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Bildung Leipzigs Gymnasien sind überfüllt - bald heißt es quer durch die Stadt zur Schule
Leipzig Bildung Leipzigs Gymnasien sind überfüllt - bald heißt es quer durch die Stadt zur Schule
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21:34 14.07.2013
Quelle: dpa

Deshalb werden etliche Kinder quer durch die Stadt geschickt. Etwa 20 Eltern haben Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt, einige erwägen inzwischen sogar eine Klage.

Familie Lange ist mit zwei Kinder fest in der Südvorstadt verwurzelt. Der Sohn, der die 3. Grundschule in der Bernhard-Göring-Straße besuchte, kommt jetzt mit Notendurchschnitt 1,3 aufs Gymnasium. Doch auf welches? "Wir haben fünf Gymnasien in die engere Wahl gezogen, die noch im Umkreis unseres Einzugsgebietes liegen", so Vater Ronald Lange. Die sind per Fuß, per Rad zu erreichen oder ein paar Haltestellen mit der Straßenbahn. So kamen das Immanuel-Kant-Gymnasium in der Südvorstadt, die Neue Nikolaischule in Stötteritz sowie das Gymnasium Bornaische Straße in Connewitz als Erst- bis Drittwunsch auf den Zettel. Doch mit der Aufnahmezusage kam die Ernüchterung: Brockhaus-Gymnasium in der Kieler Straße in Mockau. "Das kann nur ein Fehler sein und ist völlig inakzeptabel", schreibt die Familie an die LVZ.

Das Brockhaus-Gymnasium mache zwar einen guten Eindruck. Doch es liegt im Nordosten Leipzig, was einen Schulweg von gut einer Stunde entspricht und per Fahrrad für einen Elfjährigen nicht sicher zu erreichen ist. "Wir sind als Eltern für die Sicherheit unseres Kindes verantwortlich und haben uns gerade deshalb unser Wohnumfeld mit perfekter Infrastruktur ausgesucht", so Familie Lange, die Widerspruch eingelegt hat. "Unser Anwalt prüft rechtliche Schritte", ergänzt Ronald Lange auf LVZ-Nachfrage.

Ein Einzelfall ist das nicht. Einer Mitschülerin aus der 3. Grundschule ergeht es ähnlich - auch sie soll 19 Stationen mit der Bahn nach Mockau fahren, obwohl es dort das gewünschte musikalische Profil gar nicht gibt. Ans Max-Klinger-Gymnasium in Grünau sind sechs künftige Fünftklässler gegen den Willen ihrer Eltern zugewiesen worden. Derzeit sind etwa 20 Widersprüche gegen die Vergabe bei der sächsischen Bildungsagentur eingegangen, bestätigt Sprecher Roman Schulz auf LVZ-Nachfrage. Eingreifen könne seine Behörde aber nicht: "Die Stadt Leipzig legt als Schulträger fest, wie viele Klassen gebildet werden können", sagt Schulz. Da passiere es rasch, dass die Kapazitätsgrenze erreicht werde. "Das ist zwar nicht erfreulich. Wir stellen aber seit Jahren fest, dass einige Bildungsstätten besonders nachgefragt sind." Dazu gehöre auch das frisch sanierte Kant-Gymnasium. Zumal dort im Umfeld viele Familien leben. Wer aufgenommen wird, entscheide der jeweilige Schulleiter. "Als Widerspruchbehörde können wir nur prüfen, ob die Entscheidung korrekt und stimmig war."

Leipzigs Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) verweist darauf, dass Räume in Gymnasien begrenzt sind, Klassen auch nicht zu groß werden dürfen. "Das entscheidende Kriterium ist, dass Gymnasien mit dem öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen sind." Familien aus der ganzen Stadt entscheiden sich sogar bewusst, ihre Kinder auf attraktive Schulen wie das Ostwald in Lößnig, das Reclam am Bayerischen Bahnhof oder das Montessori-Schulzentrum in Grünau zu schicken. Eine Entspannung im Süden werde es erst geben, wenn das neue Gymnasium in der Telemannstraße mit fünf Parallelklassen fertig ist. Damit die Schule von unten wachsen kann, werden ab 2014/15 im dann von der Pablo-Neruda-Grundschule nicht mehr genutzten Gebäude, fünfte Gymnasialklassen eingerichtet. Ein Jahr zu spät für Familie Lange.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.07.2013

Orbeck, Mathias

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