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Lesung über NS-Zeit: Johannes-Kepler-Gymnasium als einzige Leipziger Schule beteiligt

Politische Bildung im Unterricht Lesung über NS-Zeit: Johannes-Kepler-Gymnasium als einzige Leipziger Schule beteiligt

Vom Leben des jüdischen Jungen Solly Ganor erfahren Jugendliche derzeit an acht sächsischen Schulen in Lesungen. Das Johannes-Kepler-Gymnasium ist die einzige Schule in Leipzig, die am Projekt teilnimmt. Der Geschichtslehrer Eric Buchmann wünscht sich mehr solcher Unterrichts-Projekte.

Am Johannes-Kepler-Gymnasium spielt lebhafter Unterricht eine wichtige Rolle: Bei einer Videokonferenz befragten Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums 2016 Barbara Bush, die ehemalige First Lady in den USA. (Archivbild)

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. An insgesamt acht sächsischen Schulen erfahren Jugendliche derzeit vom Leben des jüdischen Jungen Solly Ganor. Das Johannes-Kepler-Gymnasium ist die einzige Schule in Leipzig, die am Projekt teilnimmt. Dem Kultusministerium, das die Veranstaltung unterstützt, war es bei der Vergabe wichtig, unterschiedliche Regionen und Schularten zu berücksichtigen. Nach diesen Kriterien wurden die acht Lesungs-Termine für „Das andere Leben“ vergeben.

„Durch die Bundestagswahl hat das Thema politische Bildung gerade in Sachsen an Bedeutung gewonnen“, sagt der Geschichts- und Politiklehrer Eric Buchmann des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Leipzig-Kleinzschocher. Er wünscht sich noch mehr solcher Projekte mit Zeitzeugen und Experten. Diese hinge eng mit der politisch-historischen Bildung zusammen, so Buchmann. „Wenn ein Schauspieler so ein komplexes Thema wie den Holocaust abwechslungsreich darstellt, haben die Schüler einen ganz anderen emotionalen Zugang“, sagt er.

Menschen statt Texte und Bilder im Lehrbuch

Am Mittwoch wird am Johannes-Kepler-Gymnasium der Schauspieler Thomas Darchinger die Geschichte „Das andere Leben“ vom jüdischen Jugendlichen Solly Ganor während der NS-Zeit vorlesen. Der Holocaust-Überlebende Ganor hat selbst bei der Konzeption des Programms, das nun erstmals in Sachsen aufgeführt wird, mitgewirkt. Komponist Wolfgang Lackerschmid begleitet am Vibraphon die Lesung musikalisch. Buchmann schwört auf den lebhaften Unterricht: Bei einem Projekt wie diesem stünden Menschen hinter der Geschichte, nicht nur Texte und Bilder in einem Lehrbuch.

Die Eltern der Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums wünschten sich Bildungsangebote wie die Lesung am Mittwoch. Die Schüler der neunten Klassen des Gymnasiums fahren jährlich nach Auschwitz, drehen dort Filme, interviewen Zeitzeugen und schreiben Gedichte. Das Erlebte teilten sie dann mit Eltern und Mitschülern, erzählt die stellvertretende Schulleiterin Elke Uhlemann. „Solche Projekte sind für die Gesellschaft wichtig“, sagt sie. Eltern der Schüler wünschten sich außerdem Veranstaltungen wie Camps für Klassensprecher und Streitschlichter, die das Verständnis für Demokratie schulten.

Nicht mehr viele Zeitzeugen der NS-Zeit am Leben

Roman Schulz, Sprecher der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig, findet Lesungen und Vorträge von Zeitzeugen im Unterricht „mehr als wichtig“. Inzwischen lebten nicht mehr viele Menschen, welche die NS-Zeit mitbekommen haben, gibt er zu bedenken. Auch die DDR könne durch lebendige Vorträge emotional vermittelt werden. Die Bildungsagentur schickt Angebote für Unterrichtsbesuche von Stiftungen, Delegationen und Kultusministerium an Schulen. Die könnten darauf bei Bedarf zugreifen, sagt Schulz.

Politisch-historische Bildung ergänze den Unterricht, während politische Bildung die Diskussions- und Streitkultur der Schüler festigt, sagt Schulz. Gerade Diskussionsrunden, bei denen ein Thema kontrovers beleuchtet wird, so dass sich ein Schüler dann seine eigene Meinung bilden kann, seien heute „wichtiger denn je“, sagt der Sprecher der Bildungsagentur. „Es gibt Tendenzen, die zeigen, dass Demokratieerziehung in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist“, sagt Schulz mit Blick auf Pegida, die Flüchtlingsdebatten und die AfD. Sowohl von Zeitzeugenberichten als auch von aktuellen Debatten könne es daher nicht genug geben in sächsischen Schulen.

Maßnahmenkatalog zur Demokratieerziehung

Das sächsische Kultusministerium hat im Januar dieses Jahres ein Expertengremium zur Demokratieerziehung gegründet. Hintergrund waren die ernüchternden Umfragewerte beim Bildungsmonitor 2016. Ende September präsentierte die Arbeitsgruppe ihren Maßnahmenkatalog „W wie Werte“. Demnach sollen Schüler beispielsweise mehr Mitwirkungsrechte bei zentralen schulischen Entscheidungen bekommen und Lehrer sollen verpflichtend zur demokratischen Bildung geschult werden.

Die Lesung über Solly Ganor am Mittwoch sei allerdings unabhängig von dem Katalog, heißt es von einer Sprecherin des Ministeriums. Zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust bot das Kultusministerium in der Vergangenheit mehrere Projekte an. So vermittelten sie beispielsweise Zeitzeugen, die den Holocaust überlebt haben oder an sächsische Schulen.

Von Theresa Held

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