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Leipziger Uni-Geografen gehen dem legendären Karlsgraben auf den Grund

Leipziger Uni-Geografen gehen dem legendären Karlsgraben auf den Grund

Wurde er im frühen Mittelalter von Schiffen befahren oder blieb er eine Investruine der Karolingerzeit? War er genial konstruiert oder entsprang er bloßem Tatendrang? Wissenschaftler der Leipziger Uni gehen gemeinsam mit Experten der Universität Jena und anderen Forschungseinrichtungen dem sagenhaften Karlsgraben auf den Grund.

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Sondierung des einstigen Karlsgraben-Verlaufes in Mittelfranken. Bei dem Projekt sind Wissenschaftler der Unis in Leipzig und Jena die Protagonisten.

Quelle: Lukas Werther

Leipzig. Im Auftrag Karls des Großen war er als Verbindung zwischen den Flüssen Schwäbische Rezat und Altmühl in Mittelfranken konzipiert und sollte als künstlich geschaffene Schlagader einen durchgängigen Verkehr zwischen den Flusssystemen von Rhein und Donau ermöglichen. Aus historischen Dokumenten geht hervor, dass das für damalige Verhältnisse grandiose Werk anno 793 nach Christus vollbracht gewesen sein soll.

Demnach zog sich die sogenannte Fossa Carolina von Weißenburg bis Teuchtlingen wohl über mindestens drei Kilometer hin, sichtbar geblieben sind nur 500 Meter Wasserfläche und einige Wälle - die Geheimnisse des Kanals sind begraben. Wer sie lüften will, muss ins Erdreich vordringen, also schachten, bohren und das Terrain mit modernen geo-archäometrischen Verfahren sondieren. Im Schulterschluss mit ihren Kollegen ziehen Professor Christoph Zielhofer und Eva Leitholdt vom Leipziger Uni-Institut für Geografie alle Erkundungsregister. Unter anderem wurden 60 Rammkernbohrungen niedergebracht und so aussagekräftige Bodenproben gewonnen. Zu Tage kamen beispielsweise tonige Verfüllungen und Faulschlämme. "Sie offenbaren, dass der Kanal über mehrere Jahrhunderte hinweg in weiten Bereichen tatsächlich Wasser führte", erklärt Leitholdt. Auch Belege für abgestufte Staubecken fanden sich, was Zielhofer zur Feststellung veranlasst: "Wir haben es definitiv mit einem ausgeklügelten hydrologischen Konzept zu tun, bei dem die Erbauer die Wasserscheide künstlich verlagerten." Der Höhenunterschied zwischen der zum Main fließenden Rezat und der gen Donau plätschernden Altmühl liegt bei etwa 15 Metern.

So viel ist sicher: Die in Karls Namen geschaffene Passage war knapp einen Meter tief, bis zu sechs Meter breit und damit für Kähne mit schwerer Last ausgelegt. Wurde sie vollendet? Zielhofer kann da nach den bisherigen Befunden leider nur mit den Schultern zucken. Für rund 2,3 Kilometer des Kanals gibt es ein gesichertes wissenschaftliches Fundament, doch damit ist das Puzzle längst nicht vollkommen. Vor allem liegt jener Ort weiter im Dunkeln, an dem der Kanal an die Altmühl angedockt haben könnte. Das Bindeglied, mit dem schon zu mittelalterlichen Zeiten letztlich ein Schiffstransit von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer machbar gewesen wäre.

Die Wissenschaftler sehen sich mit einer diffusen Quellenlage konfrontiert: Einerseits heißt es in den Wiener Handschriften von 814, dass der Kanal, kaum dass er gezogen ward, durch Regengüsse wieder einrutschte. Andererseits steht in den Reichsannalen, der große Karl habe im Herbst 793 zu Schiff von Regensburg kommend, dem großen Graben zwischen Altmühl und Rednitz einen Besuch abgestattet und es hätten sich auch die Gesandten des Papstes mit großen Geschenken eingefunden.

Inzwischen ist das Forschungsprojekt in die derzeit in München präsentierte Ausstellung "Großbaubaustelle 793" gemündet - und in eine aktuelle Publikation der renommierten Public Library of Science.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2014

Mario Beck

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