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Leipziger Umweltforscher erkunden zusammen mit anderen Fachleuten das Tote Meer

Leipziger Umweltforscher erkunden zusammen mit anderen Fachleuten das Tote Meer

Klima, Wasser, Boden - den komplexen Zusammenhängen, die das Geschehen am Toten Meer beeinflussen, sind Wissenschaftler der Leipziger Helmholtzzentrums für Umweltforschung (UFZ) gemeinsam mit Fachleuten anderer Wissenschaftseinrichtungen auf der Spur.

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Messstation am Toten Meer: Sie gehört zum internationalen Deserve-Projekt, an dem das UFZ beteiligt ist.

Quelle: Ulrich Corsmeier

Jüngst waren sie wieder vor Ort, um hydrogeologische Mechanismen des Gewässers zu erkunden, das extrem salzig ist, etwa 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und an Israel, das Palästinenser-Gebiet und Jordanien grenzt.

Gespeist wird es vor allem vom Jordan-Fluss, doch der wird schon extrem zur Ader gelassen, bevor er das Tote Meer erreicht. Für die Bewässerung von Feldern sowie die Wasserversorgung der Industrie und der Bevölkerung wird er angezapft. Folge: Das Tote Meer verdunstet systematisch - alleine in den letzten zwei Jahren sank der Wasserspiegel des abflusslosen Sees um drei Meter. Wenn sich der Prozess fortsetzt, könnte er in 50 Jahren ausgetrocknet sein.

Ein alarmierendes Szenario, weil damit der gesamte Wasserhaushalt der Region aus den Fugen geraten würde. Denn der abnehmende Wasserstand des rund 900 Quadratkilometer großen Sees wirkt sich auch auf den Pegel des Grundwassers aus, auf das vier Millionen Menschen angewiesen sind. Zugrunde liegt dem eine bisher kaum untersuchte Wechselwirkung in der Tiefe des Toten Meeres. Über submarine Quellen tritt Süßwasser aus den Grundwasserleitern in den See aus. Durch diesen Zustrom geht nicht nur Trinkwasser verloren, er löst auch abgelagerte Salzschichten auf und führt zu großen Hohlräumen, die dann einbrechen. "In der Vergangenheit wurden solche Grundwasseraustritte bei den Untersuchungen kaum berücksichtigt, nun rücken sie in den Fokus", erklärt Christian Siebert vom UFZ, der mit seinem Kollegen Ulf Mallast vor Kurzem bei einer Forschungskampagne am Toten Meer mitwirkte. Im Schulterschluss mit Fachleuten der Bergakademie Freiberg und der Berliner Firma Evologics gingen sie dem Phänomen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund.

Auf dem Programm standen Taucheinsätze und Sondierungen des Seebodens mit Hightech-Instrumenten. "Es wurde akribisch kartiert und dokumentiert", berichten Siebert und Mallast. Als Aktionsgebiet war die Darga Bay gewählt worden, in der gewaltige Mengen Grundwasser ins Tote Meer ausströmen. Wie sich zeigte, geschieht das über bis zu 18 Meter tiefe Krater.

Für Menschen und Technik war die Forschungsmission strapaziös. So musste jeder Taucher mit 50 Kilogramm beschwert werden, um bei dem enormen Auftrieb des Seewassers durch seinen starken Salzgehalt überhaupt in die Tiefe vorstoßen zu können. "Außerdem ist diese Sole aggressiv", erläutert Professor Broder Merkel von der Bergakademie. Das sei vor allem für die empfindlichen Messgeräte eine Gefahr. Installiert waren diese auf einem autonom agierenden Boot von Evologics. Bestückt mit Echolot und Seitenscan-Sonar lieferte der kleine Katamaran genaue Profile des Seebodens, während eine Forschungsdrohne über dem Wasser schwebte und hoch aufgelöste Luftbilder des Untersuchungsgebietes schoss. Das als Octocopter bezeichnete Fluggerät zeichnete per Wärmebildkamera auch thermale Signaturen des aufsteigenden Süßwassers auf.

Zurück in der Heimat, steht nun am UFZ und in anderen Laboren die Auswertung der gewonnenen Daten und der mitgebrachten Wasserproben an, in denen sich auch Mikroorganismen finden. Denn das Tote Meer ist zwar kein Lebensraum für Fische, aber keineswegs tot. Besonders die submarinen Süßwasserquellen sind mikrobiell besiedelt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.01.2015

Mario Beck

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