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Bildung Leipziger erforschen Nussknackersuiten bei Schimpansen im Regenwald
Leipzig Bildung Leipziger erforschen Nussknackersuiten bei Schimpansen im Regenwald
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23:59 08.01.2015
Leipziger Wissenschaftler erforschen das Verhalten von Schimpansen. (Foto: Carola Frentzen/dpa/tmn) Quelle: dpa

Seit Langem sind Experten des Leipziger Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie (Eva) wissenschaftlich in diesem Revier unterwegs, um das Verhalten der Primaten zu studieren, darunter auch ihre Ernährungsgewohnheiten. Bei zwei jeweils fünfmonatigen Forschungskampagnen hat ein Team jetzt sondiert, wie die Schimpansen dort beim Nüsseknacken vorgehen.

Ergebnis: Sie entwickeln bei der Auswahl der notwendigen Werkzeuge eine ausgefeilte Strategie und berücksichtigen eine Reihe von Faktoren, um möglichst optimal an die Leckerbissen zu kommen. Eine "schlaue Art und Weise" des Vorgehens attestieren die an dem Projekt beteiligten Fachleute den Menschenaffen. Und Professor Christophe Boesch, der am Eva die Abteilung für Primatologie leitet, schlussfolgert aus den vorliegenden Beobachtungsresultaten: "Das Vermögen, sich Zugang zu hart ummantelten Nahrungsquellen zu verschaffen, könnte bei der Evolution komplexer kognitiver Fähigkeiten in unserer Abstammungslinie eine Rolle gespielt haben."

Wie die Untersuchungen im Regenwald offenbarten, gibt es bei den Schimpansen eine umsichtig geplante Choreografie, eine Art Nussknackersuite, bei der Auswahl der Instrumente. Bekannt war, dass sie das Hammer-Amboss-Prinzip nutzen, um die Schalen aufzubrechen. Wahlweise auf Steinen oder Wurzeln werden die Nüsse zurechtgelegt, dann greifen sich die Tiere einen Knüppel oder einen Gesteinsbrocken und zertrümmern die Schalen. "Bisher war aber nur wenig darüber bekannt, nach welchen Kriterien die Werkzeuge ausgewählt werden", erklärt Projektleiterin Giulia Sirianni vom Eva. Um diese Wissenslücke zu schließen, folgten sie und ihre Kollegen täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang fünf weiblichen Schimpansen im Tai-Nationalpark und kartierten alle Orte, an denen Schlagwerkzeuge aufgenommen wurden. Um Folgetag inspizierten die Wissenschaftler dann eingehend die jeweiligen Nussknackerstellen.

Der Aufwand zahlte sich aus: Es zeigte sich, dass die genetisch nächsten Verwandten des Menschen Aufwand und Nutzen genau kalkulieren. War der Weg zu einer ebenerdigen Nussknackerstelle weit oder wurde hoch droben in den Bäumen das kulinarische Werk vollbracht, dann bevorzugten die Schimpansen leichtere Hammer-Instrumente, um sich beim Werkzeugtransport über eine längere Distanz oder nach oben ins Geäst nicht allzu sehr zu verausgaben. Ansonsten griffen sie zu wuchtigen Steinen oder größeren harten Knüppeln.

In früheren Studien hatten die Eva-Experten ermittelt, dass die Tiere ihr knackiges Know-how bereits vor ewigen Zeiten entwickelten. Im Tai-Dschungel fanden sich Steine mit anhaftenden Nusspartikeln, die auf ein Alter von rund 4300 Jahren datiert wurden. Durch soziales Lernen wird das Nussknacker-Handwerk bei den Menschenaffen von Generation zu Generation weitergegeben. Die erwachsenen Tiere machen es vor, die Sprösslinge nach.

Am routiniertesten sind erwachsene Weibchen. Vor allem sie sind es auch, die - auf Ästen hockend - die Nüsse gleich nach der Ernte in luftiger Höhe geschickt aufbrechen und sich munden lassen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.01.2015

Mario Beck

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