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Bildung Leipziger Studie zum Wahlverhalten – Anhänger der Piratenpartei häufig in „prekärer Situation“
Leipzig Bildung Leipziger Studie zum Wahlverhalten – Anhänger der Piratenpartei häufig in „prekärer Situation“
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18:51 10.09.2012
Quelle: dpa
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Leipzig

„Die Piratenpartei hat vornehmlich junge Anhänger, die in prekären Situationen leben“, fassten die Leiter der Untersuchung, Elmar Brähler und Oliver Decker, ihre Erkenntnisse am Montag in einer Mitteilung zusammen. „Außerdem zählen überraschend viele Frauen zu ihnen.“ Die Anzahl der Wähler rechtsextremer Parteien ist den Angaben zufolge zurückgegangen: „Menschen mit Sorge um ihren Arbeitsplatz scheinen sich umorientiert zu haben“, stellen die Wissenschaftler fest.

Die FDP kann davon nicht profitieren. Vielmehr hätten die Liberalen wieder ein klares Wählerprofil als Klientelpartei für die Reichen erlangt, erklärten Brähler und Decker. „Die Arbeitsplatzbesorgten wählen sie nicht.“ Weniger Betuchte wenden sich vor allem der SPD und der Linkspartei zu.

Für die repräsentative Studie wurden im Juni und Juli dieses Jahres bundesweit rund 2400 Wahlberechtigte im Alter von 18 bis 91 Jahren zu sozial- und medizinpsychologischen Themen befragt. Erstmals wurden dabei potenzielle Wähler der Piratenpartei sowie Unentschlossene, Nichtwähler und wahlberechtigte Migranten erfasst. Die Untersuchung soll am Donnerstag um 18 Uhr auf der Veranstaltungsetage der Friedrich-Ebert-Stiftung in Leipzig (Burgstraße 25) offiziell vorgestellt werden. Einige der Ergebnisse vorab im Überblick:

Bildung:

Wähler mit einem formal hohen Bildungsabschluss trifft man nach wie vor besonders unter den Wählern der FDP und der Grünen an, neuerdings auch unter den Piraten-Wählern. Aber auch in der Gruppe der Unentschlossenen treten sie deutlich hervor.

Arbeitslosigkeit:

Kein einziger Arbeitsloser in der aktuellen Studie will FDP wählen. Ein Drittel der Arbeitslosen geht überhaupt nicht zur Wahl, 20 Prozent wählen SPD, 6 Prozent die Grünen, nur 3,5 Prozent Rechts.

Durchschnittsalter:

Wähler der Piratenpartei haben mit durchschnittlich 34 Jahren die Grünen an der Spitze der jüngsten Wähler abgelöst. CDU-Wähler sind mit 58 Jahren weiterhin die Ältesten.

Geschlechter:

Wie die Wissenschaftler mitteilten, täusche der Eindruck, dass Piratenanhänger meistens Männer sind. Unter den Wählern halten sich die Geschlechter annähernd die Waage, ebenso bei CDU und SPD. Männer sind deutlich stärker bei den Rechten, FDP und Linken vertreten, wohingegen Frauen eher für die Grünen stimmen. Auch bei den Unentschlossenen und Nichtwählern sind sie überproportional vertreten.

Regionen:

Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass die SPD im Gegensatz zu vorhergehenden Jahren im Osten 10 Prozent weniger Anhänger hat als im Westen. Die Linken und die Gruppe der Nichtwähler sind im Osten stärker, im Westen finden Grüne und Piraten größere Zustimmung. Die SPD wird wieder mehr in städtischen Regionen gewählt, die Unentschlossenen wohnen eher im ländlichen Raum.

Wahlberechtigte Migranten:

Zu ihnen zählen laut der Leipziger Studie sehr viele Russlanddeutsche und Migranten in der zweiten Generation. Unter ihnen sind auffallend viele Nichtwähler, aber auch etwas mehr Wähler der Piraten. Die Präferenz für SPD und Grüne ist zurückgegangen.

Konfessionen:

Über 60 Prozent der Linken-Wähler sind konfessionslos. Dies deckt sich mit der regionalen Verteilung im Osten, wo nach wie vor die meisten Konfessionslosen wohnen. Auch bei den Rechten dominiert die Bevölkerungsgruppe. Katholiken bevorzugen die CDU/CSU und meiden rechtsextreme Parteien, FDP und die Linken. Protestanten präferieren eher die SPD und meiden ebenfalls rechtsextreme Parteien, die Linken und die FDP.

Ängstlichkeit und Depressivität:

Nichtwähler beschreiben sich auffallend ängstlich, gleich gefolgt von den Wählern rechtsextremer Parteien. Am wenigsten ängstlich geben sich Wähler der FDP und solche, die noch nicht wissen, wen sie wählen sollen und länger abwägen. Nicht- und Rechten-Wähler zeigen eine ausgeprägt depressive Grundstimmung, bei Piraten-Anhängern ist sie am wenigsten zu finden.

maf

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