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Bildung Leipziger Verein Rosa Linde klärt über Sexualität auf - Nachfrage in Schulen wächst
Leipzig Bildung Leipziger Verein Rosa Linde klärt über Sexualität auf - Nachfrage in Schulen wächst
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18:44 02.02.2014
Bauen Voruteile ab: die Rosa-Linde-Mitstreiter Stefanie Krüger, Thea Wende, Kristin Bär, Marcel Engemann, Robert Jaensch, Dirk Larisch (vorn, von links). Quelle: André Kempner

Eine Nachricht vom Wochenende war im Verein, der sich für alle Menschen unabhängig ihrer sexuellen Identität und Lebensweise einsetzt, gleich Gespräch: Am Sonnabend hatte es in Stuttgart eine Großdemo gegen die "Aufwertung des Themas Homosexualität im Schulunterricht" gegeben, die die grün-rote Landesregierung Baden-Württembergs in ihren Bildungsplan 2015 festschreiben will. Die Initiatoren protestierten gegen eine diesbezügliche "Indoktrinierung ihrer Kinder".

"Es ist wohl schon immer so: Sobald sich irgendwo die gesellschaftlichen Bedingungen für sogenannte Minderheitsgruppen etwas verbessern, treten immer Leute auf den Plan, die gern den Status quo erhalten würden. Nur, was da in Baden-Württemberg läuft, diese Allianz konservativer und kirchlicher Kreise mit Neonaziströmungen, das ist besorgniserregend", meint etwa Thea Wende, die mit Stefanie Krüger bei Rosa Linde das Beratungs- und Schulprojekt leitet. Und zwar bisher ohne, wie beide meinten, angefeindet worden zu sein.

Mit dem 2008 etablierten Aufklärungsprojekt "Liebe bekennt Farbe!" betreibt Rosa Linde in der Stadt und dem Leipziger Land Bildungsarbeit an Schulen zur sexuellen Identität. Immerhin: Neben Bundeswehr und Fußball gehöre leider die Schule zu den Orten mit besonders latenter Transphobie, so Wende. "Jedes Frühjahr aufs Neue schicken wir allen Schulen der Region unser kostenloses Angebot zu, bei dem schwule, lesbische oder intergeschlechtlich lebende Ehrenamtler vor Ort kommen, aufklären, Vorurteile und Diskriminierung abbauen helfen, indem sie mit den Schülern in den Dialog treten", erzählt Krüger. Anfangs hätten das so sechs, acht Leute gemacht. Heute sind es 25 Ehrenamtler.

In den letzten Jahren war man so 20-, 30-mal im Jahr im Rahmen des Sexualkundeunterrichts in Schulen. Im Vorjahr wurde dank einer Förderung vom Landesprogramms "Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz" praktisch eine Kapazitätserweiterung möglich: 2013 konnten somit schon 50 Schulen die Offerte nutzen. "Für dieses Jahr gibt es bereits jetzt 13 Anmeldungen", so Krüger. Das pädagogische Konzept bei diesem im Durchschnitt 90-minütigen Schulbesuch kam bislang bei den Schülern offenbar an. "War eine gute Sache. Hat auch mal gezeigt, dass alles irgendwo normal ist", schrieb jüngst zum Beispiel dem Projekt-Team ein Siebtklässler.

Und als sich die Tage Sachsens Landesschülerrat öffentlich für ein intensiveres Eingehen auf Homosexualität im Unterricht aussprach, war das für Leipzigs Rosa-Linde-Akteure wie ein sie bestärkendes "Weiter so!". Nicht zuletzt, weil die Erfahrung sie inzwischen auch lehrte - Aufklärungsbedarf, ein Überdenken eigener Einstellungen besteht selbst noch auf Seiten der Lehrerschaft. "Zumindest haben wir aber auch schon so manch ' Heranwachsendem, der sich in seinem biologisch ihm zugedachten Körper nicht wohl fühlt, signalisieren können, dass er damit nicht allein auf der Welt ist", sagt Wende. Und einige von denen hätten dann auch hilfesuchend den Weg zur Rosa-Linde-Beratung gefunden. Die werde allerdings zunehmend für Menschen allen Alters zur ersten Anlaufstelle in höchster psychosozialer Not. 746 Kontakte verzeichnete man im Vorjahr, 2012 waren es noch 539. Ein häufiges Thema: Wie das "Coming out" angehen?

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.02.2014

Angelika Raulien

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