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Bildung Leipziger Uni: Personalschwund beim Hochschulrat
Leipzig Bildung Leipziger Uni: Personalschwund beim Hochschulrat
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00:19 09.06.2017
An der Leipziger Uni haben jetzt der Vorsitzende und der Vize des Hochschulrates ihren vorzeitigen Rücktritt erklärt. Quelle: André Kempner
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LEIPZIG

Starke Absetzbewegungen beim Hochschulrat (HR) der Leipziger Uni: Mit Professor Reinhold Grimm und Josef Lange ziehen sich jetzt die Führungskräfte des Aufsichtsgremiums der Alma mater vorzeitig zurück. Grimm gehörte ihm seit der Gründung 2010 an, übernahm 2014 den Vorsitz und hätte noch eine Amtszeit bis 2020 gehabt. Für Lange, der als Vize fungierte und 2014 in den HR berufen wurde, wäre die Wahlperiode regulär erst 2019 abgelaufen. Nach LVZ-Informationen haben beide Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) jetzt über ihren Rücktritt informiert. Die Auflösungserscheinungen könnten sich fortsetzen. Offenbar planen auch weitere der sogenannten externen Mitglieder eine vorgezogenen Ausstieg aus dem Rat. Er setzt sich aus Wissenschaftlern der Alma mater und außeruniversitären Experten zusammen.

Es gilt seit langem als offenes Geheimnis, dass es zwischen dem HR und dem Uni-Rektorat massive Spannungen gibt. Er fühlte sich in der Vergangenheit bei zahlreichen Entscheidungen übergangen und auch das Verhältnis mit dem akademischen Senat gilt als belastet. Schon 2014 hatte die damalige HR-Vorsitzende Professorin Monika Harms das Handtuch geworfen. Sie und Uni-Rektorin Professorin Beate Schücking waren in herzlicher Abneigung verbunden. Und als der HR – nunmehr unter Grimms Ägide – Schücking im Sommer 2015 nicht als Kandidatin für eine zweite Amtszeit nominierte, brach die Konfrontation erneut offen aus.

Wie die LVZ jetzt erfuhr, sollen Grimm (Emeritus der Uni Jena) und Lange (ehemaliger Staatssekretär im niedersächsischen Wissenschaftsministerium) schon Anfang 2016 Ministerin Stange ihren Rücktritt angeboten haben. Damals war die erste Runde des Rektor-Wahlverfahrens an der Alma mater gescheitert, nachdem die zwei nominierten Bewerber aus Münster und Bremen ihre Kandidaturen – vom Gremienzoff entnervt – aufgegeben hatten. Stange soll den HR-Chef und seinen Stellvertreter in jener brenzligen Situation gebeten haben, weiter zur Verfügung zu stehen, damit das Problem der Uni-Spitzenpersonalie nicht völlig aus dem Ruder läuft. Beide willigten ein, beim zweiten Anlauf wurden Schücking und zwei externe Kandidaten dann auf die Nominierungsliste gesetzt, einer stieg noch aus, letztlich setzte sich die Amtsinhaberin beim Votum des erweiterten Senates gegen Professor Jan Palmowski von der Uni im englischen Warwick durch. Schückings feierliche Investitur ging, wie berichtet, Ende April 2017 über die Bühne.

Ihre ehrenamtliche Pflicht und Schuldigkeit gegenüber der Uni sehen Grimm und Lange nach dem Abschluss des Wahlverfahrens nunmehr als getan an und machen den Weg für eine Neubesetzung ihrer HR-Plätze frei. Der Rat ist nicht nur für die Suche von Kandidaten für das höchste Amt der Uni zuständig. Als Aufsichtsgremium gibt er unter anderem auch Empfehlungen zur Profilbildung und Verbesserung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Hochschule ab und muss die jeweiligen Jahresabschlüsse der Uni genehmigen. Schon zu Zeiten von Harms gab es harsche Kritik, dass der HR kaum mit den für seine Arbeit notwendigen Informationen versorgt werde. Daran hat sich wohl nicht viel geändert. Nach Langes Eindruck werden die gesetzlichen Aufgaben des Hochschulrates von der Uni-Spitze als eher lästig denn für die Uni-Entwicklung förderlich angesehen.

Von Mario Beck

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