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Leipziger Uni-Institut: Uraltes Schwert per Tomograf seziert

Leipziger Uni-Institut: Uraltes Schwert per Tomograf seziert

Einst hatte es eine scharfe Klinge und war prächtig verziert - jenes frühmittelalterliche Schwert, an dem der Zahn der Zeit kräftig genagt hat. Geborgen wurde es aus einem Grab im rheinländischen Krefeld-Gellep.

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Experten des Leipziger Uni-Institutes für Mineralogie, Kristallographie und Materialwissenschaft analysieren frühmittelalterliches Schwert mit Computer-Tomografen.

Quelle: Andreas König

Leipzig. Nun wird die knapp einen Meter lange Hieb- und Stichwaffe nach allen Regeln der Kunst analysiert. Experten des Arbeitskreises für multifunktionale Konstruktionswerkstoffe des Leipziger Uni-Institutes für Mineralogie, Kristallographie und Materialwissenschaft (IMKM) sind dabei gefragte Forschungspartner.

Leipzig. Einst hatte es eine scharfe Klinge und war prächtig verziert - jenes frühmittelalterliche Schwert, an dem der Zahn der Zeit kräftig genagt hat. Geborgen wurde es aus einem Grab im rheinländischen Krefeld-Gellep. Nun wird die knapp einen Meter lange Hieb- und Stichwaffe nach allen Regeln der Kunst analysiert. Experten des Arbeitskreises für multifunktionale Konstruktionswerkstoffe des Leipziger Uni-Institutes für Mineralogie, Kristallographie und Materialwissenschaft (IMKM) sind dabei gefragte Forschungspartner.

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Auf dem Probenteller des hochkarätigen Computer-Tomografen, der im Erdgeschoss des Institutsgebäudes in der Scharnhorststraße hinter einer dicken Blei-Abschirmung steht, rotiert vieles. Unter die Lupe werden mit dem Gerät, das Strukturen bis zu zehn Mikrometer offenbart, unter anderem Werkstoffe oder Bauteile genommen. Aber die Hightech-Anlage wird zunehmend auch eingespannt, um bei biologischen, chemischen oder medizinischen Fragestellungen Antworten zu finden.

"Meist sind es komplexe Probleme, die eine interdisziplinäre Herangehensweise erfordern", umschreibt Frank Dehn das Einsatzspektrum des Super-Scanners, dessen Leistung die von medizinischen Tomografen weit übertrifft. Seit rund zwei Jahren hat Dehn am IMKM eine Stiftungsprofessur inne und kurbelt weitere Vorhaben an, bei denen Partner aus der Industrie ebenso im Boot sind wie solche von anderen Wissenschaftseinrichtungen. "Unsere Expertise ist gefragt", sagt Dehn. "Das Netzwerk der Kooperationen wächst."

Im Zuge dessen kam es auch zum Schulterschluss mit Fachleuten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), die eine Reihe von Schwertern aus dem frühen Mittelalter eingehend sondieren, um hinter das Geheimnis der Schmiedetechniken bei den sogenannten wurmbunten Klingen zu kommen. Als Vergleichsobjekt dazu diente ein Schwert, das im Museum Burg Linn verwahrt wird und aus einem Gräberfeld in Krefeld-Gellep stammt. 1962 war es dort aufgetaucht.Mit ihm im Gepäck, machte sich der Archäologe und Projektleiter Ulrich Lehmann zusammen mit LWL-Restaurator Eugen Müsch jüngst nach Leipzig auf. Zwecks eingehender Durchleuchtung des stark korrodierten und brüchigen Objektes, das trotz des Rostes aber noch von altem Glanz zeugt. Markenzeichen sind beispielsweise ein edelsteinverzierter Goldknauf und Einlagen, die mit vergoldeter Bronze bestückt sind.

Sechs Mal für jeweils zwei Stunden wurde die Kostbarkeit im Tomografen berührungslos sondiert. Dehn und sein Kollege Andreas König konnten brillante Bilder aus dem Inneren des Schwertes liefern, es gewissermaßen sezieren. "Wir haben aussagekräftige zwei- und dreidimensionale Aufnahmen gewonnen", erzählt König. Zu Tage traten dabei die verschiedenen Materialschichten, am Computer-Monitor lässt sich das Ergebnis nun besichtigen. Plastische Aufnahmen zeigen etwa die Dichteunterschiede der einzelnen Lagen und lassen Rückschlüsse auf die einstige Herstellungsweise - dem Feuerverschweißen - zu.

Noch während das in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts angefertigte Schwert auf dem Probentisch des Tomografen platziert war, unterzogen die Spezialisten am Institut gemeinsam mit Lehmann und Müsch die gewonnenen Aufnahmen einer ersten Auswertung. Auch dank einer speziellen Software traten viele Details aus dem Innenleben zu Tage. Dehn: "So einen Befund gemeinsam zu interpretieren, ist eine spannende Sache, das gibt es nicht alle Tage." Zu ihrem Namen kamen die wurmbunten Klingen durch ein charakteristisches Muster. "Wenn Licht auf die Schneide fiel oder das Metall angehaucht wurde, wirkte die Klinge lebendig, so als wenn sich dort blutige Würmer kringeln", erklärt Lehmann.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2014

Mario Beck

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