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Bildung Leipziger Uni-Geologin rekonstruiert Jahrtausende alte Erdbeben in Amerika
Leipzig Bildung Leipziger Uni-Geologin rekonstruiert Jahrtausende alte Erdbeben in Amerika
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00:16 29.11.2016
Yvonne Milker bei der mikroskopischen Untersuchung von fossilen Einzellern. Diese Foraminiferen spielten bei dem Projekt zur Rekonstruktion historischer Erdbeben an der US-Pazifikküste eine wichtige Rolle.
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LEIPZIG


Die 40-Jährige begann hier im Institut ihre akademische Laufbahn, studierte an der Alma mater Geologie und Paläontologie, promovierte dann in Hamburg und machte dort später als Postdoc weiter, um 2015 als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach Leipzig zurückzukehren. Mit vielen Messergebnissen im Gepäck: Denn die Expertin leitete zwischenzeitlich ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt, bei dem sie zusammen mit US-Kollegen die Erdbeben-Historie in jenem Gebiet rekonstruierte, in dem auch anno 1700 der Küstenstreifen absackte. Ursächlich bedingt durch den Kollisionskurs der Nordamerikanischen Platte und der Juan-de-Fuca-Platte, der für tektonische Aktivitäten sorgt. Den Verlauf des Bebens vor 316 Jahren hatten Fachleute per Computer bereits auf der Basis von Daten modelliert, als das Team um Milker tiefer in die Vergangenheit vordrang.

Auf den Salzwiesen in Süd-Oregon zogen sie mehrere jeweils etwa vier Meter lange Bohrkerne aus dem Untergrund. In ihnen sind tektonische Vorgänge, die der dortigen Cascadia-Subduktionszone entsprangen, quasi wie in einem Archiv gespeichert. Denn die zu Tage geförderten Schichten enthalten unter anderem einzellige sandschalige Mikrofossilien. Als Foraminiferen bezeichnet, zeigt ihre Menge und Beschaffenheit im Vergleich zu den heute lebenden Exemplaren an, wann sich der Boden einst senkte und hob. Als stratigraphisch und sedimentologisch bezeichnete Untersuchungsmethoden kamen zum Einsatz, um den Beben vor mehreren Tausend Jahren auf die Spur zu kommen. Im Journal „Quaternary Science Reviews“ wurden nun die Ergebnisse publiziert, Milker fungiert als Erstautorin.

Die Datierungen mit der C14-Methode offenbarten einen gewissen zeitlichen Rhythmus: Das bei der Studie älteste dingfest gemachte Beben fand vor etwa 3300 Jahren statt, das Gebiet sackte bei den Erdstößen um 61 bis 67 Zentimeter ab. Vor 2800 Jahren dann der nächste Hammer mit einer maximalen Senkungsrate des Terrains von 75 Zentimetern, vor 2200, 1700 und 1200 Jahren bebte es erneut, wobei die Küstenlandschaft immer um etwa 60 Zentimeter tiefergelegt wurde. Werden die Senkungsraten als Indikator für die Stärke der Erdstöße genommen, so war das Beben anno 1700 weniger schwer, denn der Küstenstreifen sackte nur circa 30 Zentimeter ab.

Der generierte Wissenszuwachs fließt jetzt auch in Computermodellierungen mit dem Ziel ein, aus früheren Erdbeben für die Zukunft zu lernen. Milker befasst sich inzwischen mit der Mittelmeerinsel Rhodos aus prähistorisch-tektonischer Warte: Das Zeitfenster im Rückspiegel reicht dabei von vor 1,6 Millionen bis vor 350 000 Jahren.

Von Mario Beck

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