norden in seiner Erscheinung wurzeln. 1,92 Meter, blond, blauäugig. Schon der Name hat einen nordischen Ursprung und heißt soviel wie mächtig und groß. Aber es ist natürlich mehr, was ihn an dieser Reise reizt. "Die naturbelassenen Wälder, der Einklang und die Verbundenheit mit der Natur - all das, was uns im Alltag schnell verloren geht", sagt Eric mit seinen weit geöffneten, wachen blauen Augen.

"Wer schwitzt, stirbt", heißt eine grönländische Redewendung. Es bildet ganz gut die Gefahren ab, die mit dieser Unternehmung einhergehen. Schwitzen verringert die Körpertemperatur, was bei minus 20 Grad Celsius nicht ungefährlich ist. Deshalb wird schon im Vorhinein detailliert erklärt, worauf die Teilnehmer achten müssen. So wird vor dem Windchill-Effekt gewarnt, durch den eine Temperatur von minus 15 Grad Celsius bei stärkerem Wind schnell wie 34 Grad Celsius wirkt. Die explizite Empfehlung vom Veranstalter: Keine Körperstelle außerhalb des Gesichtes unbedeckt lassen; vier Liter am Tag trinken, möglichst warm und leicht gesüßt; Erdnussbutter und Nutella essen - beides sind ausgezeichnete Energiequellen.

Das Unternehmen wählt aus zehn Ländern jeweils zwei Personen aus. Den ersten nach eigenen Kriterien, einen zweiten mit der höchsten Stimmenzahl. Eine Stimme kann jeder mit einem Facebookaccount abgeben. Eric bewirbt sich nicht zum ersten Mal. Letztes Jahr hat er es bereits versucht, ist aber gescheitert. Dieses Mal ist er professioneller geworden, hat ein eigenes Video gedreht, in dem man ihn bei seiner fiktiven Vorbereitung für die Reise sieht. Er wirbt für seinen Traum, schreibt mit Freunden, Bekannten und Bekannten der Bekannten SMS und E-Mails, verteilt Flyer in der Stadt und der Universität. Erics Bewerbung ist auch ein Beispiel dafür, wie man soziale Netzwerke nutzen kann und Aufmerksamkeit im Internet erzeugt.

Diese Stimmenwerbung widerspricht eigentlich Erics Wesen. Er bemüht sich zwar um Aufmerksamkeit, weil er sie für die Zusage für sein Abenteuer braucht - zieht eigentlich aber die Ruhe vor: "Die Einsamkeit lockt mich: dann bin ich offener für neue Menschen und neue Ideen", sagt er. Sein Blick ist dabei zum Boden gesenkt, seine Stimme fast ein Flüstern geworden. Er muss erst mal laut sein, um die Ruhe zu genießen.

Eric reizt an der Reise also die Stille. Aber auch das Fremde: "Mit unbekannten Menschen aus verschiedenen Ländern, jeder mit einer eigenen Geschichte, einer anderen Sprache - aber alle vereint durch die gleiche Aufgabe." Zumindest für eine knappe Woche. Am letzten Tag erwarten die Teilnehmer Sauna, Betten und eine warme Mahlzeit. Diesen Moment will Eric herbeisehnen können.

Dieses Jahr hat es für Erik zwar nicht gereicht. Gewonnen hat am Freitag ein 19-Jähriger aus Bayern. Aber Eric will nicht aufgeben. Nächstes Jahr bewirbt er sich wieder. Und darauf wieder. Und wieder. Einen echten Traum begräbt man nicht so schnell.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.12.2014

Konstantin Schönfelder

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