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Bildung Leipziger Tanzprojekt für mehr Inklusion
Leipzig Bildung Leipziger Tanzprojekt für mehr Inklusion
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20:21 10.07.2013
Tanzprojekt in der Stöckelstraße. Quelle: André Kempner

8.30 Uhr in der 21. Grundschule in Schönefeld. Die Stunde beginnt mit "Sitzboogie". Elf Kinder, darunter sechs mit geistiger Behinderung, sitzen auf dem Boden des Schulzimmers und schwingen die Arme wie beim Ententanz. Michael Milde von der Tanzschule Jörgens hockt mit im Kreis. Seit Beginn des Schuljahres gibt der Tanzlehrer donnerstags Unterricht für die Kinder der 21. Grundschule und der Förderschule Schloss Schönefeld. Das Projekt ist Teil der Initiative "Over the bridge" des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes. Durch Tanzen soll eine Brücke zwischen nichtbehinderten und behinderten Menschen geschlagen werden.

Im Klassenzimmer heißt es nun: Damenwahl! Den Jungen der Förderschule stehen die Mädchen der Grundschule gegenüber. Drei Mädchen stürzen auf Toni zu. "Er kann eben gut tanzen", erklärt Angelique, ebenfalls neun Jahre alt. Die Drehung beim Rock'n'Roll klappt bei den meisten Pärchen noch nicht. "Es ist schon kniffelig", sagt Michael Milde. Der 29-Jährige wird von seiner Tanzschule für die Unterrichtsstunden bezahlt, diese wiederum sieht ihre Ausgaben als ehrenamtliches Engagement. "Das Schwierige ist, behinderte Kinder nicht zu überfordern und Grundschüler nicht zu langweilen."

Schulleiterin Janet Greier-Laskosky schaut zufrieden. "Es brauchte eine Weile, Berührungsängste abzubauen", erzählt die 42-Jährige. "Das ist ein kleiner Erfolg und ein Schritt in Richtung Inklusion." Gemäß der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat sich Deutschland verpflichtet, Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam zu unterrichten. "Aber das ist für viele Regelschulen beim besten Willen derzeit nicht machbar", findet die Schulleiterin. Es fehle an Personal. Allein für die Tanzstunde braucht es tatkräftige Unterstützung: Zwei Lehrer der Förderschule, eine Grundschullehrerin und eine Unterrichtsbegleiterin helfen. Doch dies sei nicht das einzige Problem, erläutert Greier-Laskosky. Es bestehe teilweise Skepsis der Eltern - auch gegenüber dem Tanzprojekt: "Sie befürchten, dass ihre Kinder etwas Wichtiges im Unterricht verpassen. Aber das stimmt nicht; wir achten darauf, dass der Stoff nachgeholt wird."

Burkhard Grimm, Förderschullehrer und Mitinitiator des Projekts, öffnet die Schiebetür eines Transporters - hinein klettern seine Förderschüler. Für sie geht es nach der Tanzstunde zurück ins Schloss. Grimm tanzt selbst donnerstags mit. "Den Kindern macht es so viel Spaß, dass sie sich heute gegen einen Zoobesuch entschieden", sagt der 49-Jährige. Für die Schlosskinder - teilweise Autisten - sei Tanzen sehr wichtig; so könnten sie lernen, auf körperlicher Ebene zu kommunizieren. Nächstes Jahr soll das Projekt fortgesetzt werden, dann mit Fördergeldern aus der sächsischen Ganztagsangebotsverordnung. "Es ist sicher noch ein langer Weg, aber wir hoffen, irgendwann nicht mehr nur Gast an der Regelschule, sondern Teil der 'Familie' zu sein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.07.2013

Berins, Lisa

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